von der Stadt , in der reizendsten Gegend . Unvergleichlicher Reitboden ! Es war immer Agathens Lieblingsaufenthalt . Das müßte verkauft werden - gleich , gleich - ohne Verzug und nicht unter seinem Wert . Der Erlös desselben deckt alle Differenzen , und leichten Herzens verlassen Papa und Mama die Heimat , und erhobenen Hauptes treten sie vor die fremde Schwägerin . Ihnen ist die Demütigung erspart , die gräßliche , mit einer Bitte auf den Lippen in dem Hause zu erscheinen , das sich ihnen gastfreundlich erschließt ... Genug , das Gütchen muß verkauft werden , und der Käufer muß - Hermann sein , und Lotti , die er so unaussprechlich verehrt , deren Meinung ihm von höchster Wichtigkeit ist , muß ihn dazu bewegen ... Will sie es tun ? sie will , sie hat es versprochen , sie darf jetzt nicht nein sagen . Sie wird ihren Einfluß geltend machen ... » Sie wollen , Sie werden , Fräulein - nicht wahr ? und bald - und heute noch ? « Agathens Blicke hingen an den Lippen der Schweigenden : » Antworten Sie mir - reden Sie ! « » Was soll ich sagen ? « sprach Lotti in peinlicher Verwirrung . » Ich weiß nicht , ob man das von ihm verlangen darf - ob ihm die Mittel zu Gebote stehen ... « Sie stockte , sie sah Halwig vor sich , wie er am nämlichen Morgen zu ihr gekommen war , alle Zeichen verzweiflungsvoller Pein und tiefster Erschöpfung in seinen Zügen . » Die Mittel ? « rief die junge Frau - » er ist so reich , als er sein will . Die Summe , die er braucht , um meinen allerhöchsten und innigsten Wunsch zu erfüllen und um meine Eltern aus der unangenehmsten Lage zu befreien - die Summe bietet sein Verleger ihm an ... Er braucht nur einen Kontrakt zu unterschreiben , in dem er sich verpflichtet ... ich kann nicht sagen , wie viele Bände zu liefern in einer bestimmten Zeit ... und denken Sie ! statt freudig auf den Vorschlag einzugehen , zögert er - kann zu keinem Entschluß kommen , ich - « eine plötzlich aufsteigende Röte , wie eine beschämende Erinnerung sie erweckt , bedeckt ihr Angesicht , » ich habe ihn vergeblich darum gebeten . « » Wie können Sie glauben « , sagte Lotti , » daß er mir etwas zugestehen wird , das er Ihnen abschlug ? « » Er wird ! Er hält soviel auf Sie ! verehrt Sie so grenzenlos ... Er wird Sie nicht der Parteilichkeit anklagen , wie er es mir tut in seiner Eifersucht auf die Meinen ... « erwiderte Agathe melancholisch und fügte mit einem tiefen Seufzer hinzu : » Ach , diese Eifersucht ist schrecklich bei ihm , ist schon eine fixe Idee ... und so schwer ich mich von meinen armen Eltern trenne - ich wünschte wahrlich , sie wären drüben über dem Meere , und ich sähe sie nicht mehr , und er hätte nie wieder Gelegenheit , mir vorzuwerfen , daß sie mir lieber sind als er ... als er - um den ich sie verlassen habe ! « Was war das für eine kindische und gewiß ungerechte Klage , und dennoch , welches Mitleid erregte sie in derjenigen , der sie mit so weicher bezaubernder Stimme , mit so großen Tränen in den feuchten , flehenden Augen vorgebracht wurde . Und jetzt falteten sich die Hände der schönen Frau : » O Fräulein Lotti ... « Da pochte es an der Tür , der Diener erschien und meldete : » Herr von Schweitzer . « Agathe schnellte empor . » Soll warten , ich lasse bitten . Er kommt zwar sehr ungelegen , der gute Schweitzer « , fuhr sie fort , nachdem der Diener sich entfernt hatte , » aber dennoch darf man ihn nicht wegschicken . Auch der könnte helfen ! ... Einen Augenblick , liebstes Fräulein ! « Sie stand schon auf ihren Füßen . » In so tiefem Negligé will ich mich vor einem Herrenbesuche nicht sehen lassen . Empfangen Sie ihn an meiner Stelle ; der gute Schweitzer , unser Advokat , ein Jugendfreund meines Mannes , bleibt nie lange . Sie aber müssen lange bleiben ... Gehen Sie , ich komme Ihnen gleich nach . Ich bitte Sie ! ich bitte ! ... Keine Einwendungen ! ... Sie dürfen nicht fort - wir behalten Sie zu Tische , das steht in den Sternen geschrieben , dagegen vermögen Sie nichts . « Sie sprach das alles rasch mit ihrer weichsten Stimme und dabei mit einer Bestimmtheit , die nicht einmal den Versuch eines Widerstandes aufkommen ließ . » Sei es denn ! « sagte Lotti und fügte in Gedanken hinzu : So laßt uns in einem fremden Hause einen fremden Besuch im Namen einer fremden Frau empfangen . Mitten in dem chinesischen Boudoir , in das sie eintrat , stand ein Mann von etwa vierzig Jahren . Eine gedrungene , untersetzte Gestalt , dunkel , etwas nachlässig gekleidet . Ein mächtiger Kopf , mit dichtem , schon ins Graue spielendem bürstenartig zugestutztem Haar und ebensolchem , bis auf die Brust reichendem Vollbart , saß auf kurzem Halse , von athletisch geformten Schultern stolz getragen . An dem ganzen Menschen sprach alles , die Haltung , die Miene , die breite wie in Erz gegossene Stirn , die kräftige gerade Nase mit den scharf gezeichneten Nasenflügeln , der streng geschlossene Mund , es sprachen die energisch blickenden und tiefliegenden Augen von Festigkeit und unbeugsamem Willen . Das Befremden , das ihn ergriff , als er statt der erwarteten Hausfrau eine Unbekannte ins Zimmer kommen sah , gab sich in seinen Zügen deutlich und mit einem Mißfallen kund , das Lotti in Verlegenheit setzte . Sie fand nicht gleich ein erklärendes Wort , um derselben ein Ende zu machen , und so standen sie ein Weilchen in höchster Unbehaglichkeit voreinander .