. Da hoffte nun der Graf , wenn die Waffenruhe ein paar Wochen dauere , wenigstens an dem Schlusse des Feldzuges teilnehmen zu können . Er werde den Arm wohl bald notdürftig gebrauchen können , gab ihm der Doktor zu und fragte : Sind Sie jetzt getröstet ? Aber der Graf antwortete : Ach , Doktor ! Im Jahre neun ein Mann gewesen sein , ein Österreicher und ehemaliger Soldat , und von Aspern und Eßlingen nur gehört haben - darüber tröstet nichts ! Die Gräfin beschloß nun , in den nächsten Tagen heimzureisen ; der Graf gedachte in ungefähr einer Woche zur Armee zu gehen und wollte vorher Anka bei ihrer Großmutter installieren , wo wir die Zeit seiner Abwesenheit zubringen sollten . Da geschah es , daß die Kleine , von der Gräfin kommend , zu mir sagte : Fräulein , die Großmama hat Sie gar nicht gern , aber gar nicht ! Bei Tisch fand ich den Grafen düster und unfreundlich , die Gräfin aber war äußerst angeregt , sonnig und eisig wie ein schöner Wintertag . Am Abend , gleich nachdem wir den Salon betreten , empfahl sich der Doktor ; er warf mir beim Fortgehen einen mitleidigen Blick zu und sagte leise : Seien Sie wacker ! - Anka wurde früher als gewöhnlich zu Bett geschickt , sie weinte , und der Graf , dem sonst die geringfügigste Verstimmung seiner Tochter eine wahre Seelenpein verursachte , blieb diesmal gleichgültig bei den Tränen , die sie vergoß . Sobald wir allein waren , eröffnete die Gräfin das Gespräch ... « Die Hofrätin zog die Achseln ein wenig in die Höhe , überlegte ein Weilchen und sprach : » Ich will Sie nicht auf die Folter der Neugier spannen , liebe Freundin , sondern gleich sagen : was die Gräfin mir mitzuteilen hatte , war etwas Überraschendes , etwas ganz Außerordentliches . Der Vater des Grafen Stephan ersuchte die Gräfin , meine Gesinnungen gegen seinen Sohn zu erforschen . Im Falle diese günstig seien , solle in aller Form um meine Hand geworben werden . Ich entledige mich meines Auftrages , sprach die Gräfin nachlässig , halte es aber für meine Pflicht , Ihnen meine Meinung von der Sache zu sagen . O weh ! wenn die Gräfin den Ton anschlug , da mochte man sich vorsehen ! Da durfte die Eitelkeit oder das Zartgefühl oder irgend etwas leicht Verwundbares in der Seele des andern - ich hatte es schon erfahren - einer schmerzlichen Berührung gewärtig sein . Ich wollte eine solche überhaupt nicht erleiden , am wenigsten jedoch in Gegenwart des Grafen , und beeilte mich , der Gräfin ins Wort zu fallen und ihr sehr lebhaft zu erklären , daß ich keine Neigung für ihren Neffen habe und mich niemals entschließen könnte , seine Frau zu werden . Was sagte ich Ihnen , Mama ? fragte der Graf ; und so leise es geschah , eine mächtige Freude klang aus diesen Worten . Der sie gesprochen , erhob sich und verließ das Zimmer . Der Gräfin mußte ungefähr zumute sein wie jemandem , der sich zu einem Pistolenduell vorbereitet und im Augenblick , in dem er auf den Gegner anlegen will , plötzlich bemerkt , daß er keinen hat . Sie rückte sich in ihrem Sessel zurecht , betrachtete mit flüchtiger Aufmerksamkeit die Stickerei ihres Taschentuches , sagte mir einige Schmeicheleien und forderte mich auf , Vertrauen zu ihr zu haben . Sie gab mir zugleich einen Beweis des ihren , indem sie gestand , von allem unterrichtet zu sein , was zwischen dem Grafen Stephan und mir vorgegangen war . Sie wußte nicht nur , daß ihr Neffe mir den Hof gemacht , sondern auch , daß er es ohne Glück getan hatte . Sie fand das erste unrecht , aber begreiflich , das zweite anerkennenswert und gleichfalls begreiflich . Jetzt aber müsse sie über einiges staunen . Die Gräfin räusperte sich und suchte nach Worten ; zu ihrer Ehre sei es gesagt : es wurde ihr nicht leicht fortzufahren . Was mich in Verwunderung setzt , ist nicht der Antrag Stephans ... Mein Gott , Stephan ist eben verliebt , jung und töricht . Auch das ist es nicht , daß sein Vater sich dahin bringen ließ , diesen Antrag zu billigen und zu protegieren ... Mein Gott , ein Greis , der seinen Kindern gegenüber schwach geworden und es mehr ist denn je in diesem Augenblick . Wenn man soeben einen Sohn verloren hat , schlägt man dem zweiten , kaum wiedergewonnenen einen Wunsch nicht ab , an dem sein Herz hängt . Ein Stärkerer als mein armer Vetter wäre vielleicht unfähig . Wie gesagt , über die andern staune ich nicht , ich staune über Sie und über die Raschheit und Bestimmtheit , mit der Sie Stephans Bewerbung ablehnen . Sie heftete die Augen auf mich , und ich fühlte mein Gesicht hoch aufflammen und dann erbleichen im Strahle dieses kalten und durchdringenden Blickes . Sie haben keine Neigung für Stephan , fuhr die Gräfin fort , haben Sie auch keinen Ehrgeiz ? Fragend und verwundert wiederholte ich dieses letzte Wort , und sie mußte sehen , daß ich seinen Sinn in Wahrheit nicht erfaßte , denn sie ließ sich zu einer Erklärung herbei . Ich meine , Stephan ist arm , er wird siech bleiben , heißt es . Seine Frau , wenn sie pflichttreu sein will , würde das Leben einer Krankenwärterin führen . Aber sie wäre doch seine Frau und nach seinem Tode die verwitwete Gräfin Stephan ... Haben Sie keinen Ehrgeiz ... Ihre Stimme veränderte sich ; ohne lauter zu werden , wurde sie schärfer und eindringlicher . Keinen Ehrgeiz oder einen viel höherfliegenden ? - Sie haben keine Neigung für Stephan , für ihn nicht . Seine Liebe hat Sie nicht gerührt - hoffen Sie vielleicht , daß die Ihre rühren werde - einen Mann rühren , der Ihnen wünschenswerter erscheint ? Dieser furchtbare Angriff kam