fragte der Alte . » Ich hab ' sie draußen gelassen , weil es hier zu warm ist . « » Da wern S ' uns heut ' wieder was Schön ' s vorspielen ? « » Wir sollten eigentlich den Herrn Mang nicht immer so plagen , « sagte Frau Sporner . » Das ist doch keine Plag ' für mich ! Ich wüßt ' gar nicht , was mir lieber wär ' . Ich freu mich den ganzen Tag darauf , und Fräulein Gertraud macht solche Fortschritte ! « » Gelobt sei Jesus Christus ! « Eine schrille Stimme kam von der Tür her , und eine aufgeputzte Frauensperson trat mit hastigen Bewegungen ein . Die lebhaften Farben des Kleides paßten schlecht zu dem alten Gesicht seiner Trägerin , und noch schlechter die großen Ohrgehänge , welche verwegen hin und her baumelten , so oft Fräulein Mathilde , die ältere Schwester des Hausherrn , den Kopf wandte . Ihre schwarzen Haare waren glatt gescheitelt und preßten sich wie abgezirkelte Arabesken an die Stirn . Die Augen blieben nie ruhig stehen , sie wanderten in einem fort herum , und man hatte den Eindruck , daß sie blitzschnell alles erfaßten . Die ganze Erscheinung Mathildens war nicht dazu angetan , Behagen zu erregen . Witze , die schon auf der Zunge schwebten , zogen sich in ihrer Gegenwart zurück , ein fröhliches Lachen brach in der Mitte ab , und Geheimnisse schoben hastig noch einen Riegel vor . Sylvester hatte den katholischen Gruß überhört . Er wurde wiederholt : » Gelobt sei Jesus Christus ! « » In alle Ewigkeit . Amen ! Guten Abend , Fräulein Sporner ! « » Grüß Gott beisammen ! Ihr seid ja in einem sehr eifrigen Gespräch . « » Mir hamm von der Musik g ' redt , « erwiderte ihr Bruder . » Freilich von der Musik . Die Traudel geht ja jetzt ganz darin auf . Kein Mensch hat g ' wußt , daß sie so viel Talent hat , und eine solche Liebe dazu . Früher hat man da gar nichts g ' merkt . « » Sie hat allaweil gern Klavier g ' spielt , schon als Schulmädel . « » Vielleicht is mir das nicht so aufg ' fallen . Aber geweckt hat das Talent schon der hochwürdige Herr . « » Warum heißen Sie mich immer Hochwürden ? Ich bin noch nicht Geistlicher . « » Wie lang ' wird das noch dauern ? Du lieber Gott , die paar Jahr ' , und dann kommt der Freudentag ! « » Und jetzt kommt das Essen . Bleibst du bei uns , Mathild ' ? « » Ja , wenn ' s euch recht is ? « » Traudel , laß für die Tant ' noch aufdecken , und jetzt setzen wir uns , Herr Mang , wenn ich bitten darf . « Bei Tische kam heute keine rechte Unterhaltung auf . Sylvester gab innerlich dem Fräulein Mathilde schuld daran , und auch Gertraud fand , daß die Anwesenheit der Tante störend wirkte . Die Alten wußten es freilich besser ; aber wenn sie sich auch Mühe gaben , die Unterhaltung in Fluß zu bringen , so waren sie doch viel zu wenig geschult , um den gewohnten heiteren Ton anzuschlagen . » Wie lang ' müssen Sie eigentlich noch studieren ? « fragte Herr Sporner . » Zwei Jahre . « » No , dös is gar nimmer so lang ' . Und nachher werden S ' gleich Koadjutor , net ? « » Nein , zuerst is man Neomyst , « sagte Fräulein Mathilde . » Neomyst , was das für merkwürdige Namen san ! Woher woaßt du denn dös alles ? « » Das weiß man doch , daß die Herren nach der Primiz Neomysten heißen . « » Ich hör ' s zum erstenmal . « Frau Sporner fiel ihrem Mann ins Wort . » Wie geht ' s Ihrer Mutter , Herr Mang ? « - » Danke , gut . « » Schreibt sie Ihnen öfters ? « » Sie selber nicht , aber ich hör ' so ab und zu etwas . « » Sie wird froh sein , wenn Sie einmal fertig sind . « » Da kann ' s amal zu Ihnen ziehen , « sagt Sporner . » Und kann Ihnen den Haushalt führen . « » Das ist wohl der Lieblingswunsch Ihrer Mutter ? « fragte Madame Sophie , und Herr Sporner versicherte wohlwollend : » Da krieg ' n Sie ' s amal schön , so als Landpfarrer , und b ' sonders , wenn a nette Ökonomie dabei is . « Sylvester schwieg . Warum redeten sie von der Zukunft , die er nirgends lieber vergaß als hier ? Er blickte über den Tisch . Suchte er die Augen des jungen Mädchens , welches sich errötend über den Teller beugte ? Er fand sie nicht ; aber zwei andere Augen begegneten den seinen , und in denen lag mütterlicher Ernst und Mitleid . Was war das heute ? Eine beklemmende Angst überkam ihn . Er wollte sie überwinden und ein Gespräch beginnen . Er fühlte , wie dieses Schweigen sich drohend zwischen ihn und die Menschen stellte , welche er lieb gewonnen hatte . Und da redete wieder das alte Fräulein : » Wie muß einem zumute sein , der die erste Mess ' lest ! Ich glaub ' , das ist das schönste , was es auf der Welt gibt . « » Ich weiß es nicht , « sagte Sylvester . » Ich mein ' , das muß man kaum erwarten können ; wenn man bedenkt , daß ein junger Geistlicher in dem Augenblick , wo er die erste Mess ' lest , über die Engel gestellt wird ! « » Dös werst a net schriftlich hamm , « brummte der Alte . » Jawohl haben wir ' s schriftlich .