wollte - , » verleumdete und Sie die Frau eines anderen wurden ... Es wäre heldenhaft gewesen , ich weiß , schweigend in die Verbannung zu gehen - aber zu so hoher Tugend vermag ich mich nicht aufzuschwingen , und Sie sollen wissen ... « » Also wirklich in die Verbannung « , unterbrach sie ihn ; » da bedaure ich ja sehr die kleine Nicolette . « Das hätte sie nicht sagen dürfen ! Oh , wie sie das wußte , als es zu spät , als es schon gesagt war und spöttischer Triumph aus den Augen des Herzenskundigen leuchtete , der in ganz verändertem und leichtfertigem Tone fragte : » Die Kleine - Sie erinnern sich ihrer ? War sie nicht nett ? « Sie sprach ihn nicht mehr an diesem Abend , den er ihr , den sie selbst sich vergällt hatte , den sich ins Gedächtnis zurückzurufen ihr peinlich wurde . Sie hörte , daß er einen » exotischen « Posten angenommen hatte und Österreich und Europa für Jahre verlassen sollte , sehr bald wahrscheinlich , vielleicht schon in einigen Wochen ; der Zeitpunkt war noch nicht genau bestimmt . Fast täglich führte die ruhelose Geselligkeit , in der sie lebten , sie zusammen . Sie trafen einander auf dem Eise , im Prater , bei Diners , in Soireen . Und er , mit großer Geschicklichkeit , mit steter Beherrschung seiner selbst , wußte immer da zu sein , wo sie war , und sich dann mit allen außer mit ihr zu beschäftigen . Er machte auf das eifrigste der und jener koketten Frau in Marias Gegenwart den Hof , er verschwendete die Schätze seines Geistes und seines Witzes an irgendeine hübsche Dutzend-Komtesse . Das war so seltsam , so unerwartet nach seinem kühnen Versuch einer Erklärung auf dem Balle . Sie belächelte es , fand es kindisch , ihrer und seiner unwürdig und nahm den Kampf dennoch auf , den er ihr bot . Allerdings beschäftigte sie sich dabei mehr als billig mit ihm , dachte an ihn - immer und immer ! Anfangs rang sie gegen diese törichte Besessenheit , dann erinnerte sie sich des großen Wortes : » Wir befreien uns von unseren Leidenschaften , wenn wir sie denken . « - Von unseren Leidenschaften - um wieviel eher denn von einer Marotte . Überdies stand Tessin am Morgen seiner Abreise ; er einmal fort , und der kleine Krieg , den sie miteinander geführt , und die Laune , die ihn heraufbeschworen hatte , waren vergessen . Gräfin Dolph , zu deren , wie sie selbst sagte , senilen Eitelkeiten es gehörte , mit der Marquise du Deffand verglichen zu werden , nannte Tessin , der sich regelmäßig in ihrem auswattierten , vor jedem Zuglüftchen sorgfältigst verwahrten Salon einfand , ihren Horace Walpole . Sie sang sein Lob in allen Tonarten , und ein Massenchor von schönen Damen stimmte ein . Tessin war nie so ausschließend und siegreich in der Mode gewesen wie jetzt , da sein Nimbus dadurch noch erhöht wurde , daß er einen Scheidenden umgab . Die aus Überzeugung Unwissenden , die geschworenen Feindinnen der Geographie begannen diese verachtete Wissenschaft zu pflegen . Landkarten von Asien fanden nie dagewesenen Absatz in aristokratischen Häusern , die Wege , die Tessin nehmen sollte oder konnte , wurden mit farbigen Stiften auf denselben eingezeichnet . Eine unerhörte Wanderlust regte sich plötzlich in hundert jungen weiblichen Herzen . Es versteht sich von selbst , daß die Abende bei der Gräfin Dolph , die sonst wenig Anziehungskraft besaßen , bis zum Ende der Fastenzeit besucht wurden wie ein Gnadenort . Die gastlich geöffnete Zimmerreihe der großen Wohnung , welche die Gräfin im Hause ihres Bruders beibehalten hatte , stand fast leer , während das Gelaß , in dem die Hausfrau ihren Günstling empfing , immer überfüllt war . Der Graf mied diese Gesellschaften , weil Tessin ihr Mittelpunkt war , und Maria fand sich so selten ein , als unauffälligerweise geschehen konnte . Einmal aber kam sie nach der Oper , begleitet von Hermann , und bald nach ihnen erschien Wolfsberg . Er befand sich in schlechter Stimmung ; um seinen Mund lagerte der böse Zug , den Maria einst gefürchtet hatte und der ihr jetzt noch unangenehm war , weil er eine Härte verriet , zu welcher ein Überlegener wie er sich gegen Geringere nicht hinreißen lassen durfte . Er schritt durch das Gedränge bis in die Nähe der Gräfin Dolph , die in ihrem kissenreichen Lehnstuhl am Ende des Zimmers ruhte und mit dem auf einem Taburett neben ihr sitzenden Tessin scherzte . Ein kleiner Hofstaat von besonders eifrigen Anhängern umgab sie und mischte sich gelegentlich in ihr Gespräch . » Begum Somru und Dyce « , sagte Wolfsberg im Vorübergehen zu seiner Tochter , und sie versetzte : » Nein , Stuwer & amp ; Nachfolger - sie sprechen ein Feuerwerk . « Der Graf reichte seiner Schwester die Hand , würdigte einige der Damen seiner freundlichen Beachtung und bemerkte erst nach einer Weile , daß Tessin aufgestanden war und der Erwiderung seines Grußes harrte . Nun sah er ihn . Die Blicke beider Männer kreuzten sich wie blanke Schwerter . Der jüngere senkte seine Augen nicht , und Wolfsberg sprach : » Sind Sie reisefertig ? « » Seit vier Wochen , Exzellenz . « » Um so besser , denn Sie werden wohl kaum noch ebenso viele Tage hier zubringen . Was meinen Sie ? « » Immer das , was Euer Exzellenz meinen . « » In all und jedem « , fiel die kleine Gräfin Felicitas Soltan , genannt Fee , ein , die zu den ausgesprochenen Lieblingen Wolfsbergs gehörte . Er lauschte gern dem reichen Quell des Unsinns , der aus ihrem hübschen Mund sprudelte , und fand , ihr Plaudern sei ein höchst anmutiges Geräusch , bei dem er ausruhe . - Fee war reich und elternlos zu sechzehn Jahren durch ihre Verwandten an