vom Bach heraufkommt , tut mir wohl . - Es ist der Brachmonat , aber die Sonne kommt spät über den Waldberg herauf , daß sie freundlich in meine Stube luget . Ich bin des Morgens hinaus in das Freie gegangen . Wie ist es da frisch und grün und tauschimmernd , und an den Waldbergen , so weit sie von dem engen Tal aus zu sehen , spinnt sich das bläuliche Sonnentuch über die Lehnen . Gegen die Abendseite hin streben die Vesten der Felsen auf und oben am Rande stehen wie Schildwachen verwittere Fichtenzwerge in die Bläue des Himmels hinein . Der Rand da oben soll aber noch lange die höchste Zinne nicht sein . Darüber kämen erst die Matten der Almen , wo jetzt in Sträuchen die roten Rosen blühen sollen ; hernach kämen wieder Felswände , an denen das milde Edelweiß prangt und die roten Tropfen der Kohlröschen zittern , wie ich das als Studiosus auf Ausflügen mehrmals gefunden habe . Über diesen Felsen legt es sich wohl hin in weiten unwirtlichen Feldern des Schnees und des Eises , wie ich sie gestern als eine weiße Tafel schimmern hab ' gesehen . Wenn ich in meinen Aufgaben hier unten glücklich bin , so will ich einmal emporsteigen zu den Gletschern . Und über den Gletschern ragt letzlich der graue Zahn , von dessen Spitze aus , wie mir meine Wirtin hat gesagt , in weitesten Weiten das große Wasser soll zu sehen sein . Bin ich glücklich hierunten , so gönne ich mir , daß ich von dem hohen Berge aus einmal das Meer anschaue . Ich bin in Krieg und Sturm durch die halbe Welt gerast und hab ' nichts gesehen , als Staub und Stein ; und jetzt im Frieden der Einsamkeit geht mir ein Auge auf für die Schöpfung . Aber - Wildschützen , Soldatenflüchtlinge , Gesellen , denen man zur Nacht nicht gerne begegnet ! - Andreas , das wird ein heißes Tagwerk geben ! Urwaldfrieden Mir ist es schon recht im Walde . Die wenigen Leute , die mich in den Wald gehen sehen , lugen mir nach und können es nicht verstehen , daß ich , ein junger Bursche , so in der Einschicht herumsteige . Ei ja freilich , ich werde von Tag zu Tag jünger und hebe an zu blühen . Ich genese . Das macht die urtümliche Schöpfung , die mich umwebt . Gefühlsschwärmerei treibe ich nicht . Wie er einzieht durch die Augen und Ohren und all die Sinne , der liebe , der schöne Wald , so mag ich ihn genießen . Nur der Einsame findet den Wald ; wo ihn mehrere suchen , da flieht er , und nur die Bäume bleiben zurück . Sie sehen den Wald vor Bäumen nicht . Ja , noch mehr , oder zwar noch weniger , sie sehen auch die Bäume nicht . Sie sehen nur das Holz , das zum Zimmern oder Verkohlen , das Reisig , das zum Besen dient . Oder sie machen die grauen Augen der Gelehrtheit auf und sagen : Der da gehört in diese Klasse , oder in diese - als wie wenn die hundertjährigen Tannen und Eichen lauter Schulbuben wären . Mir ist schon recht im Walde . Ich will , solange ich ihn genieße , von seinem Zwecke , wie diesen Zweck die Gewinnsucht der Menschen versteht , kein Wort noch gehört haben ; ich will so kindlich unwissend sein , als wär ich erst heute vom Himmel gefallen auf das weiche , kühle Moos im Schatten . Ein Netz von Wurzeln umgibt mich , teils saugt es aus der Erde seinen Bäumen die Muttermilch , teils sucht es den Moosboden und den Andreas Erdmann darauf mit sich zu verflechten . Ich ruhe sanft auf den Armen des Netzes - auf Mutterarmen . Gerade empor ragt der braune Stamm der Fichte und reckt einen Kranz von knorrigen Ästen nach allen Seiten . Die Äste haben lange graue Bärte - so hängen die filzigen Flechtenfahnen nieder von Zweig zu Zweig . Wohl geglättet und balsamtriefend ist die silberig schimmernde Tanne . In den rauhen , furchigen , verschnörkelten Rinden der Lärchen aber ist mit den geheimnisvollen Zeichen der Schrammen die ganze Weltlegende eingegraben , von dem Tage an , als der verbannte Brudermörder Kain zum ersten Male unter dem wilden Astgeflechte der Libanonlärche geruht hat , bis zur Stunde , wo ein anderer , auch ein Heimatloser , den Wohlduft der weichen , hellgrünen Nadeln friedlich trinkt . Dunkel ist ' s wie in einem gotischen Tempel ; der Nadelwald baut den Spitzbogenstil . Obenhin ragen die hunderttausend Türmchen der Wipfel ; dazwischen nieder auf den schattigen Grund leuchtet , wie in kleinen Täfelchen zerschnitten , die tiefe Himmelsbläue . Oder es segeln hoch oben weiße Wölklein hin und suchen mich zu erspähen , mich , den Käfer im Waldfilz , und wehen mir einen Gruß zu - von .... Nein , sie ist geborgen unter stolzem Dach von Menschenhand ; ihr Wolken habt sie nicht gesehen , oder habt ihr sie ? - Ach , sie wehen von fernen Oden und Meeren . Da flüstert es , da säuselt es ; es sprechen miteinander die Bäume . Es träumt der Wald . Eine schneeweiße , große Blüte weht heran ; blühen die Nadelwälder denn nicht in den Blutstropfen ihrer purpurnen Zäpfchen ? Woher die weiße Blüte ? Es ist ein Schmetterling , der sich verirrt von seiner sonnigen Wiese und nun im Dunkel des Waldes angstvoll gaukelt . Wer bricht aber in den verwachsenen Kronen die Äste entzwei , daß sie krachen und prasseln und in dürren Zweigen niedertänzeln ? Ein Habicht braust dahin mit einem grellen Pfiff und ein armes Waldhuhn muß sein Leben enden . Alle Wildtauben sind auf und girren ihr Sterbegebet - da knallt es , und nieder inmitten des schimmernden , wogenden Kranzes der Tauben stürzt der getroffene Raubvogel . Unterwegs zum Grab will seine