nachrief : » A propos , wissen Sie nicht , was aus der Jenny geworden ist ! « Lupinus , halb schon aus der Thür , war im Augenblick zurückgeschnellt , und mit derselben Elasticität verklärte sich sein Gesicht zu einem Ausdruck , der das grade Gegenstück zu dem während dieser peinlichen Unterhaltung war . Es war die allmächtige Natur , welche die Folterbande gesprengt hatte . » Die ging ja nach Leipzig - nach dem Vorfall - « » Das weiß ich . Aber von da ? « » Man sagte , nach Paris . Ah ! ces souvenirs ! « Der Geheimrath von der Vogtei küsste seine Finger . » Wie eine Gazelle , « sagte der Wirkliche . » Und eine Taille ! « » Quand elle pirouettait autor d ' elle-même - « . » En petit comité viel ravissanter , als hinter den Lampen . Diese Grazie ! « » Augen wie eine étincelle . « » Et sont esprit ! « » Witzig ! Sie konnte fünf Mann todt machen . « » Et ses délicieux petits pieds ! Erinnern sich Herr Geheimrath noch an jenen Abend , wie sie auf den Tisch sprang ? « - » N ' en parlons pas ! « Bovillard wehrte mit der Hand . Mit einem eigentümlichen Blick setzte er hinzu . » Mon cher conseiller , c ' est à vous taire - et surtout à présent ! « » A moi ! « Lupinus senkte die Augen , die Hand auf der Brust . » D ' ailleurs ces souvenirs dureront plus que ma vie . « » Ja , sie hat manche Erinnerungen hinterlassen , « schmunzelte Bovillard . » Und man kann sie ordentlich historisch verfolgen , « setzte der Andere hinzu . » So was kommt doch nicht wieder . Sind Herr Geheimrath nicht auch der Meinung , es verschlechtert sich Alles in der Welt . « » Es kann aber auch Einiges besser werden , « sagte Bovillard . Noch einmal rief er dem Scheidenden nach : » Also , un peu plus de morale et - de modération . « Neuntes Kapitel . Der dritte August . Der dritte August fing in Berlin an ein Feiertag zu werden . Die Bürger freuten sich , daß sie einen guten König hatten . Sie hatten lange keinen guten König gehabt ; denn der alte Fritz war wohl ein großer König , aber er war ein Fürst gewesen , den eine tiefe Kluft des Respekts von seinem Volk trennte . Es verehrte , es bewunderte ihn , aber den Bürger schauerte , wenn er dachte , daß er mit ihm auf einer Diele , unter einem Dache stehen sollte . Der Müller von Sanssouci war ein einzelner Mann . Und zuletzt war der alte Fritz sehr alt geworden und grämlich , und seine Kaffeeriecher drangen in die Häuser und die Hütten . Wenn er durch die Linden ritt auf seinem alten Schimmel , liefen ihm die Kinder nach und schrieen und waren glücklich , wenn sie die Sohle seines Stiefels , den Saum seines Rockes anfassen konnten , auch leuchtete sein Auge noch immer groß und durchdringend , und die Bürger erstarrten in Ehrfurcht vor dem großen Könige , aber Liebe hat der matte Strahl des großen Auges nicht mehr geweckt . Und als der große Mann im Sterben lag , durchschauerte es auch wohl die guten Bürger , daß so ein großer Mann wie der kleinste unter ihnen von dieser Welt scheiden müsse . Aber an seine großen Schlachten und , was noch größer , seine Thaten für den Staat , und daß er die Seele dieses Staates gewesen , und ob eine andre Seele und welche in diesen verlassenen Körper fahren werde , daran dachten sie nicht . Den guten Bürgern fiel es überhaupt nicht ein , daß der Staat ein Leib sei , der eine Seele braucht . Sie dachten vielmehr - ganz still - wenn der Alte todt ist , hören die Kaffeeriecher auf , und vielleicht auch die Tabaksregie . Unter diesen Gefühlen der guten Bürger , die man später die Gutgesinnten nannte , entschlief der größte Mann seines Jahrhunderts . Wenn er ' s gewusst , vielleicht hätte sein letzter Seufzer geklungen : das hatte ich nicht verdient ! Und darum jubelten die guten Bürger dem neuen , gütigen Könige entgegen , der auch wirklich die Kaffeeriecher fortjagte , aber später und sehr bald ward er kein guter König . - Er starb in seinem Marmorpalais am heiligen See , einsamer als der große Friedrich in Sanssouci . Die Kluft war noch tiefer geworden zwischen dem Könige und dem Volke . Und nun hatte man wirklich einen guten König . Durch viele Jahre war er derselbe geblieben ; es war Friede im Lande , keine Kaffeeriecher , den Tabak kaufte man zu müßigen Preisen , die Geisterbanner und Frömmler waren fortgeschickt , Handel und Gewerbe blühten , die Soldaten waren zwar noch Soldaten , aber man konnte sich ja vor ihnen hüten , und der König und die schöne Königin fuhren so bürgerlich geschmückt , so herzlich und zutraulich durchs Volk . Keine Läufer , selten ein Vorreiter , oft in einer einfachen zweispännigen Kutsche . Das Volk fing an , diese Annäherung zu verstehen und zu würdigen , und - es liebte seinen König . Darum war bald der dritte August , des Königs Geburtstag , ein Feiertag geworden . Sie gingen vors Thor , in die Schenkgärten , sie strömten aufs Land , in die Dörfer , die glücklichen Familien , welche die Sorgen abwerfen konnten , um einen sorgenfreien Tag unter Gottes freiem Himmel zu feiern . Auf dem Hochplateau , südlich von Berlin , lag damals ein ländliches Dorf mit hohen schönen , dicht umwipfelten Bäumen , mit moosbewachsenen Schilfdächern und einer alten gothischen Kirche von Granitquadern . Nur eine halbe Meile von der Stadt , versank doch das Dorf fast unter den