Kapitän Hansen da , diesem glücklichsten und beneidenswertesten und zugleich leichtsinnigsten aller Ehemänner ? Wenn ich solche Frau hätte , hätt ich mich für ein Metier entschieden , das mich jeden Tag runde vierundzwanzig Stunden ans Haus fesselte ; Schiffskapitän wäre jedenfalls das letzte gewesen . « Witwe Hansen war sichtlich erheitert , rückte sich aber doch einigermaßen ernsthaft zurecht und sagte mit einer gewissen Matronenwürde : » Ach , Herr Baron , wer immer auf seinen Mann wartet , der denkt nicht an andere . Mein Seliger war ja auch Kapitän . Und ich habe immer bloß an ihn gedacht ... « Pentz lachte . » Nun , Frau Hansen , was einem die Frauen sagen , das muß man glauben , das geht nicht anders . Und ich will ' s auch versuchen . « Und dabei nahm er Holk am Arm , um ihn zu gemeinschaftlichem Abendessen und obligater Plauderei zu Vincents Restaurant zu führen . Baron Erichsen folgte mit einem Gesichtsausdruck , der die voraufgegangenen Kordialitäten mit der Wirtin zu mißbilligen schien , trotzdem er sie als Pentzsche Verkehrsform genugsam kannte . Die Witwe Hansen ihrerseits aber hatte bereits die Glocke von einer der beiden Lampen genommen und leuchtete hinab , bis die drei Herren das Haus verlassen hatten . Pentz und Erichsen waren Gegensätze , was nicht ausschloß , daß sie sich ziemlich gut standen . Mit Pentz stand sich übrigens jeder gut , weil er nicht bloß zu dem holländischen Sprichworte : » Wundere dich allenfalls , aber ärgere dich nicht « , von ganzem Herzen hielt , sondern diesen Weisheitssatz auch noch überbot . Er hatte nämlich auch das » sich wundern « schon hinter sich ; auch das war ihm schon um einen Grad zuviel . Er bekannte sich vielmehr zu » ride si sapis « und nahm alles von der heiteren Seite . Dem alten Pilatusworte » Was ist Wahrheit ? « gab er in Leben , Politik und Kirche die weiteste Ausdehnung , und sich über Moralfragen zu erhitzen - bei deren Erörterung er regelmäßig die Griechen , Ägypter , Inder und Tscherkessen als Vertreter jeder Richtung in Leben und Liebe zitierte - war ihm einfach ein Beweis tiefer Nichtbildung und äußerster Unvertrautheit mit den » wechselnden Formen menschlicher Vergesellschaftung « , wie er sich , unter Lüftung seiner kleinen Goldbrille , gern ausdrückte . Man sah dann jedesmal , wie die kleinen Augen pfiffig und überlegen lächelten . Er war ein Sechziger , unverheiratet und natürlich Gourmand ; die Prinzessin hielt auf ihn , weil er sie nie gelangweilt und sein nicht leichtes Amt anscheinend spielend und doch immer mit großer Akkuratesse verwaltet hatte . Das ließ manches andere vergessen , vor allem auch das , daß er , all seiner Meriten unerachtet , doch eigentlich in allem , was Erscheinung anging , eine komische Figur war . Solange er bei Tische saß , ging es ; wenn er dann aber aufstand , zeigte sich ' s , was die Natur einerseits zuviel und andererseits zuwenig für ihn getan hatte . Seine Sockelpartie nämlich ließ viel zu wünschen übrig , was die Prinzessin dahin ausdrückte , » sie habe nie einen Menschen gesehen , der sowenig auf Stelzen ginge wie Baron Pentz « . Da sie dies Wort immer nur zitierte , wenn in seinem Sprechen etwas moralisch sehr » Ungestelztes « vorausgegangen war , so genoß sie dabei die Doppelfreude , ihn mit ein und demselben Worte ridikülisiert und beglückt zu haben . Er war von großer Beweglichkeit und hätte danach ein ewiges Leben versprochen , wenn nicht sein Embonpoint , sein kurzer Hals und sein geröteter Teint gewesen wären , drei Dinge , die den Apoplektitus verrieten . Als Pentz ' Gegenstück konnte Erichsen gelten ; wie jener ein Apoplektikus , so war dieser ein geborener Hektikus . Er stammte aus einer Schwindsuchtsfamilie , die , weil sie sehr reich war , die Kirchhöfe sämtlicher klimatischer Kurorte mit Denkmälern aus Marmor , Syenit und Bronze versorgt hatte . Die Zeichen der Unsterblichkeit auf eben diesen Denkmälern waren aber überall dieselben , und in Nizza , San Remo , Funchal und Kairo , ja prosaischerweise auch in Görbersdorf , schwebte der Schmetterling , als wenn er das Wappen der Erichsen gewesen wäre , himmelan . Auch unser gegenwärtiger Kammerherr Erichsen , seit etwa zehn Jahren im Dienste der Prinzessin , hatte den ganzen Kursus » durchschmarutzt « , ihn aber glücklicher absolviert als andere seines Namens . Von seinem vierzigsten Jahre an war er seßhaft geworden und konnte sich die ruhigen Tage gönnen , was er so weit trieb , daß er kaum noch Kopenhagen verließ . Er hatte das Reisen satt bekommen , zugleich aber aus seinen ärztlich verordneten Entsagungstagen auch eine Abneigung gegen alle Extravaganzen in sein derzeitiges Hofleben mit herübergenommen . Daran gewöhnt , von Milch , Hühnerbrust und Emser Krähnchen zu leben , fiel ihm , wie Pentz sagte , bei Festmahlen und Freudenfeiern immer nur die Aufgabe zu , durch seine lange , einem Ausrufungszeichen gleichende Gestalt , vor allem , was an Bacchuskultus erinnern konnte , zu warnen . » Erichsen das Gewissen « war einer der vielen Beinamen , die Pentz ihm gegeben hatte . Von dem Hause der Witwe Hansen in der Dronningens-Tvergade bis zu Vincents Restaurant am Kongens Nytorv war nur ein Weg von fünf Minuten . Erichsen mußte , nach Pentz ' Weisung , rekognoszierend vorangehen , » weil ihm seine sechs Fuß einen besseren Überblick über die Vincentschen Platzzustände gestatten würden « . Und zu dieser vorsichtigen Weisung , so scherzhaft sie gegeben war , war nur zu guter Grund vorhanden ; denn als eine Minute nach Erichsen auch Pentz und Holk in das Lokal eintraten , schien es unmöglich , einen noch unbesetzten Tisch zu finden . Aber schließlich entdeckte man doch eine gute Ecke , die nicht nur ein paar bequeme Plätze , sondern auch ein behagliches Beobachten versprach . » Ich denke , wir