eilen Sie ; sonst kommen wir zu spät . Die Damen waren schon im Begriff , nach Hause zurückzukehren . « » Die Damen ? « - fragte Landsfeld mit schlecht verhehltem Interesse , indem er seinem Diener klingelte . » Nun freilich , die Forsträthin mit ihrer Tochter . Die verdammte Geschichte mit dem Berger muß dem armen Kinde doch sehr zu Herzen gegangen sein . Kein Wunder freilich . Sind mit einander aufgewachsen . Sie wissen wohl , daß die Eltern der beiden Leutchen in demselben Orte wohnten . Bergers Vater war Prediger . Als der starb , ging seine Mutter mit ihm nach Wien , um ihm Gelegenheit zu geben , sein wirklich bedeutendes musikalisches Talent auszubilden . Unterdeß war auch Lydiens Vater gestorben und die Forsträthin mit ihrer Tochter nach Berlin gezogen , wohin sich denn auch zuweilen der junge Berger begab . Dort hat er sich mit ihr vor einem Jahre verlobt . Bald nach der Verlobung begab er sich auf eine Reise nach Italien , wo er über ein halbes Jahr blieb , dann noch seiner Mutter einen Besuch abstattete und endlich hier wieder mit Dornthals zusammentraf . Wann und wo er zuerst Frau von Rosen kennen gelernt , habe ich nicht erfahren können . Wahrscheinlich in Italien . « » Nein . Schon in Berlin , vor seiner Verlobung « - berichtigte Landsfeld , der mit großem Interesse die Erzählung des Doctors anzuhören schien . » Und Sie glauben , daß Lydia noch immer - « » O « - unterbrach ihn Langhals - » im Gegentheil ! Als ich ihr heute erzählte , daß ich einen Brief von Berger aus Wien erhalten - « » Was natürlich ein Scherz war « - bemerkte der Baron . » Herr , was denken Sie ? Ich scherzen ? und auf so profane Weise mit diesem herrlichen Mädchen ! « » Nun , nun « - beschwichtigte Landsfeld den Aufgeregten , der wirklich diesmal böse war . » Es war nur ein Scherz von mir . « » Schöner Scherz ! « brummte der Medikus grollend . » Nun gut . - Als ich ihr also das mittheile - was glauben Sie , daß sie sagte ? « » Nun ? « - fragte Landsfeld , dem es von Wichtigkeit war , die Gesinnungsweise und Denkart Lydiens kennen zu lernen . Da sagte sie , tief Athem schöpfend : » Gott sei Dank ! « und setzte alsbald kalt hinzu : » Ich konnte es mir wohl denken . Er hatte nicht einmal dazu Kraft genug . « - Verstehen Sie etwas davon ? Ich habe mir schon den Kopf darüber zerbrochen , was sie eigentlich damit gemeint haben mag . Doch ich sehe eben , daß Sie fertig sind . Nun , lassen Sie uns denn gehen . - Geben Sie mir den linken Arm . « Als sie auf der Promenade anlangten , richteten sich Aller Blicke neugierig auf den bleichen jungen Mann , dessen Duellgeschichte bereits allgemein bekannt war . Als sie in eine Seitenallee einbogen , standen sie plötzlich vor Lydia , ihrer Mutter und deren unzertrennlichem Begleiter , dem Hofrath . Vielleicht mochte es gerade in dem scheinbar Unvorbereiteten und Unerwarteten liegen , daß dies erste Zusammentreffen Lydiens mit dem Baron weniger peinlich war , als es Beide gefürchtet hatten . Zwar färbten sich ihre bleichen Wangen plötzlich mit einem zarten Roth , das auch nicht wieder verschwand . Aber ohne dies Zeichen einer innern Bewegung hätte man nicht vermuthet , daß durch das Erscheinen Landsfelds irgend eine Veränderung in ihr vorgegangen . Mit unbefangner Anmuth erwiederte sie die stumme , ernste Verbeugung des Barons , der sich sogleich , nachdem die Ceremonie der gegenseitigen Vorstellung durch den kleinen Doctor mit allem ihm möglichen Pathos beendet war , an die Forsträthin wandte . » Wir schulden Ihnen vielen Dank « - sagte diese , nachdem sie einige mehr gleichgültige , obwohl hier nicht blos conventionelle Fragen nach ihrem gegenseitigen Befinden gewechselt - » daß Sie auf Gefahr ihres eigenen Lebens den jungen Mann verschonten . « » Schlagen Sie mein Verdienst dabei nicht zu hoch an « - erwiederte er bescheiden . » Berger war von Leidenschaft verblendet - ich konnte vermuthen , daß er keine sichere Hand haben und wahrscheinlich fehlschießen würde . Die Kräfte waren also ungleich vertheilt . Außerdem wollte ich mein Bewußtsein nicht mit einer That beschweren , deren Erinnerung nur qualvoll sein kann . Ich haßte den jungen Mann nicht , obwohl mir , als ich unmittelbar nach dem Wortwechsel , der die Ursache des Duells war , Ihnen und Ihrer Fräulein Tochter begegnete , seine Verirrung unbegreiflich erschien . Denn ich kannte die Dame , welche ihn so bezaubert hatte . « » Sie kannten sie ? « - fragte Frau von Dornthal in einem Ton , der wie eine Aufforderung zur weiteren Erklärung klang . Landsfeld warf einen forschenden Blick auf die ernsten Züge der Forsträthin . Dann verzog sich die eine Seite seines Mundes zu einem fast unmerklichen Lächeln . Denn er dachte an den Grund , den möglicherweise die Mutter Lydiens zu solcher Aufforderung haben konnte , vielleicht unbewußt hatte . » Schon seit mehreren Jahren « - erwiederte er mit ruhiger Unbefangenheit . » Zuerst lernte ich sie in Berlin kennen . Die Richtung , welche damals meine innere Entwicklung genommen , begünstigte den mächtigen Eindruck , den sie auf mich machte . Ich glaubte gefunden zu haben , wonach ich mich schon so lange gesehnt hatte , einen weiblichen Charakter , in dem sich die innerliche Freiheit des Menschengeistes mit der zarten Selbstbeschränkung edler Weiblichkeit zur lebendigsten Harmonie zusammenschlösse , und der Widerspruch zwischen der Ueberwindung aller Schranken des Vorurtheils und des Aberglaubens mit der energischen Aufrechthaltung sittlicher Würde gelöst hätte . « - Landsfeld schwieg . » Und Sie wurden in Ihrer Erwartung getäuscht ? « - fragte mit sichtbar wachsendem Interesse die Forsträthin , die selber einen