Nun mußte er mit der Wahrheit an den Tag . » Sill , för de Schullen , de ik ehr to bröcht hebb . « » Her de Appeln ! « » Och , Mudder ! « » Her de Appeln , de schallst du ne upeten ! « » Och , Mudder , lot mi de doch , ik hebb solangen keen Appeln mihr hatt ! « » Gifst du de her , Klaus ? « Er wollte flüchten , aber sie kriegte ihn am Hosenträger und nahm sie ihm weg . Hastig steckte sie sie in die große Tasche , die sie unter der Schürze trug , und ging ins Haus zurück . Störtebeker lief hinterher und versuchte , sie ihr wieder abzuschnacken , aber er erreichte es nicht , sie war unerbittlich . Da legte er sich auf die Lauer und beobachtete sie heimlich , ohne daß sie es gewahr wurde . Und als er sie später aus der Tür kommen hörte , da versteckte er sich schnell im Binnendeich hinter der dicken Wichel . Gesa sah sich scheu um , ob auch einer guckte , dann lief sie in den Garten , grub ein Loch und steckte die Äpfel hinein , um die Hexerei unwirksam zu machen . Kaum war sie aber wieder oben , als Störtebeker geschlichen kam und die Äpfel wieder ausgrub . Diesmal besah er sie nicht lange , sondern wischte sie schnell an der englischledernen Hose ab und steckte sie in die Tasche . Erst als er in sicherem Versteck am Westerdeich saß , in seinem Storchnest , das er sich im Wipfel einer abseits stehenden Esche gebaut hatte , betrachtete er sie wieder und aß sie dann mit großem Behagen auf , ohne bange zu sein , daß er krank danach werden könne . Dazu schmeckten sie viel zu gut . Als er wieder nach Hause kam , dick und satt , lag ein gelber Prinzapfel auf dem Tische , und die Mutter sagte : » Kiek , Klaus , dor hebb ik noch een van uns eegen Appeln int Heid funnen , de smeckt beter , un dor wardst du ne krank van . Den et man up . « Störtebeker verachtete natürlich auch diese Kost nicht , aber er sagte doch : » Van wegen beter , Mudder , dat will ik di man seggen : ik mag Kant leber as Prins ! « * * * Einige Tage danach brachte ein starker Westwind eine hohe Tide Wasser und brach de Fleek , das Eis , in tausend Stücke , schob das meiste davon auf den Deich und ebbte den Rest nach der See hinab . Dann machten Regen und Sonnenschein reine Bahn bis auf die Sandhügel und Schlickhaufen im Gras . Nun hatte Störtebeker freies Wasser für seinen Seeräuberkahn , er konnte wriggen und rudern , soviel er wollte . Jede Tide stieß er eben vor der Flut vom Sielgraben ab , ließ sich stromab treiben und legte sich zwischen Blankenese und dem Schweinesand auf die Lauer , warf den Draggen aus und harrte der Schiffe , die mit der Flut heraufkommen sollten , denn jetzt mußte und mußte sein Vater bald dabei sein . Zehn Tage war er schon weg . Die Dünung der Dampfer tanzte mit seinem Fahrzeug auf und ab , - das erfreute ihn , denn so mußte er doch zuletzt seefest werden . Wie er spähte ! Wenn große Drei- oder Viermaster vorbeigeschleppt wurden , warf er den Kopf in den Nacken und guckte nach den Rahen und Masten hinauf . Dampfer sah er feindselig an , denn er wußte , daß sein Vater nichts von den Stiemkästen hielt , und daß auch Kap Horn nicht gut auf sie zu sprechen war . Was da sonst noch segelte und kreuzte , Dreuchewer , Jalken , Kuffen , Schaluppen und Galjassen , fand auch wenig Gnade vor seinen Augen , das waren Dwarstreiber und Torfschipper bei ihm . Aber die richtigen Ewer , die Fischerewer , das waren Schiffe für ihn , denen wriggte er entgegen , und die begrüßte er : » Hebbt ji Vadder ne sehn ? Hett he ne bi jo fischt ? Kummt he bald ? « Wußten die Fahrensleute dann mitunter nicht , wer er war , die Auer oder die Lüneburger , dann drehte er einfach seinen Kahn so , daß sie seinen Namen » Klaus Störtebeker « lesen konnten , - dann wußten sie gleich Bescheidund dann hieß es ja oder nein , sie hätten bei ihm gefischt , er käme bald , oder sie hätten ihn nicht gesehen , er müsse wohl in der Süd zugange sein , oder er wäre nach der Weser gesegelt . Es waren auch Schelme da , die riefen , sein Vater sei nach Janmerika gefahren und käme erst Weihnachten wieder . Und Besorgte , die ihn ermahnten , nicht so weit hinaus zu schippern , sondern am Bollwerk zu bleiben . Nur was er am liebsten hören wollte , daß einer sagte : » Dor seilt dien Vadder , dor achter : schipper em man inne Meut ! « - das bekam er nicht zu hören , und den schönsten Ewer kriegte er nicht zu sehen , so weit er auch blickte . Hinter ihm machten sie die Flagge klar , um dem Deich zu winken und die Frauen zu grüßen : er sah es mit einem bitteren Geschmack im Munde . Abends wriggte er niedergeschlagen zurück . Wenn er dann noch den Deich entlang mußte , benachrichtigte er wohl die Frauen , deren Männer aufgekommen waren : Geschen , ik hebb mit Hannis snackt , du schullst man noch mit den Negendampfer nokommen ! Oder : Trino , Hein is upkommen , hett tweehunnert Stieg Schullen . Und wenn auch die Frauen meistens schon Bescheid wußten , wenn sie auch schon gewinkt hatten , so freuten sie sich doch der Bestätigung und sahen den kleinen Störtebeker freundlicher an ,