unten ein Seidel holen - willst auch eins haben ? Ja , thu mir den Gefallen , kannst mal bei mir zu Gast sein . « So saßen sie gemüthlich noch eine halbe Stunde und stießen auf treue Kameradschaft an . Aber während er auf sie einredete , versank sie in tiefe Gedanken . Grade so kam ihre außergewöhnliche Schönheit zur besten Geltung . Aber als er plötzlich sagte : » Wie edel und gut Du jetzt aussiehst ! « da lachte sie auf und es war kein schönes Lachen . - Man verabredete sich am nächsten Freitag zu treffen . Er wollte absichtlich eine so lange Zeit verstreichen lassen bis zum nächsten Wiedersehn . Der Contrakt mit dem Hamburger Wirth war wirklich abgeschlossen ; er lief auch bis zum 1. Januar ; sie hatte ihm den Contrakt vorgelesen , ihm auch gleich die Hamburger Adresse aufgeschrieben . Am 1. September sollte sie die Stelle antreten . Es war ihm ja aus verschiedenen Gründen nur zu recht . Rother konnte bis dahin die erste Oeffentlichkeit passirt haben , während sie fern blieb . Als er nach Hause wanderte , fiel ihm wieder die Unveränderlichkeit des ganzen Verhältnisses centnerschwer zu Herz . Nun , sie wollte es ja nicht anders ; bei den Umständen gegen sie war ihre zeitweilige Entfernung auch nöthig und für Rother selbst so angenehm ; auch dir Probezeit für die gegenseitige Neigung schien vernunftgemäß . Und doch ! Warum durfte er nicht offen sie an sein Herz drücken , der ganzen Erde trotzend ! Konnte er denn überhaupt sofort heirathen ? Was für verfahrene Verhältnisse , was für unheilschwangere Widersprüche ! Als er am Freitag dorthin fuhr , kaufte er unterwegs ein Rosenbouquet . Es war ihm doch immer etwas beklemmend , in diese , so ganz der westlichen Cultur entrückten Stadttheile den Zug nach dem Osten anzutreten . Um so unerfreulicher wirkte es natürlich , als die Wirthin ihm ein Billet Kathis einhändigte : » Herr Rother , leider kann ich Sie heute nicht sprechen , weil ich Nachricht bekomme , betreffs einer Stelle welche ich während der drei Wochen wahrscheinlich noch annehme . Näheres nächstens . Mit Gruß Kathi Kreutzner . « Eduard wunderte sich ein wenig , dachte sich aber nichts Arges dabei , und ließ seinen Rosenstrauß in ihrem Wasserglase stehn . Angenehm war es ihm natürlich nicht , den weiten Weg aus dem Vorstadtviertel zurückmachen zu müssen . Dabei gerieth er halb zufällig in die Nähe des Café Bammer und trank dort seine Mélange , indem er eine heitere zufriedene Miene zur Schau trug . Ziemlich spät erschien plötzlich der elegante Wirth und indem er » Herrn Professor « höflich grüßte , warf er lachend hin : » Wollen Sie die Kathi sehn ? Die sitzt im Sedan-Panorama mit dem Kerl da aus Hamburg zusammen . « » Ach was ? « machte Jener gleichmütig , aber er wurde bleich wie der Tod . Bammer fuhr fort : » Ich schlendre da ganz zufällig hinein . Und wen find ich ? Meine Kathi ! Zärtlich umschlungen sitzt sie in einer Nische mit dem da zusammen . Sie erschrak mörderlich , als sie mich sah ; wollte sich noch ihr Haar in die Stirne streichen , um sich unkenntlich zu machen . Aber ich lachte laut auf und ging an Beiden vorbei . « » Nu , was wird da sein ! « Rother ermannte sich zu vertrauensvoller Selbstüberwindung . » Das ist ja wohl ihr neuer Prinzipal . Dahinter braucht noch nichts Schlimmes zu stecken . « » Ach natürlich ! Herrgott , und wie verwüstet sie aussah ! « Der Wirth lachte laut auf und das Gespräch über , Kathi gerieth wieder ins gewöhnliche Fahrwasser . - Ihm war , als ob der Sommerabend eisigen Tod verhauche , als ob öde Finsternisse langsam herniederwuchteten . Der so unerwartet Getäuschte schlief die Nacht nicht . Gerade durch den Zweifel der Untreue erregt , waren all seine Sinne aufgestachelt und des schönen Weibes Besitz setzte ihn in brennenden Farben vor . So faßte er nun den Entschluß , der Sache auf den Grund zu gehen und sofort am andern Morgen sie zu überführen . Er fuhr dorthin . Frau Lämmers war nicht wenig erstaunt , ihn so unerwartet erscheinen zu sehn . Doch klärte er sie gleich auf . Sie gab zu , daß Kathi spät nach Hause gekommen sei . » Aha , sie hat wieder eine furchtbare Dummheit gemacht , « sagte Rother stirnrunzelnd hin . Sie war noch nicht aufgestanden . Als die Wirthin klopfte und ihr ankündigte , Rother wolle sie um jeden Preis sprechen , - - verrieth ihre antwortende Stimme Aerger und Furcht . Nach kurzem Parlamentiren wurde ausgemacht , daß er in einer halben Stunde wiederkommen solle , bis sie sich angezogen habe . Er verbrachte die Zwischenzeit in einem nebenan liegenden Budikerkeller . Die Leute dort , Arbeiter und kleine Handwerker beim Frühschoppen und Morgenimbiß , starrten ihn fragend und verwundert an , wie er einen » Bittern « nach dem Andern hinuntergoß . Er besah sich im Spiegel ; wie bleich er war ! Er fühlte Beklemmung im Herzen oder vielmehr in der Magenhöhle - man verwechselt ja so oft die innigsten Gefühle ... » Was wollen Sie denn so früh ? « fragte sie mit einer Stimme , in der zugleich Zorn und etwas wie Furcht sich mischten . Da er sie nur fest anschaute - sie hielt die Thür in der Hand - , fuhr sie höchst ungnädig fort : » Ist dies eine Zeit , Besuche zu machen ? « Er zuckte mit den Achseln und trat ruhig ein , indem er sie stets noch fest fixirte . Sie trug einen losen Schlafrock und um den bloßen Hals hatte sie ein schwarzes Tuch geschlungen . Die Haut des Halses erschien gelblich und nicht fest genug . Seltsam , daß Rothers Künstlerauge dies in einem solchen Augenblick bemerkte . Sie sah überhaupt