, und Robert gewann Zeit , ein wenig Umschau zu halten . Wie war das alles so ganz anders als in der Heimat ! Pfützen von Bier , Branntwein und allen möglichen sonstigen Getränken bedeckten Schenktisch und Fußboden , die Decke war fast verräuchert , und Vorhänge fehlten ganz . Zu diesen unangenehmen Eigenschaften kam noch der Geruch von Speisen und Getränken , der Dunst der nassen , vom Regen durchweichten Jacken und der Qualm zahlloser Zigarren , kurz , es war eine höchst ungemütliche , für den Neuling geradezu abstoßende Atmosphäre . Robert wandte sich an Georg . » Du , laß uns schlafen ! « flüsterte er . » Es gefällt mir hier sehr schlecht . « Der Seiler zuckte die Achseln . » Daran mußt du dich von jetzt an gewöhnen « , sagte er . » Aber die Matrosen sind doch nicht immer betrunken , Georg ? Sieh dir den Spanier an , wie er die Augen rollt und die Fäuste ballt . « Georg lachte . » Laß ihn doch , Junge . Das gibt gleich eine regelrechte Keilerei - aha , da geht es schon los . « Und wirklich funkelte Gallegos Messer über den Köpfen der anderen . Wenigstens ein Dutzend Matrosen waren von ihren Stühlen aufgesprungen , die Jacke des Malaien flog unter den Tisch , und seine muskulösen Arme streckten sich . Er knirschte eine Herausforderung , deren Wortlaut niemand verstand , die aber ihrem Sinn nach nicht zweifelhaft war . Ein stummes , wütendes Ringen begann . Der Spanier war zu betrunken , um das kurze Dolchmesser gebrauchen zu können ; es schwebte , von der Faust des Malaien gehalten , fast immer in der Luft , während Gallego , blutüberströmt , sich unter den Stößen und Schlägen des anderen auf dem Fußboden wälzte . Seine Augen , haßerfüllt , wie im Wahnwitz glänzend , hingen an jeder Bewegung des überlegenen Gegners . Nur eine Sekunde , eine einzige unachtsame Wendung , und der Dolch würde seinen Weg in das Herz des Malaien nicht verfehlen , davon waren alle überzeugt . Sie standen in lautlosem Schweigen um das kämpfende Paar . Niemand rührte eine Hand , um sie zu trennen . Da ertönte durch die Stille ein lautes Klopfen . » Hallo ! « rief es von draußen , » aufmachen ! « » Die Polizei ! « raunte Peter Volland mit kreidebleichen Lippen . » Schnell , Gallego - und auch ihr beide , schnell ! « Die letzte Aufforderung galt Robert und Georg . Der Wirt sah zu dem Seiler hinüber , und der zog im Fluge den Jungen durch eine Hintertür des Schankzimmers in einen dunklen Raum hinein . » Es ist zu deiner Sicherheit « , flüsterte er . » Sei ganz still ! « Robert gehorchte , obgleich ihn der wilde Auftritt heftig erschreckt hatte . Er sah noch das Dolchmesser des Spaniers sich erheben und hörte dann ein dumpfes Röcheln . Ehe er sich über irgendeine Einzelheit deutliche Rechenschaft geben konnte , schleppten zehn kräftige Arme den widerstandslosen Gallego in die dunkle Küche hinein , die Tür wurde verschlossen und dann dem immer lauter werdenden Klopfen Folge geleistet . Robert und Georg beobachteten durch die Spalten eines verschobenen Vorhanges alles , was sich in der Schenke abspielte . Neben ihnen , auf dem Fußboden , lag der Spanier , schwer atmend und leise murmelnd , aber regungslos . Robert sah alles nur mit halbem Bewußtsein , wie man die Gestalten eines Traumes an sich vorüberziehen sieht . In seinem Blut schwimmend lag vorn der Malaie , bei dem zwei Polizisten standen und der trotz des langen und tiefen Stiches durch den Oberarm fortwährend Flüche hervorsprudelte . Peter Volland erklärte , daß er von dem ganzen Streit nichts wisse , sondern im Keller beschäftigt gewesen sei und das Klopfen erst nach der Tat gehört habe . Die beiden Polizisten schienen zu wissen , daß keiner dieser Matrosen die Kameraden verraten werde ; sie begnügten sich damit , den Verwundeten in ihre Mitte zu nehmen und ihn zur nächsten Wache zu bringen , freilich nicht ohne vorher die Namen der Anwesenden notiert zu haben . Als sich die Tür hinter ihnen und dem knirschenden Malaien schloß , atmete Peter Volland erleichtert auf . Er ging zu dem Spanier , mit dem er lange und eindringlich flüsterte . Die Folge war , daß sich der Messerheld aus einer Hintertür hinausführen ließ , nachdem ihm vorher Hände und Kleider gereinigt worden waren und er auch seine Waffe wieder eingesteckt hatte . Der Wirt klopfte zurückkehrend auf Roberts Schulter . » Hast dich erschrocken , Kleiner ? « fragte er . » Das kommt manchmal vor , man kann beim besten Willen die Hitzköpfe nicht zur Ruhe bringen , ehe Blut geflossen ist . Na , dort stehen eure Betten - geht schlafen , Kinder . « Die Schenkstube war schon während dieser Unterhaltung leer geworden , jetzt wurde das Licht ausgedreht und alles war dunkel . Robert klammerte sich an den Arm des Seilers . » Verlaß mich nicht ! « bat er . » Dummes Zeug « , erwiderte Georg . » Du wirst bald selbst in die Lage kommen , dich einmal gehörig schlagen zu müssen ! Aber sei jetzt ruhig und laß uns ausschlafen . Wir haben morgen noch viel zu laufen . « Robert schwieg . Es schien ihm , als sei Georg ein anderer geworden . Unfreundlich und kurz angebunden , ließ er nur wenig mit sich sprechen . - Der Junge suchte schweigend das Bett und schlief trotz der ungeheuren Aufregung bald ein . Während der vorherigen Nacht hatte er ja kein Auge geschlossen , so daß er der Müdigkeit nicht widerstehen konnte . Es schlug acht Uhr , als er am folgenden Morgen erwachte . Nachdem er munter geworden war , ging sein erster Blick zu Georg hinüber , aber er traute kaum seinen Augen , kaum unterdrückte er einen lauten