zurück . » ' s kann dir wohl gnügen , wenn ich sag , daß ich ' s mit keinm andrerweis halt wie mit dir ! « » No , nit zürn dich ! ' s machet mich völlig unglücklich , wann ich dich bös af mich wüßt . Werd mir nur bald wieder ganz gut , daß ich dir abfragen mag , was ich gern höret . « » Vor allm laß nur du dich nit wieder aufhetzen , und wär ' s auch von einm Ehrnweib , wie dein Mutter is ! Wann der Sau ' s Ohr fehlt , so faßt ' s kein Hund dran , und wann a Gred kein Grund hat , so sucht mer ihm vergebens ein Anhalt . « Muckerl begann nun seine Mutter zu entschuldigen . Sie hätte , nur aus Sorg um ihn , verlogenen Bescheid für wahr genommen ; es also im Grunde niemandem übel gemeint , auch nicht der Helen , der sie ja bislang , eh sie durch das unbschaffene Gered irrgemacht wurde , alles Gute gegönnt habe und wieder gönnen werde , nachdem sich jetzt all das Nachgesagte als falsch herausgestellt . Doch , über das hartnäckige Schweigen und die trotzigen Gesichter der Dirne sich mehr und mehr ereifernd , gelangte er mählich dahin , seiner Mutter immer weniger Dank für ihre Sorge zu wissen , schließlich es ganz ungerechtfertigt zu finden , daß sie sich überhaupt da eingemengt habe , und als er sich von der Dirne bei deren Hütte verabschiedete , war er der alten Frau ernstlich böse geworden . Die Kleebinderin hatte alle Mühe , dem verdrossenen Burschen das Vorgefallene abzufragen , dann schlug sie darüber im Geiste die Hände über dem Kopfe zusammen . Sie beschloß , Helene nun öfter ins Haus zu laden und jedmal , solange es anginge , daselbst zu verhalten ; für die rauhe Jahrzeit sollte Muckerl an Kleidern nicht mehr schenken , als notwendig , sich aus der Türe zu wagen , damit die Dirne , auch ungeladen , den warmen Ofen aufsuchen käme und sich gewöhne , in der Stube zu sitzen , und schon mit dem nächsten Fasching sollte dann alles zu gutem Ende gebracht und Hochzeit sein . Ein verheiratet Weib hat weniger Anfechtung und mehr Furcht vor üblen Ruf ; welchs sich nit dazu verstund , Ungebühr dem Haus fernzhalten und derselbn außerhalb auszuweichen , das müßt schon gar ein schlechts Geschöpf sein - und für ein solches mochte die Kleebinderin ihre künftige , wenn auch unwillkommene Schwiegertochter doch nicht halten . VIII Der himmlische Patron der Kirche zu Zwischenbühel , Sankt Koloman , ist ein » später Heiliger « , sein Tag fällt auf den dreizehnten Oktober . Da sich aber das Wetter in der ersten Hälfte dieses Monates meist leidlich anließ , so daß die Tanzlustigen sich im Freien , auf der Wiese hinter dem Gasthausgarten , herumtreiben konnten , wo eine große Scheuer zum Tanzboden umgestaltet war , so fand der Zwischenbüheler Wirt für die Gäste , die unter Dach bleiben wollten , sein Auslangen mit zwei Stuben , der gewöhnlichen Gaststube und seiner Wohnstube , die er für diesen Tag ausräumte ; letztere nahm der Sternsteinhofbauer in Beschlag , der sich jede Kirchweih vor den » Unteren « sehen lassen wollte als einer , dem nichts zu gut und nichts zu teuer ; ihm gesellte sich eine Schar » großer Bauern « von fern und nah , die ihn alle in seinem Hochmute unterstützten , wenn auch keiner unternahm , es ihm gleichzutun . Einige unter ihnen hielten aber nicht nur dieses Unterfangen für zu ungeheuerlich , sondern verzichteten überhaupt darauf , auch nur in bescheidener Weise neben dem Sternsteinhofbauer glänzen zu wollen , fanden es ungleich angenehmer und nutzbringender , sich von ihm zechfrei halten zu lassen und nur , wie es Gästen eines solchen Wirtes zukam , dafür zu sorgen , daß » gehörig was draufginge « . Darunter war einer , dessen Bescheidenheit fast der Tugend der Selbstverleugnung gleichkam , wenn man bedachte , daß gerade er es vermocht hätte , so tief in den Sack zu langen wie der Sternsteinhofer , und so wenig wie der befürchten mußte , die Finger leer herauszuziehen . Es war das ein langer , dürrer Mensch mit eingesunkener Brust , hohlen Wangen und tiefliegenden , unter buschigen Brauen hervorblitzenden , dunklen Augen , zwischen denen scharf eine Hakennase vorragte , die Lippen hielt er zusammengekniffen ; wenn er sie öffnete und sprach , so sah es aus , als ob er seine Rede vorab auf ihren Geschmack prüfe . Das Feiertagsgewand , das er trug , sah unsauber aus . Er hieß der Käsbiermartel , Martin war nämlich sein Taufname , und die andere Bezeichnung verdankte er der gewiß löblichen ökonomischen Eigenheit , mit einem Glase Bier und einem Stück Käse vor sich bei stundenlangen Zechgelagen auszuharren ; für diesmal aber , wo es galt , dem , was der Sternsteinhofer » auftragen und vorfahren « ließ , alle Ehre anzutun , kam er seiner Gastpflicht in solchem Maße nach , daß öftere Male am Tische die zarte Äußerung laut wurde : » Ja , Käsbiermartel , wo frißt und saufst denn du nur alls das hin ? « Daraufhin blickte er von seinem Teller auf , mit arbeitenden Backen und dem überlegenen Lächeln eines Mannes , dem es gelungen , plötzlich einen schönen , bisher unbeachtet gebliebenen Zug seines Charakters zu enthüllen . Der Käsbiermartel war nicht ohne Begleitung von Schwenkdorf , wo er hauste , auf den Zwischenbüheler Kirchtag herübergefahren , er hatte sein einziges Kind , die etwa zwanzigjährige Sali mitgebracht , welche nun mit dem Toni vom Sternsteinhofe draußen im Wirtshausgarten saß . Die Dirne war hoch aufgeschossen , so daß sie trotz einer gewissen Fülle etwas derbknochig aussah . Die schwarzbraunen , dickhaarigen Scheitel , die starken , geschwungenen Brauen und die gebogene Nase - glücklicherweise nur ein schwaches Abbild der väterlichen - verliehen