das Kleine , das Nebensächliche . « » Ja und nein , Distelkamp . Das Nebensächliche , soviel ist richtig , gilt nichts , wenn es bloß nebensächlich ist , wenn nichts drinsteckt . Steckt aber was drin , dann ist es die Hauptsache , denn es gibt einem dann immer das eigentlich Menschliche . « » Poetisch magst du recht haben . « » Das Poetische - vorausgesetzt , daß man etwas anderes darunter versteht als meine Freundin Jenny Treibel - , das Poetische hat immer recht ; es wächst weit über das Historische hinaus ... « Es war dies ein Schmidtsches Lieblingsthema , drin der alte Romantiker , der er eigentlich mehr als alles andere war , jedesmal so recht zur Geltung kam ; aber heute sein Steckenpferd zu reiten verbot sich ihm doch , denn ehe er noch zu wuchtiger Auseinandersetzung ausholen konnte , hörte man Stimmen vom Entree her , und im nächsten Augenblicke traten Marcell und Corinna ein , Marcell befangen und fast verstimmt , Corinna nach wie vor in bester Laune . Sie ging zur Begrüßung auf Distelkamp zu , der ihr Pate war und ihr immer kleine Verbindlichkeiten sagte . Dann gab sie Friedeberg und Etienne die Hand und machte den Schluß bei ihrem Vater , dem sie , nachdem er sich auf ihre Ordre mit der breit vorgebundenen Serviette den Mund abgeputzt hatte , einen herzhaften Kuß gab . » Nun , Kinder , was bringt ihr ? Rückt hier ein . Platz die Hülle und Fülle . Rindfleisch hat abgeschrieben ... Griechische Gesellschaft ... und die beiden anderen fehlen als Anhängsel natürlich von selbst . Aber kein anzügliches Wort mehr , ich habe ja Besserung geschworen und will ' s halten . Also , Corinna , du drüben neben Distelkamp , Marcell hier zwischen Etienne und mir . Ein Besteck wird die Schmolke wohl gleich bringen ... So ; so ist ' s recht ... Und wie sich das gleich anders ausnimmt ! Wenn so Lücken klaffen , denk ich immer , Banquo steigt auf . Nun , Gott sei Dank , Marcell , von Banquo hast du nicht viel , oder wenn doch vielleicht , so verstehst du ' s , deine Wunden zu verbergen . Und nun erzählt , Kinder . Was macht Treibel ? Was macht meine Freundin Jenny ? Hat sie gesungen ? Ich wette , das ewige Lied , mein Lied , die berühmte Stelle Wo sich Herzen finden , und Adolar Krola hat begleitet . Wenn ich dabei nur mal in Krolas Seele lesen könnte . Vielleicht aber steht er doch milder und menschlicher dazu . Wer jeden Tag zu zwei Diners geladen ist und mindestens anderthalb mitmacht ... Aber bitte , Corinna , klingle . « » Nein , ich gehe lieber selbst , Papa . Die Schmolke läßt sich nicht gerne klingeln ; sie hat so ihre Vorstellungen von dem , was sie sich und ihrem Verstorbenen schuldig ist . Und ob ich wiederkomme , die Herren wollen verzeihen , weiß ich auch nicht ; ich glaube kaum . Wenn man solchen Treibelschen Tag hinter sich hat , ist es das schönste , darüber nachzudenken , wie das alles so kam und was einem alles gesagt wurde . Marcell kann ja statt meiner berichten . Und nur noch soviel , ein höchst interessanter Engländer war mein Tischnachbar , und wer es von Ihnen vielleicht nicht glauben will , daß er so sehr interessant gewesen , dem brauche ich bloß den Namen zu nennen , er hieß nämlich Nelson . Und nun Gott befohlen . « Und damit verabschiedete sich Corinna . Das Besteck für Marcell kam , und als dieser , nur um des Onkels gute Laune nicht zu stören , um einen Kost- und Probekrebs gebeten hatte , sagte Schmidt : » Fange nur erst an . Artischocken und Krebse kann man immer essen , auch wenn man von einem Treibelschen Diner kommt . Ob sich vom Hummer dasselbe sagen läßt , mag dahingestellt bleiben . Mir persönlich ist allerdings auch der Hummer immer gut bekommen . Ein eigen Ding , daß man aus Fragen der Art nie herauswächst , sie wechseln bloß ab im Leben . Ist man jung , so heißt es hübsch oder häßlich , brünett oder blond , und liegt dergleichen hinter einem , so steht man vor der vielleicht wichtigeren Frage Hummer oder Krebse . Wir könnten übrigens darüber abstimmen . Andererseits , soviel muß ich zugeben , hat Abstimmung immer was Totes , Schablonenhaftes und paßt mir außerdem nicht recht ; ich möchte nämlich Marcell gern ins Gespräch ziehen , der eigentlich dasitzt , als sei ihm die Gerste verhagelt . Also lieber Erörterung der Frage , Debatte . Sage , Marcell , was ziehst du vor ? « » Versteht sich , Hummer . « » Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort . Auf den ersten Anlauf , mit ganz wenig Ausnahmen , ist jeder für Hummer , schon weil er sich auf Kaiser Wilhelm berufen kann . Aber so schnell erledigt sich das nicht . Natürlich , wenn solch ein Hummer aufgeschnitten vor einem liegt und der wundervolle rote Rogen , ein Bild des Segens und der Fruchtbarkeit , einem zu allem anderen auch noch die Gewißheit gibt , es wird immer Hummer geben , auch nach Äonen noch , geradeso wie heute ... « Distelkamp sah seinen Freund Schmidt von der Seite her an . » ... Also einem die Gewißheit gibt , auch nach Äonen noch werden Menschenkinder sich dieser Himmelsgabe freuen - ja , Freunde , wenn man sich mit diesem Gefühl des Unendlichen durchdringt , so kommt das darin liegende Humanitäre dem Hummer und unserer Stellung zu ihm unzweifelhaft zugute . Denn jede philanthropische Regung , weshalb man die Philanthropie schon aus Selbstsucht kultivieren sollte , bedeutet die Mehrung eines gesunden und zugleich verfeinerten Appetits . Alles Gute hat seinen Lohn in sich , soviel ist unbestreitbar .