hatte die Arme verschränkt und stand gegen den versperrten Kasten gelehnt . » Nur weiter , weiter ! Da weiß ich doch endlich , was du für einer bist . Noch gestern hab ich gesagt : Der Runotter ist von den Treuen und Verläßlichen einer ! « » Das bin ich , Herr ! Nit um Hofgunst . Jeder Mensch ist , wie er sein muß . « » Schön , Runotter ! Du redest ja schon bald wie ein Bruder vom freien Geist ! Ich merk , es fliegen Fledermäus im Land herum . Und heimliche Funken springen . Am Sonntag hat ein Rauschiger im Leuthaus die schweizerischen Eidgenossen leben lassen . Jetzt liegt er im Loch . Ich tu dich warnen , Runotter ! « » Was Ihr da redet , Herr , das trifft mich nit ! Ich hör nit drauf , wenn ein paar Narrenköpf von der Schweizer Freiheit tuscheln . Aber verzeihen könnt man ' s - « » Was ? « fragte der Amtmann scharf . » Daß ein Durstiger Sehnsucht hat nach einem Trunk . Und jetzt frag ich , Herr - mit den Ochsen vom Hängmoos - muß das wahrhaftig so sein , wie ' s jetzt beredet ist ? « » Recht muß Recht sein ! « » Gut ! Dann muß ich als Richtmann stehen beim Recht der Gnotschaft . « Runotter nahm die eiserne Schaller vom Fenstergesims und drückte sie über den Scheitel . » Deswegen bin ich kein Unverlässiger und kein Freigeistler . Mein Herrgott ist mein Herrgott , und mein Fürst ist mein Fürst . « Ein Schwanken kam in die Stimme des Bauern . » Der ist mir drum nit minder worden , weil sein Chorherr Hartneid Aschacher ein schlechtes Stück getan hat wider mein Weib und mein Leben . « Der Klang dieser Worte schien im eisenbeschlagenen Rippenschrank des Amtmanns etwas Menschliches aufzureißen . Er mußte seufzen . Doch er sagte streng : » Runotter , das gehört nicht vor mein Amt . « » Dann wird ' s wohl vor ein Amt gehören , vor dem wir uns alle finden - einmal ! Und solang ich noch auf der Welt steh , ist das gut , Herr Amtmann , daß der Chorherr Hartneid Aschacher im Kloster zu Chiemsee ein fürnehms Leben hat . So weit von uns . « Wie eine stählerne Klammer spannte sich die Faust des Bauern um die Scheide des Holdenschwertes . » Gottes Gruß , Gestreng Herr Amtmann ! « Die schwergenagelten Schuhe des Bauern klappten auf der Diele , und leise klirrte an seinem Küraß die Kette des Schwertgehänges . Die Türe schloß sich . Und Herr Someiner sah sie mit wunderlichen Augen an , als müßte er sich besinnen , was da jetzt geschehen wäre . 4 Schritte weckten den Amtmann aus seiner Versonnenheit . Lampert trat aus der Kammer , vor Erregung zitternd . » Vater ! Rufe diesen Mann zurück ! « » Wen ? « Herr Someiner erwachte . » Ach so ? « Von der Straße hörte man den Hufschlag eines Gaules , der sich entfernte . » Da ! Der reitet ja schon davon ! So ein Dickschädel ! « » Ich hol ihn noch ein . Darf ich ? « » Nein ! « Der Amtmann war ärgerlich . » Hätt er nicht umkehren können und mir ein gutes Wort geben ? « » Das hast du ihm unmöglich gemacht . « » Ich ? « Herr Someiner hatte den Blick eines erstaunten Kindes , das man einer Sünde beschuldigt , deren Namen es gar nicht kennt . » Lampert ? Ich versteh dich nimmer . In deinem Gesicht ist eine Erregung ohne Maß . Warum ? « » Weil ich fürchte , daß du eine ungerechte und gefährliche Übereilung begehst . « » Ich ? « » Davon hab ich nicht zu reden , meinst du ? Hier redet nur der Amtmann und wer gerufen ist . Gerufen bin ich nicht . Aber das mit diesen unglückseligen Ochsen , die das verbriefte Gras nicht fressen ? Das weißt du doch von mir . Und da machst du mich , deinen Sohn , zum Späher und Angeber ! « Das ging dem Amtmann über die Grenze der Geduld . Er schrie in Zorn : » Dir sollte die Mutter sagen , daß du aus jedem Bläslein eine Blatter machst ! « Wütend ging er in die Kammer hinaus und begann in dem dickleibigen Merkbuche zu blättern . Lampert folgte ihm bis zur Schwelle . » Vater ? Wirst du morgen die Pfändleut schicken ? Wirklich ? « Herr Someiner hob das Gesicht . Was aus den Augen des Sohnes sprach , schien begütigend auf den Vater zu wirken . » Kann sein , ich tu ' s , kann aber auch sein , ich überleg mir ' s noch . Jetzt muß ich da was im Merkbuch suchen . « » Vater ! Ich habe nicht Ruh , bevor du mir nicht klar versprichst , daß du die Pfändleut nicht schicken wirst . « Da war nun wieder alles verdorben . Herr Someiner schlug mit der Faust auf das Merkbuch . » Jetzt bin ich im Amt ! « Lampert lachte kurz und verließ mit jagendem Schritt diesen geheiligten Raum . Als er hinauskam in den Flur , rief Frau Someiner gerade über das Treppengeländer : » Mann ! Bub ! Die Supp ist fertig . « Das stimmte . In dieser verspäteten Mahlzeitstunde war eine böse Suppe gar geworden . Beim Anblick des Sohnes merkte Frau Marianne gleich , daß Sturm ins Haus gekommen . » Hat ' s Krach gegeben ? « » Laß mich , Mutter ! « Lampert stürmte in sein Stübchen . Frau Someiner wollte folgen , aber da hörte sie von droben das Klirren eines Riegels . » Der hat sich eingesperrt , da ist er sicher ! « dachte sie mit mütterlichem Verstande , machte