gefiel ihm wohl , und schon 1792 , bei Ausbruch der Rheinkampagne , war er unter den Fahnenunteroffizieren des Regiments . Bei Valmy erhielt er ein Ehrenzeichen , bei Kaiserslautern ein zweites . Das kam so . Die Compagnie von Thadden sah sich gezwungen , eine Hügelstellung zu räumen , auf der sie sich seit Beginn des Kampfes behauptet hatte ; feindliche Artillerie fuhr auf und beherrschte jetzt das abgeschrägte , wohl 1500 Schritt breite Terrain , auf dem die zurückgehende Compagnie , zum Teil in bloße Trupps aufgelöst , ihren Rückzug bewerkstelligte . In Mittelhöhe des Abhanges lag ein durch einen Schenkelschuß verwundeter Gefreiter und beschwor seine Kameraden , ihn nicht liegen zu lassen . Einige hielten inne ; aber das Kartätschenfeuer brach wieder den guten Willen ; auch den Tapfersten versagte der Mut . Da sprang Unteroffizier Kniehase vor , lief eine Strecke zurück , lud den Verwundeten auf die Schulter und trug ihn aus dem Feuer . Stabskapitän von Thadden , als die Compagnie sich wieder sammelte , trat an Kniehase heran und schüttelte ihm die Hand ; die Grenadiere aber brachen in Jubel aus und nahmen eine halbe Stunde später die verlorengegangene Höhenstellung wieder . Dieser Tag führte unseren Kniehase , wenn nicht gleich , so doch im regelrechten Lauf der Ereignisse , nach dem alten Wendendorfe , dessen Obrigkeit er jetzt bildete . Denn der Gefreite , den er so mutig aus dem feindlichen Feuer getragen hatte , war niemand anderes als unser Freund aus dem Hohen-Vietzer Kruge her : Peter Kümmeritz . Invalide geworden , erhielt er seinen Abschied ; zwei Jahre später aber kam der Frieden , und die ganze Rheinarmee kehrte in ihre Garnisonen zurück . Mit ihr das Regiment Möllendorf . Es war nach der Ernte , Anno 95 ; die Sommerfäden flogen schon durch die Luft , als an einem jener klaren Tage , wie sie der September bringt , an Miekleys Mühle vorbei , ein breitschultriger Mann in seines Königs Rock in die Hohen-Vietzer Dorfstraße einbog . Auf seiner Brust blitzten ein paar Medaillen , und wer sich auf Litzen und Rabatten verstand , der sah , daß es ein Chargierter vom Regiment Möllendorf war . Es war aber kein anderer als unser Unteroffizier Kniehase . Als er , gefolgt von der halben Dorfjugend , die scheubeflissen auf seine Fragen Antwort gab , in das Gehöft seines ehemaligen Gefreiten eintreten wollte , trat ihm an der Schwelle des Hauses nicht Peter Kümmeritz in Person , wohl aber Trude Kümmeritz , seine Schwester , entgegen . Nach allem , was folgte , muß angenommen werden , daß diese Stellvertretung den Wünschen unseres Kniehase nicht zuwiderlief , denn ehe er nach Wochenfrist den gastlichen Kümmeritzschen Hof verließ , um zu seinem Regiment zu retournieren , hatte er nicht nur mit Peter die Kriegskameradschaft erneuert , sondern auch mit Trude sich zu ehelicher Kameradschaft versprochen . Er ging überhaupt nur in seine Garnison zurück , um aus dem Urlaub einen Abschied zu machen , demnächst aber einen Neu-Barnimschen Hof zu kaufen und seine Trude aus dem Wendendorf in das Pfälzerdorf hinüberzuziehen . Es kam aber umgekehrt . Eine Hohen-Vietzer Stelle wurde unerwartet frei , die Truhen der Häuser Kümmeritz und Kniehase steuerten zusammen , und als im Sommer 96 der Raps blühte und sein Duft auf allen Feldern lag , da stieg ein Hochzeitszug den Kirchenhügel hinan , die Glocken läuteten , und die Musikanten bliesen , bis das Brautpaar über die Schwelle war . Kniehase trug seine Uniform , Trude die reiche wendische Tracht , und alt und jung waren einig , daß Hohen-Vietz ein solches Brautpaar seit Menschengedenken nicht gesehen habe . Seit Menschengedenken kein stattlicheres , aber auch kein glücklicheres Paar . Vor allen Dingen kein besseres . Neid und üble Nachrede schwiegen , und wenn anfangs dieser und jener klagte , » daß nun ein Pfälzer ins Dorf gekommen sei « , so verstummte diese Klage doch bald , als sie den Pfälzer kennenlernten . Wo es einen Rat galt , da war er da , und wo es eine Tat galt , da war er zweimal da . Er verstand sich aufs Schreiben und Eingabenmachen , aufs Rechnen und Registrieren , und als Anno 1800 der alte Schulze Wendelin Pyterke starb , der seit dem Siebenjährigen Krieg volle vierundzwanzig Jahre im Amte und nach der Kunersdorfer Schlacht , als die Russen kamen , die Rettung des Dorfes gewesen war , da wählten sie den Kniehase zu ihrem Schulzen , ohne sich ums Herkommen zu kümmern , das nur zwei oder drei unter ihnen gewahrt wissen wollten . Berndt von Vitzewitz aber sagte : » Meine Bauern waren immer gescheit , doch für so gescheit hab ich sie all mein Lebtag nicht gehalten . « Kniehase hatte keinen Feind ; selbst die Forstackersleute sprachen gut von ihm . Im Herrenhause hieß es : » Er ist ein tüchtiger Mann « , in der Mühle hieß es : » Er ist ein frommer Mann « , Peter Kümmeritz aber mit immer wachsendem Respekt sah zu seinem Schwager auf , als ob er den Tag von Kaiserslautern durch eigenes Eingreifen entschieden habe . Er schloß dann wohl ab : » Ich schulde ihm mein Leben , und meine Schwester schuldet ihm ihr Glück . « Die Kniehases waren ein glückliches Paar ; aber kein Glück ist vollkommen : sie blieben kinderlos . Da traf es sich , daß auch eine Tochter ins Haus kam , kein eigenes Kind und doch geliebt wie ein solches . Es war um Weihnachten 1804 , zwei Jahre früher , als die Frau von Vitzewitz starb , da kam ein » starker Mann « ins Dorf , einer von jenen fahrenden Künstlern , die zunächst in rotem Trikot mit fünf großen Kugeln spielen und hinterher ein Taubenpaar aus einem Schubfach auffliegen lassen , in das sie vorher eine Uhr oder ein Taschentuch gelegt haben . Der starke Mann schien bessere Tage gesehen zu haben ;