begnügte sich jedoch , als Anna bezeichnend den Finger auf den Mund legte , verwundert den Kopf zu schütteln , als wollte er sagen : die Sache kommt mir nicht ganz geheuer vor . Anna setzte das Licht auf den Tisch und langte nun aus ihrem Arbeitskorbe ein großes Brot und eine fußlange Wurst heraus . Darauf holte sie aus dem alten Spinde ein paar gebrochene irdene Teller und setzte sie ebenfalls auf den Tisch . Ihre Eltern sahen mit einem Erstaunen , das bei der Mutter in Zorn überzugehen drohte , dem geschäftigen Treiben ihrer Tochter zu . Diese aber schien mit dem entfalteten Luxus ihrer Anordnung noch nicht zufrieden zu sein . Zum größten Schreck ihres Vaters warf sie mit rascher Hand alle Kohlen , die derselbe für den morgenden Tag reservirt hatte , in den Ofen , so daß derselbe bald rothglühend wurde , legte die Wurst auf eine Pfanne und stellte diese auf den Ofen . Bald füllte der Dampf der schmorenden Wurst die Stube und weckte die beiden in einer Ecke des Bettes zusammengekauerten Geschwister - ein Aroma für die ausgehungerten Magen - Annas auf . Ihr erster Laut war ein Geschrei nach Brot , auf das indeß Niemand achtete . Annas Mutter erhob sich endlich schwerfällig von ihrem Lager , stemmte beide Arme in die Seite und wollte eben der Tochter ihren ganzen Unwillen über diese Verschwendung zu erkennen geben , als diese endlich das lange Schweigen durch die Mittheilung des Gesprächs brach , welches sie mit Gilbert gehabt hatte . Dies außerordentliche Glück , so wie der oben erwähnte angenehme Duft , den die Wurst verbreitete und der auch auf die bissige Natur von Annas Mutter einen mildernden Einfluß ausübte , schien diese bis zu dem Grade besänftigt zu haben , daß sie - was sie noch nie gethan - Annen ihre » vernünftige Tochter « nannte , die endlich einsehen lerne , was zu ihrem wahren Besten diene . - Sie ließ darauf noch einige Ermahnungen über die Art und Weise folgen , wie Anna dieses Glück benützen müsse , welche dem armen Kinde das Blut ins Gesicht trieben . Da hielt sich der alte Naumann , welcher bisher blos mit dem Kopfe geschüttelt , nicht länger . Er setzte das Kind , welches er auf dem Schooße gehalten , auf die Erde , und trat mit geballter Faust vor seine Frau . - Weib - rief er - bist Du denn ganz des leibhaftigen Satans geworden , daß Du an Deiner eigenen Tochter Dir ' nen Kuppelpelz verdienen willst ? An Dir hat ' s freilich nicht gefehlt , daß die Anna nicht längst schon gemein geworden . Aber ich sage Dir , noch einmal solche verfluchte Redensarten und Du sollst sehen , daß der alte Naumann Ordnung im Hause machen wird , daß Dir die Augen übergehen sollen . - Seid ruhig , Vater - begütigte Anna - es verschlägt bei mir nicht . - Ja es ist ein wahres Wunder , daß Du so aus der Art geschlagen bist - fuhr Naumann in zorniger Ironie fort ; aber ich sage euch Allen , und besonders Dir , Du Rabenmutter , wenn ich da bei dem feinen Herrn , der sie in Dienst nehmen will , Unrath merke , so kommt sie mir entweder nicht mehr vor die Augen , oder die Geschichte hört auf . - Thust auch gerade , als wenn ich sie um ihr Seelenheil bringen will - meinte etwas eingeschüchtert die Frau , die recht gut wußte , daß , wenn ihr Mann einmal wirklichen Grund zum Zorn hatte , dann auch mit ihm nicht zu spaßen war . - Es war ja nur ein Scherz . - Schöner Scherz das - brummte Naumann und wandte sich dann zu seiner Tochter : - Ich werde selber mit Dir hingehen zu dem Herrn - wie heißt er doch ? - Möller . - - Also zum Herrn Möller und sehen , wes Geistes Kind er ist . Gefällt er mir nicht , dann wird nichts daraus , das sage ich Dir im Voraus . Anna hatte indeß die dampfende Wurst auf den Tisch gesetzt und die Familie wollte eben das leckere Mahl beginnen , als sich die Thüre öffnete und ein kleiner vertrockneter Mann eintrat , dessen Erscheinung , obwohl nichts weniger als furchterregend , doch selbst auf die Frau Naumann einen Eindruck hervorbrachte , welcher mit dem Gefühl eines ertappten Verbrechers große Aehnlichkeit hatte . - Vortrefflich - röchelte das Männchen , mit Affektation den Wurstgeruch einschlürfend - ganz vortrefflich ! Sind wir also auf einen grünen Zweig gekommen ? Haben wir vielleicht in der Lotterie gewonnen oder gar eine reiche Erbschaft gemacht ? So werden wir ja auch wohl die paar lumpigen Thaler Miethe bezahlen können , he ? - Wollen Sie nicht bis morgen warten , Herr Klingemann ? - Und warum denn bis morgen , mein verehrter Meister ? Wenn wir heute Abend schon Braten essen können , so brauchen wir ja mit der Miethe nicht bis morgen zu warten . - Meine Tochter hat Hoffnung , morgen in einen guten Dienst zu treten , morgen entscheidet es sich . - Also nicht wahr , Sie sind so gütig und warten bis morgen . - Papperlapapp - grinste der Verwalter des Familienhauses - wir kennen die Flausen . Habe lange genug gewartet . Jetzt ist meine Geduld aus . Anna sah ihren Vater bittend an . Aber er widerstand diesem Blick , weil er nicht eher an das Geldstück ein Recht zu haben glaubte , als bis er sich überzeugt haben würde , daß es auf ehrliche Weise verdient worden . - Nun , wird ' s bald ? - fuhr der Verwalter fort - oder soll ich etwa wiederkommen , bis die Herrschaften abgespeist haben ? Gezahlt muß heute werden , es ist der letzte Termin . - In diesem Augenblicke erschien die kräftige Gestalt Ralph ' s in der Thüre ,