wendete er sich nach der Seite , wo die Herzogin gesessen hatte . Sie , ihr Gemahl und der Kardinal waren verschwunden , hatten bereits die Gesellschaft verlassen ; Giulia hatte selbst den Herzog gebeten , nach Hause zurückzukehren , indem sie vorgab , müde zu sein , und so hatte sie auch das längere Verweilen des Prinzen bei Rosa nicht bemerkt . Wenn die Menschen , die in glänzenden Toiletten , in eleganten Räumen sich zu geselligen Vergnügungen zusammenfinden , immer wüßten , wieviele intime Dramen sich in dieser bunten Menge abspielen , wieviel Unruhe , Neid , Leidenschaft und Schuld , wieviel gekränkte Liebe und enttäuschtes Hoffen sich unter der Maske geselliger Liebenswürdigkeit und heiteren Frohsinns verbergen , sie würden vielleicht manchmal erschrecken über die Frivolität dieser sogenannten » großen Welt « , dieses sogenannten » guten Tones « , dieser mit oft unwürdigen Opfern erstrebten Eleganz und erzwungenen Heiterkeit . So kehrten auch an jenem Abend die Personen , mit denen wir uns beschäftigen , äußerlich so glänzend , liebenswürdig , heiter , von dem Fest in der innerlich erregtesten , von den verschiedenartigsten Empfindungen bewegten Stimmung zurück , und keine von ihnen fand in der Nacht die Ruhe des Schlafes . Rosa war nicht die mindest bewegte ; sie war noch so reinen Herzens , so unerfahren in der Welt , daß ihr die Beziehung der Herzogin zu dem Prinzen wie etwas Ungeheuerliches , Unerhörtes , wie eine dunkle Gefahr , die ihm drohte , erschien . Sie fühlte sich berufen , ihn zu retten , zu schützen , und sie war dazu jetzt entschlossen , wenn auch der Zweifel , wie er sich zu der Leidenschaft , die ihm entgegengebracht wurde , verhalte , sie mit Bangen und quälender Ungewißheit erfüllte und sie oft mit Schmerz überwältigen wollte , so daß sie heiße Tränen in der Stille der Nacht in ihrem Bette weinte . Dann aber erhob sie sich wieder zu dem Ideal , das sie von ihm im Herzen trug und gelobte sich , dieses Ideal zu retten , koste es , was es wolle . Nur wie ? Sie entschloß sich endlich , sich des Mittels zu bedienen , das ihr durch Vittorias Nachrichten gegeben war , vorerst alle Schritte der Herzogin in Beziehung auf den Prinzen zu erkunden , indem sie hoffte , das weitere werde sich dann ergeben . Früh am Morgen eilte sie zu Vittoria hinunter , die eben ihr Gewölbe mit frischen Erzeugnissen des Feldes und Gartens gefüllt hatte . Diese kam ihr mit frohem Morgengruß entgegen , blieb aber betroffen stehen , als sie auf Rosas bleiches Antlitz sah : » Liebe Signorina , was ist Ihnen ? « rief sie aus , » haben Sie schlecht geschlafen , sind Sie krank , oder - ist Ihnen etwas Unangenehmes begegnet ? Doch nicht gestern abend ? « » Ach , liebe Vittoria , sieh , ich hab niemand als dich , zu dem ich frei reden und alles sagen kann , was mein Herz bedrückt , « sagte Rosa ; » du gibst mir Rat , du hilfst mir ... « Sie stockte . » Ja , liebe , teure Signorina , alles , alles tue ich für Sie , « beteuerte die Römerin , » was in meinen geringen Kräften steht ; aber was ist ' s , worin soll ich helfen ? « setzte sie bekümmert hinzu , denn eine Ahnung sagte ihr schon , daß es sich um den Prinzen handle , der zu ihrem Kummer , wie sie längst durchschaut hatte , in Rosas Herzen lebte . » Ach , Vittoria , du weißt - du selbst hast es mir gesagt ... « hub Rosa wieder an und stockte aufs neue , während Purpurglut ihr vorher so bleiches Gesicht überzog ; » ja , jene schöne Frau - die Herzogin , sie wird ihn - den Prinzen meine ich - aus seiner Bahn reißen ; sie redet ihn heimlich mit du an , sie sendet ihm heimliche Botschaft , sie warnt ihn vor ihres Mannes Argwohn . « » Wie wissen Sie denn das , liebe Signorina ? « fragte Vittoria angstvoll , denn sie sah an Rosas Erregtheit , wie nahe ihr die Sache ging . Rosa erzählte nun den Vorgang mit dem Papierstreifen und wie der Prinz sie gebeten habe , sein Schutzgeist zu sein . » Und ich will und muß ihn retten , « setzte sie mit leidenschaftlicher Ekstase hinzu . » Hilf mir , gute Vittoria ! Dein Bruder muß durch die Marietta erfahren , ob der Prinz wieder zu ihr kommt oder ob sie ihm schreibt ... « » Nun , das weiß ich schon , « sagte Vittoria , die dachte , es sei am klügsten , auf die Sache einzugehen , um Rosa vor unbedachten Schritten zu behüten und sie vielleicht auch so am ersten abzukühlen . » Als der Beppo gestern abend nach Hause kam , erzählte er mir , die Marietta habe ihm am Morgen - er läuft nämlich jeden Tag , wenn er früh zur Arbeit geht , am Palazzo vorüber , in der Hoffnung , seine Geliebte , wenn auch nur flüchtig , zu sehen - ein Briefchen gegeben , das er ganz geheim in das Hotel , wo der Prinz wohnt , habe tragen und dem Kammerdiener übergeben müssen , damit dieser es , wenn der Prinz allein sei , in dessen eigene Hände gebe . Und dann habe die Marietta erzählt , daß heftige Szenen zwischen dem Herzog und seiner Frau gewesen seien an dem Abend , als der Herzog von der Reise gekommen war und gehört habe , der Prinz sei bis spät bei der Herzogin gewesen . « » Ah , Vittoria , « sagte Rosa und hielt sich erbebend an einem Stuhle , » dann ist es ja wohl schon schlimm . « » Nein , nein - warum denn ? Es ist ja hier so bei