« Er schlug ihr noch allerlei andres vor , aber Lene bat , auf ihr Zimmer gehn zu dürfen , » wenn er dann komme , sei sie wieder munter . Sie sei nur angegriffen und brauche nichts , und wenn sie nur Ruhe habe , so werd es vorübergehen . « Damit verabschiedete sie sich und stieg in die mittlerweile hergerichtete Giebelstube hinauf , begleitet von der in durchaus irrigen Vermutungen befangenen Wirtin , die sofort neugierig fragte , » was es denn eigentlich sei « , und , einer Antwort unbedürftig , im selben Augenblicke fortfuhr : ja , das sei so bei jungen Frauen , das wisse sie von sich selber , und eh ihr Ältester geboren wurde ( jetzt habe sie schon vier und eigentlich fünf , aber der mittelste sei zu früh gekommen und gleich tot ) , da hätte sie ' s auch gehabt . Es flög einen so an und sei dann wie zum Sterben . Aber eine Tasse Melissentee , das heißt Klostermelisse , da fiele es gleich wieder ab und man sei mit eins wieder wie ' n Fisch im Wasser und ordentlich aufgekratzt und fidel und ganz zärtlich . » Ja , ja , gnäd ' ge Frau , wenn erst so vier um einen rumstehn , ohne daß ich den kleinen Engel mitrechne ... « Lene bezwang nur mit Müh ihre Verlegenheit und bat , um wenigstens etwas zu sagen , um etwas Melissentee , Klostermelisse , wovon sie auch schon gehört habe . Während oben in der Giebelstube dies Gespräch geführt wurde , hatte Botho Platz genommen , aber nicht innerhalb der windgeschützten Veranda , sondern an einem urwüchsigen Brettertisch , der , in Front derselben , auf vier Pfählen aufgenagelt war und einen freien Blick hatte . Hier wollt er sein Abendbrot einnehmen . Er bestellte sich denn auch ein Fischgericht , und als der » Schlei mit Dill « , wofür das Wirtshaus von alter Zeit her ein Renommee hatte , aufgetragen wurde , kam der Wirt , um zu fragen , welchen Wein der Herr Baron , er gab ihm diesen Titel auf gut Glück hin , beföhle . » Nun ich denke « , sagte Botho , » zu dem delikaten Schlei paßt am besten ein Brauneberger oder sagen wir lieber ein Rüdesheimer , und zum Zeichen , daß er gut ist , müssen Sie sich zu mir setzen und bei Ihrem eigenen Weine mein Gast sein . « Der Wirt verbeugte sich unter Lächeln und kam bald danach mit einer angestaubten Flasche zurück , während die Magd , eine hübsche Wendin in Friesrock und schwarzem Kopftuch , auf einem Tablett die Gläser brachte . » Nun lassen Sie sehn « , sagte Botho . » Die Flasche verspricht alles mögliche Gute . Zuviel Staub und Spinnweb ist allemal verdächtig , aber dieser hier ... Ah , superbe . Das ist siebziger , nicht wahr ? Und nun lassen Sie uns anstoßen , ja auf was ? Auf das Wohl von Hankels Ablage . « Der Wirt war augenscheinlich entzückt , und Botho , der wohl sah , welchen guten Eindruck er machte , fuhr deshalb in dem ihm eigenen leichten und leutseligen Tone fort : » Ich find es reizend hier , und nur eins läßt sich gegen Hankels Ablage sagen : der Name . « » Ja « , bestätigte der Wirt , » der Name , der läßt viel zu wünschen übrig und ist eigentlich ein Malheur für uns . Und doch hat es seine Richtigkeit damit , Hankels Ablage war nämlich wirklich eine Ablage , und so heißt es denn auch so . « » Gut . Aber das bringt uns nicht weiter . Warum hieß es Ablage ? Was ist Ablage ? « » Nun wir könnten auch sagen : Aus- und Einladestelle . Das ganze Stück Land hierherum « ( und er wies nach rückwärts ) » war nämlich immer ein großes Dominium und hieß unter dem Alten Fritzen und auch früher schon unter dem Soldatenkönige die Herrschaft Wusterhausen . Und es gehörten wohl an die dreißig Dörfer dazu , samt Forst und Heide . Nun sehen Sie , die dreißig Dörfer , die schafften natürlich was und brauchten was , oder was dasselbe sagen will , sie hatten Ausfuhr und Einfuhr , und für beides brauchten sie von Anfang an einen Hafen- oder Stapelplatz , und konnte nur noch zweifelhaft sein , welche Stelle man dafür wählen würde . Da wählten sie diese hier , diese Bucht wurde Hafen , Stapelplatz , Ablage für alles , was kam und ging , und weil der Fischer , der damals hier wohnte , beiläufig mein Ahnherr , Hankel hieß , so hatten wir eine Hankels Ablage . « » Schade « , sagte Botho , » daß man ' s nicht jedem so rund und nett erklären kann « , und der Wirt , der sich hierdurch ermutigt fühlen mochte , wollte fortfahren . Eh er aber beginnen konnte , hörte man einen Vogelschrei hoch oben in den Lüften , und als Botho neugierig hinaufsah , sah er , daß zwei mächtige Vögel , kaum noch erkennbar , im Halbdunkel über der Wasserfläche hinschwebten . » Waren das wilde Gänse ? « » Nein , Reiher . Die ganze Forst hierherum ist Reiher-Forst . Überhaupt ein rechter Jagdgrund , Schwarzwild und Damwild in Massen , und in dem Schilf und Rohr hier Enten , Schnepfen und Bekassinen . « » Entzückend « , sagte Botho , in dem sich der Jäger regte . » Wissen Sie , daß ich Sie beneide . Was tut schließlich der Name ? Enten , Schnepfen , Bekassinen . Es überkommt einen eine Lust , daß man ' s auch so gut haben möchte . Nur einsam muß es hier sein , zu einsam . « Der Wirt lächelte vor sich hin , und Botho , dem es nicht entging , wurde neugierig und