. - Die Sklavin entging nicht ihren Verfolgern , sie wurde jenseits ihres mit schwimmenden Eisschollen bedeckten Ohio ' s nicht von freundlicher Hand aufgenommen . - Die weiße Sklavin erhielt für sich und ihr Kind kein warmes Zimmer , kein gutes Bett ; sie fiel der strafenden Gerechtigkeit anheim ; sie ist verschwunden und verschollen , kein Buch beschreibt ihre größere That , keine Ballade besingt ihr Elend und das ihres Kindes . « - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Nach diesen Worten hob der alte Mann seine Hand wie beschwörend gen Himmel und durchschritt mit hastigen Schritten das Zimmer nach allen Richtungen . So oft er aber bei dem Stuhle seiner Tochter vorüberkam , berührte diese leicht seine Hand , worauf sein Schritt jedes Mal ruhiger , sein Blick sanfter wurde . Endlich blieb er vor Clara stehen , faßte ihre Hand und sagte , nachdem er ihr eine Zeitlang in die dunklen Augen gesehen , mit lächelndem Ausdruck im Gesicht : » ja , ja , es ist leider wahr , mein Kind , wir Alle sind Sklaven ; sieh ' nur mich , deinen Vater , an , glaubst du nicht , daß ich eben so gern ein Zuckerfeld bearbeiten würde , wenn das meine Kräfte zuließen , als diese geistigen Frohndienste zu versehen , die vielleicht hundertste Uebersetzung eines Buches zu machen , das mir unangenehm , ja unheimlich ist ! - - Aber ich weiß mich zu trösten , liebe Clara , « fuhr er nach einer Pause fort , während welcher sein Gesicht wieder den alten gemüthlichen und heiteren Ausdruck erlangt hatte , während seine Augen wieder sanft und freundlich strahlten und um den Mund wieder das alte zufriedene Lächeln erschien . » Ja , ja , ich weiß mich zu trösten , « sagte er , » denn siehst du , mein Kind , wären wir , ich , du und vielleicht noch Tausende von Menschen der gleichen Klasse allein dazu berufen , die Sklaven aller anderen zu machen , es wäre entsetzlich , es könnte das nicht lange fortbestehen , und bald müßten sich die Niedergedrückten mit einem einzigen Schrei der Verzweiflung gegen die usurpirte Herrschaft ihrer Unterdrücker auflehnen . Aber es ist nicht so : Alle sind Sklaven , Alle haben keinen freien Willen , auch die , welche stolz auf uns herabblicken ; und je höher sie stehen , desto herber fühlen sie ihre Sklaverei . « Das junge Mädchen sah ihren Vater fragend an , und sagte : » Aber , lieber Vater , die Reichen , die sich für ihr Geld alle Genüsse dieses Lebens verschaffen können - ? « » Sind die Sklaven eben dieses Geldes , « versetzte rasch der alte Mann , » die Sklaven ihrer Leidenschaften , die Sklaven eines oft kranken und deßhalb für viele Genüsse unbrauchbaren Körpers . Sieh ' dich um , mein Kind , mit offenem , ruhigem Blick , frage durch alle Schichten der menschlichen Gesellschaft , erkundige dich , wer vollkommen glücklich und zufrieden sei ; - du wirst Wenige finden , und wahrlich diese Wenigen am wenigsten in den hohen und reichen Ständen . Dort drückt die unzerreißbare Sklavenkette des sogenannten guten Tons , des Herkommens am stärksten , wenn sie auch der oberflächliche Beschauer nicht sieht , da sie unter Gold und Blumen versteckt ist ; dort verletzt ein Wort , ein Blick die kranken Herzen , dort gelten freundliche Augen und lachende Lippen nicht für den Ausdruck eines zufriedenen Gemüths ; sie dienen nur dazu , Verdruß , Haß , Wuth , Neid zu verdecken : ein Händedruck , ein freundliches Wort will dort nichts sagen , es ist das hundert Mal die Maske eines Sklaven , der viel lieber knirschend in seine Kette beißen möchte , und den nur die Macht , das Ansehen des Anderen dazu zwingt , ein süßes Gesicht zu machen und den Rücken zu krümmen . - « » Und alle schleppen diese Kette mit sich herum und lassen sie erst fallen , wenn der erstarrten Hand mit ihr zugleich die Zeichen der Macht und des Reichthums entfallen . - Es ist dies wahrlich in der Welt recht schön und klug eingerichtet , « fuhr der alte Mann lächelnd fort ; » Einer ist wie gesagt der Sklave des Andern , und so hängen alle Menschen an einer gewaltigen Kette , vom Bettler bis hinauf zum Könige . « » Aber der König ist frei , « sagte lächelnd das Mädchen , » ihn kannst du nicht zu den Sklaven rechnen . « » Gewiß , mein Kind , ihn auch , « antwortete der alte Mann und starrte nachdenkend , doch nicht unfreundlich aussehend vor sich hin . » Er ist auch Sklave der Verhältnisse , seines Schicksals , ja theilweise seiner Umgebung ; sein Wille vermag nicht immer durchzudringen ; und glaube mir , er in seiner Höhe fühlt es doppelt hart , wenn sich ihm eine andere unsichtbare Gewalt gegenüberstellt , wenn sein Befehl an einer Intrigue abgleitet . Es sind vielleicht nur Kleinigkeiten , die den Herrscher mit den unsichtbaren Ketten umgeben und einengen , aber gerade weil er sonst herrscht und gebietet , fühlt er hier um so schmerzhafter , daß er gefesselt ist . - Ja , Alle , Alle sind Sklaven ! « Bei diesen Worten erhob der alte Mann seine Augen , ließ sie einige Minuten auf dem schönen Gesichte seiner Tochter ruhen , dann wandte er sie sinnend gegen die Mauer , welche das Gemach umgrenzte , die aber seinen Blick nicht aufhielt ; sie schien sich vor ihm zu öffnen und er in weite Fernen , in andere Verhältnisse , in fremdes Leben zu schauen . Seinen Mund umspielte ein freundliches Lächeln ; er sah in Gestalten und Bildern vor sich , was er vorhin in Worten ausgesprochen