als ob wir mit der Umgebung in einer einzigen Flamme ständen ; es folgte ein betäubender Donnerschlag , und dann gab es plötzlich keinen Tropfen Regen mehr . Das Wetter war vorüber ; die Wolken verschwanden schnell , und hierauf schien die Sonne erwärmend und trocknend auf uns hernieder . Ihr Stand sagte uns , daß es Nachmittag gegen drei Uhr sei . Uhren hatten wir nicht mehr . Es war , als ob uns mit der Sonne die volle Lebenskraft zurückgegeben worden sei . Halef behauptete , er sei vollständig gesund und wohl und fühle nicht das geringste Unbehagen . Er wurde , wie sich später herausstellte , getäuscht . Ich hatte Kopfschmerzen und vermißte sowohl die körperliche als auch die geistige Elastizität . Das konnte mich aber nicht hindern , zu thun , was nötig war . Zu überlegen gab es nichts . Wir konnten nichts anderes thun , als den Dieben folgen . Der Regen hatte zwar alle ihre Spuren weggewischt , aber wir wußten doch , nach welcher Richtung sie sich entfernt hatten . Eigentlich war es lächerlich , daß wir ohne alle Waffen und zu Fuße wohlbewaffnete Reiter verfolgen wollten , um ihnen ihren Raub wieder abzunehmen ; aber sie konnten doch nicht wochenlang in einer Tour fortreiten . Sie mußten einen Ort haben , an welchem sie wohnten , und dieser konnte nicht wohl jenseits der Grenzen dieser Berge liegen . Wir mußten uns auf unsern Scharfsinn verlassen und unserem alten , guten Glück Vertrauen schenken . Die größte Mißlichkeit unserer Lage bestand darin , daß wir ohne Lebensmittel waren . Aber verhungern konnten wir nicht , denn nur eine Tagesreise von hier gab es am oberen Quran bewohntes Land , wo wir wohl bekommen würden , was uns nötig war . Uebrigens trug ich auf der Brust die Brieftasche mit den Geldwerten , welche mich gegen jeden späteren Mangel sicher stellten . Es fiel mir nicht im geringsten ein , gleich von vornherein an unserem Erfolge zu verzweifeln . Wenn Halef munter blieb , konnte sich sehr wohl ein guter Ausgang einstellen . Er behauptete , bereit zu sein , und so traten wir in dem scheinbar hilflosen Zustande , in welchem wir uns befanden , an eine Aufgabe heran , zu deren Lösung mehr , viel mehr gehörte , als uns zur Verfügung stand . Das Trocknen unserer höchst mangelhaften Anzüge ganz einfach der Sonne überlassend , verließen wir das Wasserbecken und stiegen in der Richtung bergan , in welcher sich die Nomaden entfernt hatten . Es war eine Art Bergsattel , auf dessen anderer Seite sie verschwunden waren . Gebahnte Wege gab es natürlich nicht . Jeder konnte die ihm beliebige Richtung einschlagen ; aber es verstand sich ganz von selbst , daß er sich den bequemsten Ab- oder Aufstieg suchte . Wenn das Terrain mehrere bequeme Richtungen bot und es keine Spuren gab , so war es freilich für uns schwer , zu bestimmen , wohin die Gesuchten sich gewendet hatten . Das war hier oben der Fall . Gegenüber lagen nackte Höhen , hinter denen im Osten Berge emporstiegen , welche bewaldet oder doch wenigstens mit Gebüsch bestanden zu sein schienen . Es war anzunehmen , daß die von uns Verfolgten dorthin geritten seien . Gerade vor uns ging ein breiter , sanft geneigter Felsenhang hinab , an dessen Fuße drei verschiedene , nach Osten gehende Thäler mündeten . Welches von diesen dreien war gewählt worden ? Das wußten wir nicht . Jammerschade , daß der Regen jede Spur verwaschen hatte . Wir stiegen hinab und begannen , das Terrain abzusuchen , obgleich wir keine Hoffnung auf Erfolg hatten . Aber das Glück , von dem ich vorhin sprach , war uns günstig . Das mittlere dieser Thäler war das breiteste und , wie es schien , bequemste . Darum gingen wir zunächst eine Strecke weit in dasselbe hinein . Da sahen wir den zwei Finger starken Ast eines Strauches liegen . Er war gewiß erst heut früh abgeschnitten und gehörte derselben Buschgattung an , welche oben am Wasser gestanden hatte . Er war an dem einen Ende zersplittert und zwischen diesen Splittern hingen zwei lange schwarze Pferdehaare . Er lag ganz nahe an einem hoch und glatt aufragenden Felsenstück , dessen Vorderseite fast ganz trocken war , weil der Wind den Regen von Süden her gebracht hatte . Es gab da in fast Manneshöhe eine feuchte , rote Stelle am Gestein , und unten auf dem Erdboden war ein mehrere Hände großer Flecken geronnenen Blutes zu sehen , welches der Regen nicht getroffen und also auch nicht aufgelöst hatte . » Ob das ein Beweis ist , daß unsere Spitzbuben hier gewesen sind ? « fragte Halef . » Ja . Und zwar ein sicherer Beweis , « antwortete ich . » Um welches von unseren Pferden es sich handelt , das weiß ich nicht ; aber man hat eines von ihnen hierher an den Felsen gedrängt , um es zu zwingen , sich besteigen zu lassen . Es hat sich gewehrt und ist dafür mit diesem Aste gezüchtigt worden . Man hat ihn an dem edlen Tiere in Splitter geschlagen und diesem dabei diese Haare aus dem Schwanze gerissen . Aber der Hengst hat die Missethat sofort vergolten und den Betreffenden so getroffen , wahrscheinlich an die Brust , daß aus seiner Lunge ein Bluterguß erfolgt ist . Sie sind also in diesem Thale aufwärts geritten , und wir wissen nun , welche Richtung wir einzuschlagen haben , wenn wir ihnen folgen wollen . « » Wie ? Was ? « fragte Halef zornig . » Unseren Barkh oder unseren Assil Ben Rih geschlagen ? Mit diesem Knüppel hier ? Das muß hundertfach gerochen werden ! Das erste Gebot für uns ist , Allah zu lieben ; das zweite ist , die Menschen zu lieben , und das dritte ist , die Tiere und überhaupt alle Geschöpfe zu lieben , welche uns dienen sollen , weil Allah