, die Kellnerin , in den Arm gekniffen zum Abschied . So waren die beiden mit den hochgekrempten Kragen verschneit in das Bierhaus eingetreten . Es war ein rauchiges Lokal , und nur die einzige Ecke in der Nähe des Büffets hatte einen freien , kleinen Rundtisch zum Plaudern . Da war Einhart plötzlich ein Gesicht aufgegangen . Der Zigeuner in seinem Innern voll Sehnsucht sah aus ihm heraus . In dem Lokal eilte eine Bedienende geschäftig hin und her - ein engellichtes , goldhaariges Mädchen , jung wie der Frühling und sanft von Mienen und scheu von Art. Sie war zu den beiden sofort herangetreten . Nun brachte sie ihnen die hellen , vollen Gläser . Einhart war ganz stumm gleich . Grottfuß wollte reden . Aber Einhart sah nur in sein Glas und hundertmal hinüber . Grottfuß wollte das Mädchen rühmen . Auch er war von dem Jugendglanz betroffen , und fand es gemein , ein solches Bild von Reine hier im Rauche . » Ach was , « sagte Einhart , » vielleicht ist es gut so . Vielleicht ist es eine Bestimmung . « Eigentlich hatte es nicht recht Sinn , was Einhart so redete . Oder es war sein Gefühl nicht klar zum Ausdruck gekommen . Jedenfalls ließ er nicht ab hinzublicken , und die Wege der goldblonden Jungen im Lokal hin und her zu verfolgen . Er redete an dem Abend gar nichts weiter . Er verriet mit keiner Silbe seine Bewegung . Einem jungen , schnurrbärtigen Herrn , offenbar einem Referendar , der es plump versuchte , dem Mädchen näher zu kommen und sie anzurühren , entwich sie sanft mit klingendem Lachen . » Draußen und drinnen ist nämlich immer dasselbe , « sagte Einhart einmal unvermittelt . Das war auch so eine Philosophie , wie er sie jetzt gebildet hatte . » Gott sei Dank , daß da und dort noch immer eine Macht ist , « sagte er wie für sich , als er sah , daß den Männern im Rauch der Bierstube eine Ahnung von Weihe gegen das Kind im Blute saß . Einhart war einmal plötzlich aufgestanden , und kämpfte lange , ob er gehen oder bleiben sollte ? Grottfuß blieb stumm sitzen und rührte sich nicht . Er war auf die Akademie zu sprechen gekommen . Einhart stand und paffte den Rauch seiner Zigarette und strich den Aschenknopf auf den Bierdeckel . Seine Augen hatten etwas Versunkenes , Hartes , Begehrliches . Er hätte in diesem Augenblick denen zu Hause wie ein ganz Fremder geschienen . Er war schon jetzt in den richtigen Kämpfen um ein Leben . Er ging mit Hunger und Durst anzueignen , was aufbaut . So drängen Keime in der Erde mit Hunger und Durst , sich und ihre Triebe aufzuheben , und die junge Pflanze mit Hunger und Durst , wenn erst der Licht-und Luftkreis erreicht ist , aus Visionen und Atem es zu ersinnen , was zur Blüte , und was zur Frucht führt . Einhart sog jetzt ein , sozusagen . Grottfuß konnte es ahnen . Er sah an Einhart heimlich auf . In ihm war eine Abhängigkeit von Einhart . In Einhart war keinerlei Abhängigkeit , außer von den Dingen , nach denen er Hunger und Durst empfand . Aber Einhart blieb dann doch noch wieder sitzen . Er hatte lange gestanden . Nun entschied er sich zu einem neuen Glase . Er klopfte auf den Tisch und redete sanft zu der Blonden , seltsam gespreizt jetzt . » Was trägt so eine Goldhaarige für einen Namen ? « sagte er einfältig lächelnd plötzlich zum ersten Male . » Ach Gott , eine Goldhaarige nennen Sie mich . Nun ja ! Und wie ich heiße , wollen Sie wissen ? Das können Sie wissen ! Dorothea ! « sagte sie ganz sanften Tones , ganz rot werdend . Daß Einhart und Grottfuß ein Staunen nicht los wurden , wie flaumig die Haut der Jungen schien , wie mit den sanftesten Farben das Blut in Milchweiße einfuhr , das Gesicht so zart wie Blumenfleisch . Sanft außermaßen klang der Jungen Ton . Einhart gegenüber gar nicht weiter scheu , mehr so lieb hin , wie das Lächeln und die Röte verraten hatte . Einhart war vollends für sich geworden , als er den Ton im Ohr und das Bild im Auge dasaß . Er sah ganz kindlich aus - - - unerwartet . Grottfuß sah ihn ein paarmal von der Seite an . » Ja - also na ... Dorothea .. Dorothea ... ! also - - , « lächelte Einhart nur vor sich hin . So saßen sie noch ewig . Einhart kam nun jeden Abend hier in die Ecke , und hatte noch am dritten Abend nichts weiter mit Dorothea geredet . Nur daheim hatte er versucht , seine Vision auf die Leinwand zu bringen . 8 In einer kleinen Wohnung unter Dach , Einhart gegenüber wohnte ein altes Fräulein mit einem Kropf vorn am Halse , der welk und runzelig ein wenig aus der schwarzseidenen Mantille heraussah . Einhart mußte oft an dem Fräulein vorbei , wenn er aus seinem Stübel trat , um die Treppen hinabzusteigen , und machte sich dabei jedesmal eigene Gedanken . Er wohnte in seiner Dachwohnung jetzt schon fast zwei Jahre . Und es war an die hundertmal gewesen , daß er aus dem bleichen , langnasigen , großzügigen Parzengesicht der hutzeligen Dame eine sonderliche Frage halb achtlos mit fortgenommen . » Fräulein Reseda « hatte sie Einhart für sich genannt , weil sie stets einen ganz feinen Geruch von Blumen um sich ausbreitete , und aus dem Geruch ihm Bilder von einem altertümlich eingefriedeten Garten hinter hohem Heckenzaune , darin große Herbstblumen mit verlockenden , welken Aromen im Abendschein blühten , aufgestiegen . Das kam Einhart und entschwand kaum geachtet , jedesmal dann , sobald er im Gewühle der Menschen seinen Weg in die Bierstube genommen , wo Dorothea bediente . Wie