, der reizenden Kleinen mit seinem Besitz zu imponieren , konnte man am Ende , wenn ' s so weit war , in den sauren Apfel beissen . Einstweilen aber hatte es bis zum Frühjahr noch gute Weile . Wer weiss , wie er bis dahin mit Lena stand und ob ihr dann selbst noch an der Gesellschaft der Strehsens gelegen sein würde . Für alle Fälle wollte er Kurt gleich nach Tisch ausdrücklich verpflichten , ihn möglichst oft mit Fräulein Weiss zusammenzubringen . Zum Dank und zur Anspornung würde er ihm einen neuen Kredit in Aussicht stellen . Nach dem Essen wurden die im Programm vorgesehenen , von Bornstein ironisch belächelten Gesellschafts- und Pfänderspiele gespielt , bei denen Kleinigkeiten vom Weihnachtsbaum ausgelost wurden . Um elf Uhr brach die Gesellschaft auf , damit die Berliner noch gute Fahrgelegenheit fanden . Bornstein , der während der öden Spielunterhaltung , an der er sich nicht beteiligte , wenig Gelegenheit mehr gefunden hatte , mit Lena zu sprechen , trat kurz vor dem Aufbruch an sie heran und bat um das Vergnügen , sie nach Haus begleiten zu dürfen . Lena sah mit verlegenem Bedauern zu ihm auf . » Herr Leutnant Kurt hat sich mir schon angeboten - aber wenn Sie trotzdem « - Bornstein machte kurz Kehrt . Nein , er mochte nicht teilen . Ueberdies hatte er ganz genug für heut von den Faseleien des Leutnants . Lotte lieh während der folgenden Tage Lenas enthusiastischen Schilderungen über den Strehsenschen Gesellschaftsabend nur ein zerstreutes Ohr . Ihre Gedanken weilten unablässig bei ihrem letzten Zusammensein mit Gerhart , und wie ein schwerer , drückender Alb lag der feierliche Schwur , den er von ihr gefordert hatte , auf ihrer Seele . Wenn sie wirklich einmal aus diesen Träumereien erwachte , war es nur , um mit erschreckten Augen in die Wirklichkeit zu starren . Sie hatte gleich nach dem Fest die beschämende und beängstigende Entdeckung gemacht , dass , wenn sie den letzten Notgroschen nicht angreifen wollte , es unmöglich sein würde , am ersten Januar die Miete zu zahlen . So also stand es um ihr Fortkommen in Berlin . Zunächst raffte sich Lotte wieder auf , und alles Uebrige in den Hintergrund drängend , sah sie der Gefahr klar ins Auge . Sie rechnete und überdachte , wo zu sparen und einzuschränken sei . Sie trieb alle kleinen Aussenstände eifrig ein , aber trotz des gewaltigen moralischen Aufschwungs , den sie sich gab , kam sie um keinen Schritt weiter . Immer näher rückte der Zahlungstermin , und noch immer war die Miete nicht vollständig beisammen . Lena , auf deren Tagegelder Lotte sich fest verlassen hatte , liess sie vollkommen im Stich . Alles , was sie zu erwarten gehabt , hatte sie sich von einer Kollegin vorschiessen lassen und bereits für allerlei Putz und Tand verausgabt , den sie für den Weihnachtsfeiertag sowohl , als auch für eine mit den Strehsens vereinbarte Sylvesterfeier unentbehrlich hielt . So zärtlich Lotte an Lena hing , so sehr sie die jüngere Schwester bewunderte sie konnte sich nicht verhehlen , dass Lena unerhört leichtsinnig gehandelt hatte . Aber das Herz , die Schwester anzuklagen , ihr Vorwürfe zu machen , hatte sie doch nicht . Lena war fröhlich , glücklich und gesund , während sie selbst alle Tage matter und willenloser wurde . Mochte Lena wenigstens das Leben geniessen , sie mit ihrer grüblerischen Schwerblütigkeit würde doch niemals dazu im Stande sein . Eine Zeit lang dachte Lotte darüber nach , ob sie mit Gerhart über ihre Verlegenheit sprechen sollte . Aber immer wieder verwarf sie diesen Gedanken . Sie wollte ihn nicht herabziehen in die Mühsale ihres kleinbürgerlichen Daseins . Er würde auch wenig Sinn dafür haben , und helfen konnte er ihr nicht , ohne den Beistand der Tante . Das aber wollte Lotte um keinen Preis . Die prächtige alte Dame hatte ihr schon so viel herzliche Gutthaten erwiesen , es widerstand ihr durchaus , sie direkt um eine Hilfeleistung zu bitten . Ausserdem schämte sich Lotte gerade vor Frau Wohlgebrecht ihrer Verlegenheit . Was sollte die thätige , tüchtige Frau , die so viel auf Lotte hielt , davon denken , dass sie gleich , nach dem ersten Quartal schon , ihren Verpflichtungen aus eigener Kraft nicht mehr nachkommen konnte ! Es blieb nur ein einziger Ausweg , und so schwer es Lotte ankam , sie musste ihn gehen und sich blutenden Herzens entschliessen , den kargen Rest ihres kleinen Vermögens anzugreifen . Wenn es so weiter ging , was sollte daraus werden ? Zum ersten Male sehnte Lotte Franz Krieger herbei . Er , mit seinem ruhig erwägenden Blick hätte ihr sicher sagen können , wie und wo sie gefehlt , wo sie anzusetzen habe , um wieder Ordnung und Gedeihen in ihre Verhältnisse zu bringen . Aber er war nicht da ! Von dem Vater würde sie niemals Rat zu erwarten haben , und die Mutter , die treueste Freundin , war nicht mehr ! Sie war allein , ganz allein ! - An Lena gingen Lottes Kämpfe spurlos vorüber . Sie hatte nur noch Sinn für ihre dienstfreien Stunden , die sie zumeist mit den Strehsens verbrachte , und die Sylvesterfeier , zu der Max Bornstein sie alle in ein vornehmes Weinhaus Unter den Linden eingeladen hatte . Mit dieser Feier hatte es seine ganz besondere Bewandtnis . Bornstein , der im allgemeinen kein sonderlicher Freund von Familienverkehr war , hatte längst alle Einladungen abgeschlagen , die ihm , wie alljährlich , zu Dutzenden zugegangen waren . Längst auch hatte er sich vorgenommen , mit Kurt Strehsen den Sylvesterball des Balletkorps zu besuchen . Nachdem er aber Lena Weiss kennen gelernt hatte , gab er dieses Vorhaben auf und machte dem Leutnant den Vorschlag , den letzten Abend des Jahres en famille zu verbringen . Das heisst , was Bornstein so en famille nannte . Er lud das Strehsensche Quartett , Mutter , Töchter