diese völlig entzweischlagen . Dann lief er davon und sein Gefolge hinter ihm her . Zu allem Schönen , das Klara heute auf der Alp schon gesehen hatte , kam nun noch der Schluß . Als sie oben auf dem Heuboden auf dem großen , weichen Bette lag , zu dem nun auch das Heidi emporkletterte , da schaute sie durch das offene , runde Loch gerade mitten in die schimmernden Sterne hinein , und voller Entzücken rief sie aus : » O Heidi , sieh , es ist gerade , wie wenn wir auf einem hohen Wagen in den Himmel hineinfahren würden ! « » Ja , und weißt du , warum die Sterne so voller Freude sind und uns so mit den Augen winken ? « fragte das Heidi . » Nein , das weiß ich nicht ; was meinst du denn ? « fragte Klara zurück . » Weil sie droben im Himmel sehen , wie der liebe Gott alles so gut einrichtet für die Menschen , daß sie gar keine Angst haben müssen und ganz sicher sein können , weil alles so kommt , wie es heilsam ist . Das freut sie so ; sieh , wie sie winken , daß wir auch so fröhlich sein sollen ! Aber weißt , Klara , wir müssen auch nicht vergessen , zu beten , wir müssen recht den lieben Gott bitten , daß er auch an uns denke , wenn er alles so schön einrichtet , daß wir auch immer so sicher sein können und uns vor gar nichts fürchten müssen . « Jetzt saßen die Kinder noch einmal auf und sagten jedes sein Nachtgebet . Dann legte sich das Heidi auf seinen runden Arm und schlief augenblicklich ein . Aber Klara blieb noch lange wach , denn etwas so Wunderbares , wie diese Schlafstätte im Sternenschein , hatte sie noch in ihrem Leben nicht gesehen . Sie hatte ja überhaupt kaum je die Sterne gesehen , denn außer dem Hause war sie des Nachts nie gewesen und drinnen wurden die dichten Vorhänge längst niedergelassen , bevor die Sterne kamen . So wenn sie jetzt die Augen zumachen wollte , mußte sie sie gleich noch einmal aufschlagen , um zu sehen , ob denn die beiden großen , hellen Sterne immer noch hereinfunkelten und so merkwürdig winkten , wie das Heidi gesagt hatte . Und immer noch war es so , und Klara konnte es nicht genug bekommen , in das Flimmern und Leuchten hineinzuschauen , bis endlich ihre Augen von selbst zufielen und sie nur im Traum noch die zwei großen , schimmernden Sterne sah . Wie es auf der Alp weiter geht Eben war die Sonne hinter den Felsen heraufgestiegen und warf nun ihre goldenen Strahlen über die Hütte und über das Tal hinab . Der Alm-Öhi hatte , wie er jeden Morgen tat , still und andächtig zugeschaut , wie ringsum auf den Höhen und im Tal die leichten Nebel sich lichteten und das Land aus dem Dämmerschatten herausschaute und zum neuen Tag erwachte . Heller und heller wurden oben die lichten Morgenwolken , bis jetzt die Sonne völlig heraustrat und Fels und Wald und Hügel mit goldenem Lichte übergoß . Jetzt trat der Öhi in seine Hütte zurück und ging leise die kleine Leiter hinauf . Klara hatte eben die Augen aufgeschlagen und schaute in der höchsten Verwunderung auf die hellen Sonnenstrahlen , die durch das runde Loch hereindrangen und auf ihrem Bett tanzten und blitzten . Sie wußte gar nicht , was sie sah und wo sie war . Doch jetzt erblickte sie das schlafende Heidi an ihrer Seite und nun ertönte auch die freundliche Stimme des Großvaters : » Gut geschlafen ? Nicht müde ? « Klara versicherte , sie sei nicht müde , und , einmal eingeschlafen , sei sie auch die ganze Nacht nicht mehr erwacht . Das gefiel dem Großvater , und nun fing er gleich an und besorgte die Klara so gut und so verständnisvoll , als wäre es geradezu sein Beruf , kranke Kinder zu besorgen und es ihnen bequem zu machen . Das Heidi hatte jetzt seine Augen auch aufgemacht und sah auf einmal mit Erstaunen , wie der Großvater die schon fertig gerüstete Klara auf den Arm nahm und forttrug . Da mußte es doch dabei sein . Blitzschnell ging seine Ausrüstung vor sich ; dann ging ' s die Leiter hinunter , und nun war auch das Heidi aus der Tür und stand draußen , mit großer Verwunderung betrachtend , was der Großvater jetzt wieder ausführte . Er hatte am Abend vorher , als die Kinder schon oben auf ihrem Lager angekommen waren , überlegt , wo der breite Rollstuhl unter Dach gebracht werden könnte . Die Tür der Hütte war ja viel zu schmal , hier konnte er nie eingefahren werden . Da war ihm ein Gedanke gekommen . Er machte hinten am Schopf zwei große Laden los , so daß da eine große Einfahrt entstand . Der Stuhl wurde hineingestoßen und die hohen Bretter wieder an ihre Stelle gebracht , wenn auch nicht fest gemacht . Das Heidi kam eben an , nachdem der Großvater Klara drinnen in ihren Stuhl gesetzt , dann die Bretter weggenommen hatte und nun mit ihr aus dem Schopf in den Morgensonnenschein herausgefahren kam . Mitten auf dem Platz ließ er den Stuhl stehen und ging dem Geißenstall zu . Das Heidi sprang an Klaras Seite . Der frische Morgenwind wehte um die Gesichter der Kinder , und ein würziger Tannenduft kam mit jedem neuen Windeswehen herüber und durchströmte die sonnige Morgenluft . Klara zog tiefe Züge und lehnte sich in ihren Stuhl zurück , in einem Gefühl des Wohlseins , wie sie es nie empfunden hatte . Noch nie in ihrem Leben hatte sie ja auch frische Morgenluft draußen in der freien Natur eingeatmet , und nun wehte die reine Alpenluft um sie so kühl und erfrischend , daß jeder Atemzug ein Genuß war . Dazu