unerträglich eng . Dann ist es schon besser , seine Höhle dunkel zu machen und sich darin zu verkriechen . « » Naturgesetz dieses Ab und Zu der Gefühle « , murmelte Hilmar zerstreut . » Und doch « , fuhr Hans fort , » ich fühle eine seltsame Befriedigung , und warum ? Weil wir so viel Fische gefangen haben . Das ist doch ein greifbares Resultat einer Arbeit . Wenn ich einen fetten Dorsch halte , so weiß ich , was ich habe . Wenn ich ein Bild male , weiß ich denn , ob es etwas ist oder nicht ? « » Und erst ich « , unterbrach ihn Hilmar , » wenn ich eine Stunde Rekruten gelehrt habe sich wie Holzpuppen zu bewegen , wie soll ich da Befriedigung über ein Resultat fühlen ? « » Ach ja « , meinte Hans und gähnte , » es ist schade , daß das Leben so selten bar zahlt . « Es entstand wieder eine Pause . Doralice war auf ihrem Sessel eingeschlafen , das Gesicht , sehr bleich mitten in den blauen Schatten des Morgens , erhielt von der friedlichen Hilflosigkeit des Schlafes eine wunderbar kindliche Schönheit . Die beiden Männer saßen jetzt ganz still da und schauten andächtig auf dieses schlafende Gesicht . Endlich erhob sich Hilmar , reichte Hans die Hand und flüsterte : » Ich gehe , die Sonne kommt . « Dann ging er leise hinaus . Draußen war es schon taghell , über dem Horizonte schossen die ersten goldenen Strahlen empor . Hilmar ging sehr schnell , er wollte zu Hause sein , ehe die Sonne da war . Er wunderte sich über sich selber . Warum fühlte er sich elend ? Die kleine Lolo hatte wohl recht , diese Frau war so schön , daß man traurig wurde , oder wie sagte doch der Maler : » Katzenjammer der Weite , in dem das Land und das Tageslicht uns eng scheinen « . Die arme kleine Lolo , Hilmar konnte nichts dafür , aber wenn er jetzt an sie dachte , schien es ihm , als habe sie etwas vom Lande und vom Tageslicht an sich . Neuntes Kapitel Der Geheimrat von Knospelius kam zum Fünfuhrkaffee in den Bullenkrug . Behaglich saß er an dem langen Tisch auf der Veranda , über dem die Blätterschatten der rankenden Bohnen flirrten . Es duftete nach den Sträußen von Erbsenblüten und nach frischem Brot . Schmunzelnd schaute Knospelius auf die Reihe der jungen Gesichter am unteren Ende des Tisches . » Familienmahlzeit , Familientisch « , sagte er zur Generalin und sein langer Mund sprach diese Worte aus , als schlürfte er eine Auster . » Das ist für mich ein seltener , aber exquisiter Genuß . Bei meiner Schwester in Thüringen habe ich zuweilen diesen Genuß . Eine Familienmahlzeit hat etwas Sakramentales . Sie ist , möchte ich sagen , das Fundament der Familie . Solange es mit der Familienmahlzeit gut steht , kann es mit der Familie nicht schlecht stehen . « » Nun , « meinte die Baronin Buttlär , » wir haben Gott sei Dank noch andere Fundamente . « » Mein Schwager « , fuhr der Geheimrat fort , » sagte zu meiner Schwester : Karoline , sollte ich vormittags sterben , so ist gar kein Grund , daß an dem Tage nicht ebenso pünktlich gegessen wird wie sonst , sonst wird die Verwirrung nur erhöht . Nicht wahr , ganz wie auf den großen Passagierdampfern , denen was zugestoßen ist und auf denen bis zum äußersten Augenblick das Diner regelrecht serviert wird . Es ist gleichsam das Symbol der moralischen Ordnung . « Der Baron Buttlär nickte ernst und sagte : » Ja , die Familie überhaupt sei doch die Grundlage des Staates , die Familie und der Grundbesitz « , und er brachte das Gespräch allmählich auf Steuern und auf Branntwein . Allein der Geheimrat ging nicht darauf ein , er wollte heute seinen Erfolg am unteren Ende des Tisches bei der Jugend haben . Er erzählte Anekdoten und schaute dabei zu den jungen Leuten hinüber , ob sie auch lachten . Später dann kam er mit seinem Anliegen heraus . Er wollte morgen ein kleines ländliches Fest feiern und hoffte , die Herrschaften würden vollzählig dazu erscheinen . » Die Veranlassung dieses Festes « , sagte er , » ist mein Geburtstag . Na ja , das Älterwerden mag ja seine guten Seiten haben , aber zum Feiern wäre ja schließlich keine Veranlassung . Diese Welt hier zwar ist recht fragwürdig , allein besondere Eile herauszukommen hat man nicht , denn erstens ist das Programm dessen , was nachher kommt , nicht recht klar , und zweitens bleibt es uns ja ohnehin . Nein , ich feiere das Datum meiner Geburt , denn das Geborenwerden ist doch der merkwürdigste Augenblick unseres Lebens und von unübersehbaren Folgen . Sehen Sie , eine Welt ohne Knospelius und eine Welt mit Knospelius , das ist für mich ein gewaltiger Unterschied . « Zufrieden über seine Auseinandersetzung schaute er Nini an , die darüber errötete . » Was Sie da sagen , liebe Exzellenz « , bemerkte die Generalin , » ist gewiß sehr klug , aber mit der Religion scheint es dabei denn doch auch ein wenig unklar zu stehen . « Knospelius zuckte mit seinen zu hohen Schultern : » Nun , deshalb hat der Staat mich vielleicht zum Rechnen und nicht zum Predigen eingesetzt . Aber ich komme auf mein Fest zurück , da ist nämlich ein kleiner Umstand zu erwähnen . Da ist das Ehepaar Grill . Ich kann es nicht vermeiden , dieses Ehepaar einzuladen . Ich hoffe , es wird niemanden stören . « » Allerdings , « meinte die Baronin Buttlär und zog die Augenbrauen empor , » dieses Ehepaar scheint für uns unvermeidlich zu sein , unser unvermeidliches Schicksal . « Knospelius lachte . » Schicksal , sehr gut . Nun ,