. Verehrte Herde , teure Majorats-Mutterschafe und Böcke ! Ihr begreift , daß mich ein wehmütig süßes Gefühl beschleichen muß , wenn ich nach so ungewöhnlichen Fahrten und Schicksalen endlich in euren stillfriedlichen Kreis zurückkehre ( stilles Einverständnis aller Seelen ) . Oh , es ist mir zumute wie einem jener alten Nomaden , die uns das Buch der Bücher in so trefflichen arabeskenhaften Märchen zu schildern sucht . Gleiche ich nicht einem Joseph , einem Benjamin oder lieber jenem - - - Sohne des Hethiten , Der einst die Maultier in der Wüst erfand , Als er des Vaters Esel mußte hüten ? ( Allgemeines Interesse . ) Oh , ihr Gespielen meiner Jugend , ihr lieben Angehörigen der Familie Schnapphahnski , seid mir gegrüßt , ja , seid mir von Herzen willkommen ! Mit euch aufgewachsen bin ich , ihr unvergleichlichen Mutterschafe , und gern denke ich noch daran , wie ich euch oft so zärtlich an die Lämmerschwänzchen faßte . Ja , mit euch habe ich mich entwickelt , ihr herrlichen Böcke , und nie werde ich vergessen , daß ich von euch alle meine tollen Sprünge lernte , bis ich endlich älter und erfahrener wurde und zu einem großen Sündenbock gedieh ( rauschender Beifall ) . Ihr Schafe zur Rechten und ihr Böcke zur Linken , hört meine Rede ! Beide liebe ich euch , und es ist nur aus altadliger Courtoisie , daß ich mich gewöhnlich mehr der Rechten zuwende , ja euch , ihr trefflichen Mutterschafe , da ihr der Stamm und der Hort der ganzen Rasse seid ( Bravo ! Bravo ! auf der Rechten ) . Oh , mein Enthusiasmus für euch und für diese Versammlung kennt keine Grenzen . Mit euch , ihr Schafe und Böcke , will ich schaffen und wirken für alle Schafe und Böcke außerhalb dieser Versammlung ( stürmische Jubelunterbrechung ) . Groß ist unsere Aufgabe , aber nichts wird uns erschüttern . Einer der kühnsten Streiter , stehe ich unter euch , heiter das Haupt erhebend , und nur eins , ach , kränkt mich und schnürt mir das Herz zusammen ( peinliche Aufmerksamkeit und lautlose Stille ) . Ja , eins nur tut mir weh , daß ihr herrlichen Merinomutterschafe und Böcke all miteinander hypotheziert seid und daß ihr nicht geschoren werdet - für mich . « Es wird meinen Lesern nicht entgangen sein , daß die Beredsamkeit unsres Helden namentlich in einer tieftraurigen elegischen Wehmut ihren Hauptreiz hat . Viele der ausgezeichnetsten Schafe und Böcke haben mir versichert , daß sie bei verschiedenen Gelegenheiten wahrhaft davon bezaubert gewesen seien und sich schon bereitgehalten hätten , den Demosthenes der Wasserpolackei mit einem Donner des Applauses auf seinen Sitz zu begleiten , wenn nicht wider Erwarten , trotz aller adligpatriarchalischen Phrasen , schließlich der Finanznot blasse Wehmut , tiefe Trauer zum Vorschein gekommen wäre und der ganze Sermon in einem unsterblichen Gelächter sein Ende erreicht hätte . Ja , die Finanznot ! Sie spielt in dem Leben unseres Helden eine ebenso große Rolle als die Liebe . Die Finanznot war es auch , welche Sr. Hochgeboren vor allen Dingen wieder nach Berlin trieb . Es wäre hier die Stelle , näher auf die Festlichkeiten einzugehen , die bei der Huldigung im Spätjahre 1840 in Berlin statthatten . Wir unterlassen dies aber . Herr von Schnapphahnski hatte sich natürlich sehr darauf gefreut . Er hoffte , daß man bei dem allgemeinen Tumult nicht mehr an seine seltsame Vergangenheit denken würde . Mit der angebornen liebenswürdigen Frechheit glaubte er , das Verlorene wiedererobern zu können und dann auch schnell zu Amt , Ehre und Kredit , kurz , zu allem zu gelangen , was das Dasein wünschenswert macht . » In Berlin « , heißt es in unsern Manuskripten , » wartete Sr. Hochgeboren aber ein äußerst schlechter Empfang von seiten der schlesischen Ritterschaft . Nach langen Debatten beschloß dieselbe nämlich , zu einem Diner , das sie als Korporation gab , Herrn von Schnapphahnski nicht zuzulassen . Unser Ritter fand sich aber dennoch ein und setzte sich mit zu Tische . Da erhob sich die ganze Ritterschaft ... « XI Die Nordsee Die Gelehrten , die in keinem Punkte übereinstimmen , sind natürlich auch darüber uneinig , was aus Sr. Hochgeboren , dem Ritter Schnapphahnski , wurde , nachdem er in Berlin so glänzend Fiasko gemacht hatte . Einige behaupten , er sei sofort auf seine Güter nach der Wasserpolackei gereist ; andere lassen ihn dagegen nach Norden ziehen und schwören darauf , daß er plötzlich auf einer Insel der Nordsee unter dem Namen eines Grafen G.v.W. zum Vorschein gekommen sei , um eins der trefflichsten Abenteuer seines Lebens zu bestehen . Schnapphahnski oder vielmehr Graf G.v.W. - erzählt uns einer dieser Herrn - war des Lebens müd und matt , als er von dem Huldigungsfestmahl aufstand . Er sprach kein Wort mehr , er ließ seine Sachen packen und bestellte Postpferde in die weite Welt - zunächst nach Hamburg . In Hamburg hatte unser Ritter nicht im geringsten etwas Böses vor - denn ach , unser Held war zu kaduk . Er fühlte , daß er sehr unglücklich sei , und da gegen alles Unglück nichts besser ist als eine ausgezeichnete Zigarre , so hielt sich der hohe Reisende nur deswegen einige Tage in der liebenswürdigsten aller deutschen Städte auf , um die besten Importierten zu kaufen , die je die Magazine des Jungfernstieg durchduftet . Als aber nun Koffer , Taschen und Büchsen mit den braunen Kindern der Havanna reichlich gefüllt waren , bestieg unser Held den Dampfer und fuhr die Elbe hinab , hinaus in die dicke blaue Meerflut . In der frischen , freien Natur , dachte der Ritter , wirst du all dein Mißgeschick vergessen . Verflucht sei das Land ! Gesegnet sei das Wasser ! Wenn die Wellen dich schaukelnd dahintragen und die Wolken wie geflügelte Gletscher das Blau des Himmels durcheilen und wenn dich endlich ein Eiland aufnimmt , wo nur