die ordentlich betreiben , so werde sich alles Weitere später schon von selber finden . Das war das erstemal , daß ihm auf eine Bitte keine Gabe wurde von seinem Vater , wiewohl nur deshalb , weil der ihn nicht verstanden , und von da an verschloß sich das Herz des Kindes vor dem Erzeuger und kam viel Kummer und schwerer Kampf aus solcher Entfremdung . So sehr aber hatte die Antwort ihn zurückgetrieben , daß er nun noch weniger wagte , zu seinem alten guten Pastor zu gehen . Wohl wußte er , daß der Satan derlei Anfechtungen schickt , daß wir nicht glauben können , und daß wir dann siegen , wenn wir recht heftig zu Gott beten und Gott die Hilfe abringen ; aber er sah auch ein , wenn es nun keinen Gott gab , so war ja auch diese Lehre eitel Torheit ; und das schien ihm so klar , daß es keinen Gott gab , daß kein Mensch mehr zweifeln konnte , nachdem er das Buch gelesen ; es hieß aber » Kraft und Stoff « . Und die Sorge um die Konfirmation war nur das Nächste . Weiterhin tat sich ihm dann die Furcht auf , wenn er nun die Schule zu Ende besucht hatte , so sollte er Theologie studieren nach dem Willen seiner Eltern ; das konnte er aber doch alsdann nicht , denn er wäre doch dann auch einer von denen geworden , die das Volk betrügen und die Wahrheit verhehlen . Auch über diesen Punkt urteilte Karl ganz leichtfertig , indem er meinte , diese Sorge habe noch lange Weile , und vorerst brauche man sich um sie nicht zu bekümmern . Für einen jungen Menschen bedeutet der Glaube an Gott noch wenig ; er hat noch so viel andern Glauben an sich und an die Menschen und an die Zukunft und an die ganze Welt , daß er jenen entbehren kann , ohne daß etwas in ihm zusammenbricht . So empfand Hans seine Wandlung im Grunde gar nicht tief , sondern nur als eine Beunruhigung für seine Ehrlichkeit ; erst in seinem späteren Ringen ging ihm wenigstens ein Teil der großen Fragen auf , um die es sich hier handelt . Diese erste Anfechtung fand ihn in der Gedankenlosigkeit , die der glücklichen Jugend eigen ist und geziemt . Gerade in den Wochen , wo diese Gedanken einander am heftigsten anklagten und entschuldigten , kam noch eine zweite Angelegenheit zu ihrem Höhepunkt . Hans hatte nämlich eine Liebe gefaßt , wie das bei Knaben seines Alters geschieht , und in dieser ereignete sich etwas über alle Maßen Grausiges . Das Städtchen war bis zum Deputationshauptschluß reichsunmittelbar gewesen ; dazu führte bis zu dem großen Umschwung im sechzehnten Jahrhundert hier der Handelsweg vorbei , und die Bürger trieben wichtige und weite Geschäfte bis tief nach Asien hinein . So waren sie reich und stolz geworden und hatten ein Rathaus gebaut noch in den romanischen Zeiten aus den gewaltigen Blöcken des dort vorkommenden Syenitgesteins , das Funken sprühte , wenn man ihm einen Stahl anschlug , und waren in der wuchtigen Wand die kleinen Fenster verteilt , die das Licht von hoch herab in große Säle warfen , und vorn führte eine steile und schwere Freitreppe zum Stock ; am Eingang stand ein uralter und ungefüger Steinblock , an dem des Kaisers Schwert und Handschuh hingen . Jetzt spielten Kinder in luftigen Sommerkleidern auf der alten Treppe . Noch andre alte Häuser erhoben sich am Marktplatz , stolz und trotzig wie Burgen wehrhafter Ritter , aber mit hohen Dachräumen , in denen einst reiches Kaufmannsgut gelagert . Als der Handel damals andere Wege einschlug , hatten die klugen und vorsichtigen Kaufherren einen verständigen Ersatz gesucht im Geldgeschäft und Beteiligung am Bergbau , und war eine zweite Blüte der Stadt gekommen aus diesen Gewinnen , die noch stolzer war wie die erste ; aber die großen Staatsbankerotte , die Wandlungen des Metallwertes und die Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges hatten diesen Wohlstand von Grund aus vernichtet . Seitdem kamen kleine Bürger auf in den stolzen Häusern , die in Läden Handwerksgeräte , Kleiderstoffe und allerhand geringe Kaufmannswaren verkauften an die Leute aus dem Gebirge oder die Bauern vom Lande , die an den Sonnabenden zur Stadt kamen , hier einzuhandeln , wessen sie bedurften bei ihrem kleinen Wesen . Und außer den alten Häusern zeugten nur noch in der Kirche zu Sankt Blasien alte Wappen in den Fenstern , finstere Familienstühle mit sonderbaren Schnitzereien und prunkvolle Grabtafeln an den Wänden von den stolzen Geschlechtern , die einst hier gelebt , ehe die freisinnig gesinnten Kleinbürger in der Stadt hausten . Nur eine der alten Familien hatte sich erhalten in sicherem Reichtum an Grund und Boden in den Dörfern ; deren Letzte bewohnten noch das alte Haus aus schweren Quadern mit kleinen Fenstern und gewaltigem Giebel , den oben die große eiserne Rolle zierte , mit welcher einst die fremden Warenballen herausgewunden wurden . In den reichsstädtischen Zeiten war aus diesem Hause immer der regierende Bürgermeister gewählt und der Iktus , aber wie die Freiheit verloren ging , hatten sich die Herrschaften von allem zurückgezogen , und nun führten sie ein hochmütiges und abgeschlossenes Leben , die Männer in Verwaltung ihrer Güter und allerhand verschollener Gelehrsamkeit , die Frauen in Sorge für das Haus , Wohltun und Frömmigkeit ; seit dem dreizehnten Jahrhundert wies die Hauptkirche Stiftungen von ihnen auf , angefangen mit einem Stück guten schwarzen Tuches von acht Ellen , für die Armut bei den Beerdigungen als Sargdecke zu nehmen . Damals nun lebte Herr Jobst Riemenschneider mit seiner Frau und einem einzigen Töchterchen Johanna in dem alten Hause . Herr Jobst war ein durchsichtig blasser und feiner Mann mit einem verzehrten Gesicht , der Scheu hatte vor Menschen und alles Geräusch fürchtete , und ganz im verborgensten Winkel des Hauses hatte er seine Studierstube , deren Türen waren gepolstert , damit kein Laut sie durchdringen sollte . Hier forschte er