sollen . Sonderbar , daß es mir nicht eingefallen ist , danach zu fragen . Er war von dem Gedanken , der ihm plötzlich durch den Kopf geschossen war , so erfüllt , daß er mich nicht einmal einer Antwort würdigte , als ich zu wissen verlangte , was denn die Tanzkunst mit unserer Angelegenheit zu thun habe ? Er rief einen Fiaker an . Wir fuhren wieder in die Stadt zurück . Wir stiegen aus . Es war eines jener Tanzlocale , die in Paris damals nicht so glänzend wie heute , aber nicht weniger häufig und nicht weniger besucht waren . Sehen Sie sich um , ob Sie Eleonore entdecken können . Wir durchsuchten den Saal , Eleonore war nicht da . So lassen Sie uns weiter . Wir fuhren nach einem zweiten Local ; und als unsere Nachforschungen auch dort fruchtlos waren , nach einem dritten und vierten . Ebenso vergebens . Ich war von den wüsten Scenen , die ich gesehen , von dem Staub und der Hitze , die in diesen überfüllten Sälen herrschte , von der Anstrengung , aus so vielen Personen , die fortwährend den Ort verändern , eine bestimmte herauszufinden , durch die Aufregung des Suchens und die Angst , zu finden , was ich suchte , so angegriffen , daß ich meinen Begleiter bat , für heute wenigstens die nutzlose Jagd aufzugeben . Nur noch ein einziges Local , erwiderte er ; ich habe es mit Willen bis zuletzt aufgespart , weil die Wahrscheinlichkeit , sie dort zu finden , freilich sehr groß , aber auch sehr schrecklich ist . Wie meinen Sie das ? Die Locale , die Sie bis jetzt gesehen haben , erwiderte der Franzose , erfreuen sich , obgleich es schon schlimm genug darin hergeht , noch einer gewissen Ehrbarkeit . Das Publicum ist über die Maßen leichtsinnig , übermüthig , frivol , aber mit wenigen Ausnahmen nicht eigentlich verderbt . Es sind Etudiants mit ihren » Frauen « , Commis mit ihren Grisetten , der bessere Ouvrier , der sich mit seinem Mädchen einen guten Tag machen will . Die Gesellschaft , in die ich Sie jetzt führen werde , ist eleganter , aber bei weitem nicht so harmlos . Es ist ein Haus , das besonders von jungen vornehmen Wüstlingen aus den aristokratischen Quartieren , die sich für die in den Salons ausgestandene Langweile entschädigen wollen , von Ausländern , welche nach Paris kommen , um ihre Gesundheit zu ruiniren und ihr Vermögen durchzubringen , frequentirt wird , und das weibliche Publikum ist diesem Zwecke entsprechend . Es besteht aus den schönsten , aber auch verderbtesten Mädchen , gewandten Menschenfischerinnen , die heute mit vier Pferden fahren , um morgen im Hospitale zu sterben , besonders Ausländerinnen : Creolinnen , Mädchen aus England , Italien , Deutschland , die alle hier ihre Landsleute finden . Bereiten Sie sich darauf vor , einen - hoffentlich vergeblichen - Blick in ein Pandämonium zu werfen . Wir kamen an . Wir stiegen eine breite Marmortreppe hinauf . Mein Herz klopfte furchtbar ; ich konnte mich kaum auf den Füßen halten ; eine Ahnung sagte mir , daß ich an dem Ziele meiner Irrfahrten angekommen sei , daß der entstellte Kopf der Leiche im nächsten Augenblick aus den schwarzen Wassern auftauchen werde . Wir traten in den glänzend erleuchteten Saal . Von dem Orchester rauschte eine bacchantische Musik und im bacchantischen Taumel ras ' ten die Tanzenden durcheinander . Der Glanz der Lichter , die schmetternden Trompeten , das Gedränge , die Hitze , der narkotische Duft von üppigen Parfums , mit denen der Saal erfüllt war , und die fürchterliche Aufregung , in der ich mich befand , versetzten mir den Athem . Ich mußte mich für einen Moment an eine Säule lehnen und die Augen schließen , um wieder zu mir selbst zu kommen . Als ich so in einer halben Ohnmacht dastand , schlug eine Stimme an mein Ohr , bei deren erstem Laut ich , wie von einer Natter gestochen , emporschnellte . Das Ohr ist ein treuer Mahner ; es vergißt eine Stimme , deren Töne einst dem Herzen hold und lieb waren , im Leben nicht wieder ; es hatte mich nicht betrogen . Dicht vor mir so daß ich sie beinahe mit der Hand hätte erreichen können , stand in lebhafter Unterhaltung mit einem jungen , schönen Cavalier ein Mädchen , schlank und hoch , mit großen , braunen Augen , die im fieberhaften Glanze leuchteten , mit einem Gesicht , das vielleicht für ein so junges Geschöpf zu scharf , zu sehr vom Leben mitgenommen , aber noch immer schön war - und dieses Mädchen - war Eleonore . Sonderbar ! bei dem Ton ihrer Stimme hatte mein Herz zusammengezuckt wie damals , als ich in Fichtenau in der Nacht vor dem Hause des Rectors stand und das alte Weib mir aus dem Fenster herunterrief , Eleonore sei davon gelaufen . Aber nach diesem Krampfe wurde es still , ganz still . Die zu straff gespannte Saite war gesprungen ; sie gab keinen Ton , weder des Jammers noch der Freude mehr . Ich sah so kalt auf Eleonore herab , als sei sie ein Bild an der Wand . Ich hörte die Worte , die sie zu ihrem Tänzer sprach , wie man Worte in dem Stadium der Ohnmacht unmittelbar vor der Bewußtlosigkeit hört - als würden sie am andern Ende des Saales gesprochen . Ich musterte ihre ganze Erscheinung , selbst ihren Anzug mit der kühlen Ruhe eines Künstlers . Ich bemerkte , daß sie geschminkt war und daß sie ihre dunklen Wimpern und Augenbrauen noch dunkler gefärbt hatte . Ich bemerkte , daß sie das Haar ganz in derselben Weise trug , wie ich es ihr selbst einmal nach einem antiken Kopfe arrangirt , und wie sie es seitdem , so lange ich sie sah , immer getragen . Ich hörte Alles , sah Alles und hörte und