müde und leer . Er warf sich auf sein Bett und schlief einen schweren Schlaf , wie nach harter , freudloser Arbeit . Werner war in der kleinen Schule dort hinter dem Walde gewesen , jetzt ging er langsam heim . Es war um die Mittagszeit . In der Nacht hatte es geschneit . Nun ließ die Sonne den Schnee von den Zweigen tropfen . Der Wald war voller Flügelrauschen und Vogelrufe . Die Meisen tollten wie kleine , graue Bälle an den Zweigen entlang . In einem verschneiten Haselnußstrauch saß eine Gesellschaft Dompfaffen wie große , rote Früchte . Das war heiter . Werner klangen noch die Lieder im Ohr , die er eben von den Kindern gehört hatte . » So viel Licht , daß man nichts mehr unterscheidet « , hatte Karola gesagt . So dachte sie sich das Jenseits . Das war es . So mußte die Religion für die Armen und Gedrückten sein , - Licht , nicht das zeigt und aufdeckt , nein , Licht , das verhüllt , das wie ein leuchtender Schleier sich über das graue Leben breitet . Von dem engen Waldpfade bog er in die kleine Waldlichtung ein und - trat leise zurück . Wie eine Vision stand es vor ihm . Die Lichtung war weiß verschneit , ringsum weiße Wälle und darüber der Sonnenschein , ein gelber Lichtnebel über den Wipfeln . Mitten auf dem Platz hielt der Schlitten mit dem schwarzen Pferde . Rast stand in dem Schlitten , hoch aufgerichtet , sein Bart flimmerte vor Tropfen , und vor ihm stand Karola . Sie bog den Kopf zurück , sah zu ihm auf , lachte über das ganze Gesicht . Sie streckte die Arme aus . » Heb mich « - sagte sie . Er beugte sich zu ihr nieder , faßte sie und hob sie hoch in die Höhe , in den Sonnenschein hinauf Karola stieß einen leisen Schrei aus und bewegte die Arme wie Flügel . » Ja - so - so « , rief sie . Ein Eichelhäher antwortete mit seinem lauten , aufdringlichen Ruf , als hätte er es dem ganzen Walde mitzuteilen . Werner sah Karola in dem gelben Lichtnebel schweben , sah ihr Gesicht ernst werden , die Lippen sich öffnen , die Augen sich schließen - wie überwältigt von einem starken Gefühl . Rast ließ die Arme langsam sinken , legte die schwebende Gestalt auf seine breite Brust - beugte sich auf sie nieder und küßte das Gesicht mit den geschlossenen Augen . Dann setzte er Karola in den Schlitten . » Jetzt fahren wir los « , sagte er . » Jetzt fahren wir los « , wiederholte Karola lustig . Sie ließ sich zurechtsetzen , einhüllen , willenlos wie eine Sache , wie seine Sache . - » Hü ! « rief Rast dem Pferde zu , und sie fuhren in all das Weiß der Büsche hinein . Laut - leichtsinnig und schamlos erfüllten die Schellen den Wald mit ihrem Geklingel . Warum - sagte sich Werner , warum mußte dieses Weib so furchtbar tief in sein Fleisch hineingeschrieben sein ? Was war sie ihm ? Was durfte sie ihm sein ? Und doch jede Faser , jeder Nerv seines Körpers fieberte . Betrogen und bestohlen fühlte sich dieser Körper . Da stand er , versteckt hinter den Büschen und hungerte nach diesem Weibe , hungerte , wie er noch nie nach etwas gehungert hatte . Und dieser große , brutale Mann durfte im Sonnenschein stehen und sie nehmen wie sein Eigentum , wie seine Sache . Wozu war solch ein flacher Lebensvergeuder da ? Um mit seinen unreinen Händen zu nehmen , zu stehlen , was anderen heilig , was für andere der tiefste Kampf der Seele war ? Ein schädliches , unnützes Raubtier , dein man Fallen stellen sollte wie dem Fuchs , das ist dieser Rast . Zu Hause war Werner heiter , er scherzte mit Lene , mit Tija , er war fast ausgelassen oder versuchte es zu sein . Ihm war , als müßte er unter dieser Heiterkeit etwas verbergen - vor Lene , vor Tija - , vor sich selber . Er wußte selbst nicht , was es war . Am Nachmittag kam der Doktor Braun . Er saß am Kamin und erzählte : Mit dem Baron in Dumala war es so - so . Er machte dem Doktor Sorge . Das Herz matt und die Schmerzen . » Sie sollen doch herüberkommen , Pastor , läßt er Ihnen sagen . Er schimpft schon . Ein Doktor und ein Pastor würden dafür bezahlt , daß sie die Kranken besuchen - sagt er , von einem Bankdirektor verlang ' ich das nicht . Was denkt sich der Werner eigentlich ! Ja , die Laune ist nicht die beste . Und die arme Frau . Die sitzt bei ihm , erträgt jede Laune . Eine Heilige . « » Ja - eine Heilige « , wiederholte Werner . » Und denken Sie sich ! « Der Doktor wurde ganz rot vor Aufregung . » Die Alte in Debschen sagt mir - es ist unglaublich - sie habe von Gerüchten - von Gerede gehört - die Trine - sagt - oder der Schweinejunge - was weiß ich - von dieser Frau und dem Rast - von Zusammenkünften hat sie gehört . Getratsch - Gestänker ! Ich hab ' s der Alten gesagt : wer diese Frau angreift , der hat es mit mir zu tun . Mit uns beiden - nicht , Pastor ? Na - ich werd es der Alten in Debschen schon anstreichen . « Der Doktor lachte drohend , den Mund weit offen . » Ja - Doktor - Sie haben recht « , stimmte Werner ihm zu . Das befriedigte den Doktor . » Na - also ! jetzt geh ' ich heim . Um neun Uhr leg ' ich mich in die Klappe . Meine Frau liest mir die Zeitung