Saus ! Ah ! Nacht und Tag und Nacht ! Und dann das Schiff ! ... Freilich : Die Seekrankheit ... Unsinn ! Wenn erst die schimmernde Küste Griechenlands auftauchen wird ... ! Venus Anadyomene ! ... Und diese Hellenen in ihren bunten Trachten ; auch Türken , Armenier ! Und herrliche Weiber mit Krügen auf den Köpfen ! Großäugig ! Glutäugig ! Und broncene Brüste schimmern durch paphische Gewänder ... ! Und Marmorpaläste , südliche Gärten und sengende Sonne ! Und nun mein stolzes Schiff , stich aus ins Meer ! Plötzlich kam ihm seine Mutter in Sinn . Es kam so unvermutet und grell , daß er mitten im Rennen stehen blieb . Herrgott , wie wird sie weinen ... Es ist doch eigentlich ... Ah , aber nein : Wenn ich sicher bin , schreib ich ihr Alles , und wenn sie sieht , wie glücklich ich bin , dann wird sie stolz auf mich sein ! Sie versteht mich ja ! Sie weiß , daß aus mir was Großes werden wird ! Mütterchen weine nicht , weine nicht so , Sieh ich bin in der Fremde froh Und denke Dein . Er hoffte , es würde ein ganzes Gedicht werden , aber es blieb , wie gewöhnlich , beim Anfange . Endlich 3 / 43 Uhr ! Nun zum Gartenhaus ! Er lief im Trabe mitten durch Pfützen und ohne aufzusehen , wie ein Junge neben dem Reifen . Jetzt am Garten . Nun die Allee hinauf . Ob Girlinger schon da ist ? Nun den Seitengang . Gott sei Dank , daß es regnet und niemand im Garten ist . Aber der Dreck ! Der Dreck ! Ganz bespritzt ! Das wird doch auf der Eisenbahn nicht auffallen ? So , jetzt bei Kürners Garten vorbei und nun mit Barrieresprung übers Stacket . Teufel ! Mitten in eine Pfütze ! So ein Blödsinn ! Punkt drei ! Aber Girlinger ist noch nicht da . Natürlich ; der macht sichs bequem und kommt sicher in Gummigalloschen und muß um jede Pfütze einen Bogen machen und womöglich bei jedem Buchladen stehen bleiben . Ekelhaft diese Hundsschnauzigkeit . Er ging zum Gartenhaus und griff in seine Tasche nach dem Schlüssel . Plötzlich fuhr er zusammen und starrte auf etwas weißes , das in der Thürsperre klemmte . Sein Gesicht verzerrte sich : Ah , du Hund , du ! Er riß das eingeklemmte Papier heraus . Herunter das Couvert . Da stand mit den schönen , so oft in der Schule belobten Schriftzügen unter Einhaltung des Höflichkeitsrandes etc. folgendes : Lieber Stilpe ! Nachdem ich mir unsern Plan noch vielmals und reiflich überlegt habe , bin ich zu der unumstößlichen Überzeugung gelangt , daß es im Grunde blos ein etwas persönlich drapierter Dummerjungenstreich wäre . Wenigstens was mich angeht . Du bist ja anders , und Dein Temperament berechtigt Dich gewissermaßen zu einem solchen Schritte , der ins Ungewisse führt . Aber ich bin nicht zu dergleichen kühnen Entschlüssen geeigenschaftet . Also : Ich kann nicht mitthun . Verachte mich , soviel Du willst und nenne mich einen Feigling und Wortbrüchigen . Ich kann nichts dagegen thun . Höchstens , daß ich auch Dir rate : Stehe auch Du von dem Plane ab . Selbstverständlich bist Du strengster Geheimhaltung von meiner Seite aus sicher . Aber ich erwarte auch von Dir , daß Du nicht etwa in einem Deiner Wutausbrüche mich als Deinen Komplizen nennst . Das wäre keineswegs honorig . Indem ich Dir , für den Fall , daß Du den Plan zur Ausführung bringst , alles Glück aufrichtig wünsche , bin ich , auch wenn Du mich verachtest , Dein Freund Robert Girlinger . P.S. Meine Sachen nimm , wenn Du gehst , mit . Sie werden Dir nützlich sein . Stilpe geriet in eine maßlose Wut . Zuerst ließ er sie an dem Briefe aus , den er mit den Zähnen zerriß und in das matschige Erdreich hineinstampfte . Dann warf er seinen Hut auf die Erde und schlug mit den geballten Fäusten an die Gartenhausthür . Er war aschfahl im Gesicht und biß sich fortwährend auf die Lippen , als wenn er das Bedürfnis hätte , etwas zu zerfleischen . Dann schloß er die Thür auf und ging ins Gartenhaus . Mit einem Fußstoße öffnete er die Deckthür zu der Versenkung , wo die Koffer standen und spuckte auf diese . Dann warf er die Deckthür zu , daß es krachte und setzte sich auf einen Gartenstuhl . Ein Windstoß warf die Thüre zu , und nun war er im Dunkeln allein mit seiner kochenden Wut . Was thun ? ! Was thun ? ! Ah , vor Allem Eins : Rache an diesem feigen Hund ! Hin zu Girlinger und ihm laut ins Gesicht schreien , was für ein erbärmliches Subjekt er ist . Das ganze Haus zusammenschrein ! Ihm den Koffer vor die Füße , nein , vor den Bauch werfen . Und ihn prügeln ! Prügeln ! Unsäglich und lange prügeln ! Ach was , erschießen müßte man ihn ! Erschießen ! Das ist ein Gedanke ! Ah , und da ist ja auch der Revolver ! Gottseidank , daß er so groß ist ! Aber das war schon mehr blos pathetische Zierleiste . Er merkte das selber , und den Gedanken , sich hinter her etwa selber zu erschießen , ließ er nur ganz von Ferne vorbeidrohen . Überhaupt nein : Weder Prügel noch Revolver , nur Verachtung ! Ein einziges Wort auf eine Postkarte geschrieben : Lump ! und dann fort ! Fort ! Fort ! Fort ! Er rüttelte das Wort in sich hin und her . Fort ! Fort ! Aber es geschah halb mechanisch , wie er sich das in plumpen Stößen immer wiederholte . Fort ! Fort ! Natürlich : Fort ! Ich werde doch wohl wegen dieser Kanaille nicht hier bleiben ! ? Aber diese Bestie hat ja das Kursbuch ! Der ganze Reiseplan