hoch auf . Sie wollten ... Aber in demselben Augenblicke schlug Dankmar mit der Peitsche schon auf das Thier ein , rief : Allez ! und ohne weitern Abschied zu nehmen , jagte er aus dem Thorweg hinaus , schwenkte rechts um und hielt Hackerten , der immer schrie : Halt ! halt ! Lassen Sie mich ! auf dem Bocke fest , wie Einen , den man mit Gewalt entführt . So flogen sie von dannen ...... Siegbert wußte nicht , wie ihm dabei geschah . Es schien ihm bald , als wenn Hackert , wie er das Pferd entwendet hätte , so vielleicht auch Absichten auf das Fuhrwerk hegte . Bald schlug er sich wieder an die Stirn über die Gefahr , in die er seinen Bruder sich stürzen sah . Zuletzt mußte er lachen , wenn er bedachte , mit welcher Geistesgegenwart Dankmar plötzlich alle Verlegenheiten über die Rückgabe der hundert Thaler abgebrochen hatte . Ein Eingeständniß an Hackert , daß man von ihm das im Augenblicke so nöthige Reisegeld hätte borgen müssen , wär ' ihm zu peinlich gewesen . Ihm schwindelte , wenn er bedachte , wie fast gewaltsam der Zufall heute diesen Fremden in sein Leben gedrängt hatte - und nun war er mit dem Bruder unterwegs ! Der Wagen rasselte noch eine Weile . Dann keine Spur mehr . Wer ist der Mensch ? fragte der Pelikanwirth . Als Siegbert schwieg , bestätigte Kaspar , daß er während Peters ' Erzählung in den Hof hineingetreten wäre und zugehört hätte . Siegbert besann sich , daß er dem Bruder die zwanzig Thaler glücklicherweise hinter dem großen Frachtwagen , also von Hackert ungesehen , zugezählt hatte . Erst wieder von da hervortretend , wurden sie von ihm angeredet . Zu dem Allem kam noch Kathrine weinend über das Elend ihres Mannes . Er hatte ihr die sämmtlichen Declarationen seiner Fracht eingehändigt und sich wie ein Sterbender ins Bett geworfen mit den Worten : Mach du nun Alles ab : ich werde wol recht lange krank liegen ! Von da an hätt ' er nichts mehr hören und sehen , auch nichts mehr genießen mögen . Siegbert versagte der weinenden Frau nichts von seiner Theilnahme , bezahlte seine Schuld und versprach ihr und dem Pelikanwirth aus der Stadt sogleich einen Arzt zu schicken . Er ging und zuerst zu dem nächsten Arzte , den ihm der Pelikanwirth bezeichnet hatte . Dann aber trieb es ihn in die Lasally ' sche Reitbahn , um zu hören , ob Hackert wirklich das Pferd abgeliefert . Im Gewühl der Stadt angekommen , hörte und sah er nichts von den Menschen , die an ihm spät Abends noch vorüberstreiften , so erfüllt war er von Angst und Schrecken über die fernern Begegnisse seines Bruders , der ihm einem Phantome nachzujagen schien , für das ihm jede reelle Anknüpfung fehlte ! Nur der eine Gedanke wurde ihm in diesem Tumulte zuletzt licht und klar , der ihm heimlich und geisterhaft zuflüsterte : Man tanzt in Hohenberg bis tief in die Nacht ! Dankmar wird Melanie sehen ! Melanie unter geputzten Gästen ! Melanie , die Schönste der Sylphiden , die im Mondenschein schlüpfen ! Melanie in Hohenberg , umschwärmt von Lasally und den jungen Stutzern der Residenz , die ihr zudringlich genug aufs Land gefolgt sind ! Melanie , der bezaubernde Mittelpunkt einer in ihrem Anschauen schwelgenden Gesellschaft .... Die Geigen tönen - die Säle sind erleuchtet - die Blumendüfte einer schönen , reizenden Natur dringen durch die geöffneten Fenster - die Sterne funkeln - der Mond flimmert - Melanie und mein Bruder in Hohenberg ... Da bemerkte Siegbert , daß er schon auf der Ottokarstraße war , in welcher die geschmackvoll angelegte Reitschule des jungen stadtbekannten Lasally lag . Es schlug zehn Uhr , als er heftig die Glocke des großen Thorwegs zog . Fünftes Capitel Der Heidekrug Dämmerung umhüllte die kleinen tempelheider Anhöhen . An einem linden Hauch aus Westen erfrischten die Bäume am Wege ihr bestäubtes Laub . Leichte Wölkchen , die sich am Rande des tiefblauen Horizonts vor die blitzenden Sterne legten , verhießen vielleicht für den Morgen einen erquickenden Regen , dessen die Natur so bedürftig war . Von der großen Stadt her , die fern im Thale abwärts noch wie ein Lichtmeer wogte , schlugen die Thurmuhren die zehnte Stunde . Deutlich trug der Westwind Schlag auf Schlag herüber zu dem einsamen Fuhrwerk , das der aus dem Schlaf geweckte Gaul des Pelikanwirthes noch ziemlich langsam zog ; denn auch der Weg ging jetzt steil aufwärts . Den beiden Passagieren , die wohl fühlten , daß ihnen vor allen Dingen Verständigung noththat , kam dieser mäßige Schritt zustatten . Dankmar drückte sich in die Rückwand des kleinen Wagens , Hackert führte auf dem Vordersitze die Peitsche . Beide schienen ernstlich zu überlegen , wie sie so plötzlich in diese nahe Verbindung gekommen waren . Dankmar , der außer der nächsten Unbequemlichkeit einer zweideutigen , an ihn geketteten Bekanntschaft noch die viel größere Last des Verlustes seiner werthvollen Papiere zu tragen hatte , entschloß sich , um Raum zur Erwägung seines plötzlichen Reisezwecks zu gewinnen und ungestört über die Wege nachdenken zu können , die er zur Wiedererlangung seines Schatzes würde einschlagen müssen , lieber vorerst das nächste Unbehagen abzuschütteln und sich , soweit es bei der zweifelhaften Ehrlichkeit seines Vordermannes möglich war , über diese wunderliche , aufdringliche Begegnung zu verständigen . So begann er denn kurz vor Tempelheide , als sie langsamer die Höhe hinauffuhren : Jene Kirche da hat Sie mit meinem Bruder bekanntgemacht ? Hackert antwortete nicht . Sie haben ihm Aufschlüsse über eine gewisse Gattung protestantischer Johanniterkreuze gegeben ? fuhr Dankmar fort . Das Korn der blinden Henne ! war Alles , was Hackert kurzab antwortete . Damit war die erste Annäherung schon wieder abgebrochen . Dankmar kopfschüttelnd , sah zur Kirche , zum Parke , zum Schlosse des alten Präsidenten hinüber . Tiefe Stille , nächtliches , friedliches Walten ....