, und auch Bob hält in seinem Attachement aus . Er geht darin ein wenig zu weit , denn seine Zärtlichkeitsbezeigungen haben immer etwas Überfallartiges . Mit einemmal springt er mich an , immer noch die Tigernatur . Die Fahrt zur Heinrichsbaude hinauf ist vertagt worden . Man will noch einen frischen Schneefall abwarten , denn es heißt : je mächtiger die Schneedecke , desto schöner die Fahrt talwärts und desto gefahrloser ; der Schlitten fliegt dann über die Felsblöcke weg , als ob es Maulwurfshügel wären . Unser Leben hier ist ziemlich still , wenig Besuch , und außer unserm Adamsdorfer Prediger , der dann und wann vorspricht , kommen meist nur Prediger aus der Nachbarschaft und ein alter Oberst aus der Stadt ; außerdem auch noch ein Amtsgerichtsrat und seine Frau . Diese Besuche freuen mich immer sehr , aber auch ohne sie habe ich Unterhaltung die Hülle und Fülle , weil die Tante gern aus ihrem Leben erzählt , am liebsten aus ihren Kindertagen , die sie noch in Armut verbrachte . Zu dem allem haben wir auch noch eine merkwürdige Bildergalerie hier , deren Grundstock aus verschiedenen Bildnissen aus der Klosterzeit her besteht : Heiligenbilder ( nicht viele ) , zu denen sich die Porträts von Äbten und Prioren und sogar ein Fürstbischof von Breslau gesellen ; dazwischen allerlei spezifisch Preußisches : Friedrich der Große ( dreimal ) , Prinz Heinrich , General Tauentzien und zum Schluß ein Dutzend Bildnisse von Personen aus der Familie des ersten Mannes der Tante . Lauter Leysewitze . Von den Poggenpuhls nichts ; nicht einmal das Porträt des Onkels . Ich nahm vor ein paar Tagen Gelegenheit , leise darauf hinzuweisen , worauf er lachend erwiderte : » Ja , Fiechen « ( so nennt er mich immer ) , » das Poggenpuhlsche fehlt ganz und gar , was aber recht gut ist ; es herrscht hier schon ein ungeheures Durcheinander , und wenn auch noch der Hochkircher und der Sohrsche hinzukämen , so wäre die Konfusion vollständig . « Der gute Onkel hat solchen bon sens , daß ihm der Hang , auch Mitglieder seiner eigenen Familie hier einziehen und mit den altschlesischen Adligen in Wettstreit treten zu sehen , gänzlich fernliegt . Und damit hängt es auch wohl zusammen , daß die Wappentellerfrage ruht . Onkel Eberhard war wohl von Anfang an dagegen und hat nur schließlich , ich will nicht sagen gern , aber doch ohne lange Kämpfe nachgegeben . All das hat sich aber geändert . Eine ganz andere Aufgabe harrt jetzt meiner , die mich stolz und glücklich macht . Was dies andre nun ist , davon das nächste Mal . - Wenn Briefe von Wendelin oder Leo bei Euch eintreffen , so schickt sie mir , zunächst natürlich meinetwegen , aber doch auch des Onkels halber , der sich für beide ganz aufrichtig interessiert und von jedem was erwartet , von Wendelin gewiß , aber auch von Leo . Leo , sagte er noch heut , ist ein Glückskind , und das Beste , was man haben kann , ist doch immer das Glück . Die Tante wurde dabei ganz ernsthaft und bestritt es , beruhigte sich aber , als er verbindlich und mit einer chevaleresken Handbewegung sagte : » Hab ich dich verdient oder war es Glück ? « Sie gab ihm einen Kuß , was mich rührte , denn es war kein Zärtlichkeitskuß , den ich bei alten Leuten nicht sehen mag , sondern nur echte Zuneigung und Dankbarkeit . Und mit Recht . Denn so gewiß diese Verheiratung ihn glücklich gemacht hat , so gewiß auch sie . - Du siehst aus diesem allem , wie glücklich ich hier bin , aber mitunter sehne ich mich doch nach Dir und möchte Dir die Hände streicheln . Ängstige Dich nur nicht zu viel . Es wird noch alles gut . Das läßt Dir der Onkel noch eigens durch mich vermelden . Er sagte mir heut , es gäbe einen Wappenspruch , der laute : » Sorg , aber sorge nicht zu viel , es kommt doch , wie ' s Gott haben will . « Und gegen diesen Spruch , so schloß er , verstießest Du mehr , als recht sei . Ich hab übrigens nicht , wie Du vielleicht glaubst , mit eingestimmt , hab ihm vielmehr gesagt : » Wie weh etwas tut , weiß nur der , der das Weh gerade hat . « Da hat er mir auch einen Kuß gegeben . Es ist ein herrlicher Mann , und ich kann nicht herauskriegen , wer besser ist , er oder sie . Nun aber lebe wohl . Deine Sophie Schloß Adamsdorf , 19 Januar Heut , meine liebe Mama , nur eine Karte . Vorgestern ist Schnee gefallen ; er liegt um das Schloß her wie eine Mauer . Seit heute früh aber klarer blauer Himmel , milde Kälte , himmlisches Wetter . Wir wollen nun in den nächsten Tagen zu Fuß und zu Wagen bis auf den Kamm des Gebirges und dann in Hörnerschlitten zu Tal . Der Pastor und ein Assessor aus der Stadt wollen teilnehmen . Ich freue mich unendlich darauf . Ergeh es Euch gut . Deine Sophie Heinrichsbaude , 22. Januar Wieder nur eine Karte . Diesmal aber mit einem Bilde drauf ( Heinrichsbaude ) . Wir sind nämlich hier oben und werden wenigstens noch bis morgen bleiben , bleiben müssen . Und daran bin ich schuld . Ich verfehlte , gleich als ich den Schlitten bestiegen und das Niedersausen begonnen hatte , den rechten Weg und wäre , rettungslos verloren , in den Krater gestürzt - den sie , weil er unten Wasser hat , den » kleinen Teich « nennen - , wenn nicht ein in der richtigen Richtung fahrender Schlitten , der dies sah , mit allem Vorbedacht von der Seite her in meinen Hörnerschlitten hineingefahren wäre . Bei diesem , ich muß sagen glücklichen , weil mich rettenden Zusammenstoß