wir Abschied von einander . Um seine Traurigkeit zu vertreiben , ließ der Oheim einen warmen Würzewein bereiten . Beim Trinken äußerte er nicht üble Lust , mit mir in die weite Welt zu ziehen , doch wegen unverrichteter alchymistischer Arbeit , auch wegen des Häusels und der alten Beate wollte er lieber einstweilen in Schreiberhau bleiben . Vom Weine gesprächig , erzählte er mir aus seiner Jugendzeit und gab allerlei Ratschläge . Zuletzt kam er hoffnungsvoll auf die Prophezeiung der Zigeunerin , und sein lodernd Auge drang zu meiner Seele Grunde . Dann umarmte und küßte er mich , und ich ging . Vor der Schenke stand er , den Blick auf mich geheftet , bis ich an des Weges Wendung den allerletzten Gruß gewinket hatte . Verlassenheit empfand ich , da ich im Waldtal neben dem brausenden Flusse keine andere Gesellschaft hatte , als meine betrübten Gedanken . Doch wie nach etlichen Stunden das Tal sanfter und grüner ward , lachte im zwanzigjährigen Geblüt der leichte Sinn . Was vor mir lag , deuchten mich lauter gute Dinge , frohe Überraschungen und Erfüllungen , dabei half es nichts , daß eine Stimme im Innern mich warnte , nur ja nicht übermütig und unvorsichtig in die Welt zu tappen . Bei Espenbüschen , die ihre Blütenkätzchen sonnten , hielt ich Rast und schaute zurück auf die entfernten schneebedeckten Berge . Indem machte sich ein flatternd Waldvöglein bemerkbar , so allerlei Gerüstwerk zu seinem Neste zusammentrug . Es setzte sich niemalen auf einen Zweig und hub kein Hälmlein auf , ohne zuvor durch Umherspähen versichert zu sein , daß ihm kein Feind oder Garn drohe . Und bevor es seine Fittiche reckte , der Luft sich anzuvertrauen , drehete es noch das Köpfchen prüfend , ob auch kein Raubvogel laure . » Leichtfertiger Tölpel « - sprach ich zu mir - » Waldvögelein mag dich beschämen , weil du in der argen Welt nicht so viel Fürsicht anwendest , wie diese geringe Kreatur . « Kaum aber hatte ich mir selber diese Predigt gehalten , so spitzte ich schon das Ohr , weil zween Wandrer gegangen kamen , deren einer mit schöner tiefer Stimme ein verführerisch Liedel sang : » Ein Hexlein aus der Hölle Brut , Ein schmuckes , blond wie Flammenglut , Ein Hexlein weiß ich , schlangenglatt , Das Myriaden Buhlen hat . Es zu umarmen , dürsten So Bettler und so Fürsten , Soldaten , Juden , Christen , Schatzgräber , Alchymisten . « Sie flehen süß und lispeln hold : » Sei mein , o mein , Herzliebchen Gold ! « Das Hexlein lacht : » Wen ich begnad ' , Ist vieler Leute Potentat . Ich hex ' ihm her , was auf der Erd Ergötzlichkeit sein Herz begehrt - Lustgärten und Paläste , Musik und noble Gäste ; Was willst du ? Pokulieren ? Ein Bräutlein karessieren ? Befiehl ! Ich klimpre klinglingling , Und husch , da ist das liebe Ding . « Der Sänger war ein großer dicker Mann , den breiten Hut mit wogender Feder schief auf dem dunkeln Lockenhaupte , und den Mantel in ähnlicher Weise umgeschlagen , wie es an heroischen Standbildern zu sehen . Auf dem Rücken das Ränzel , in der Hand den Knotenstock , glich er gleichwohl mitnichten einem wandernden Handwerksgesellen . Rollend blitzten große schwarze Augen mit dunkelgemalten Rändern , das Antlitz war blaß und rasiert , die vorgeschobene Unterlippe schien zu verkündigen : » Respekt , ihr Leute ! « Mir ganz nahe gekommen , musterte mich der Sänger und blieb mit hochfahrender Miene stehen . » Ei , guten Tag ! « sagte sein Begleiter . Ein Buckeliger war ' s , hatte listige Augen mit geröteten Lidern , ein fahl und schlaff Gesicht . Etliche blonde Härlein ob dem Munde waren zu einer Art Schnurrbart zusammengedreht . Das geschorene Haupt mit dem spitzen Hut suchte er aus dem Engpaß der Schultern herauszurecken , und das blaue spanische Mäntelein sollte herabwallend den Rückenschaden bemänteln . » Wo hinaus des Weges ? « fragte der Lange , Dicke . Ich begegnete dem hochfahrenden Blicke keck und bedachte mich ein Weilchen , ob ich überhaupt Antwort geben solle . Sprach aber dann , den Hut lüftend : » Guten Tag , Ihr Herren ! Da Ihr mich fragt , wohin des Weges , so wisset , daß ich gen Prag ziehe . « » Ei , da gehen wir wohl ein Stücklein mitsammen , so es Ihm beliebt ? « sagte der Bucklige . » Warum nicht ? « antwortete ich , » wofern der Herr an Eurer Seite Kameradschaft zu halten gesonnen . « » Oho , warum nicht ? Freilich doch ! « begütigte der Lange und bot mir die Rechte , in die ich einschlug . Gemeinsam gingen wir des Weges und wußten zunächst nicht , worauf unsere Rede kommen solle . Dann begann der Lange : » Also nach Prag gehet Seine Reise ? Ist Er Studiosus , oder hat Er Geschäfte ? « - » Studiosus möcht ich wohl werden , einstweilen aber bin ich der Apothekerei beflissen . « Meine Begleiter blieben wie angewurzelt stehen , schauten sich an und brachen in Gelächter aus . » Da hätten wir ja den gesuchten Dritten , « sagte der Bucklige triumphierend ; » das heißt , wenn er mittun will . « » Er muß wollen « , gab der Lange zur Antwort , pflanzte sich vor mich hin und sprach herablassend : » Ich bin der Apotheker Pomponius , und mein Freund hier ist der Wundermedicus Schrepfeisen . Wir begeben uns zum Frühjahrsmarkte nach Jung-Bunzlau , unsere Salben , Pillulen und Latwerge unter die Leute zu bringen . Wir suchen einen dritten Mann , der unsere Waren bereiten hilft . Denn , was mich betrifft , so hab ich eine besondere Begabung zum Ausrufen , der Medicus aber muß hinter dem Tische sitzen , bei schwierigen Patienten seinen Rat