sich der geringfügigsten Kleinigkeit ; wie hörte er mit anscheinender Aufmerksamkeit zu , und wußte immer dem , was trübe klang , eine freundliche Wendung zu geben . Wie schlug er auf ihre Hand und tröstete , wo es des Trostes bedurfte , nicht wie ein Liebhaber , wie ein alter Freund , der es bleiben wird , trotz der Jahre und Widerwärtigkeiten . Aber wieder ein anderer ward er , als die Töchter eintraten und mit verschämter Anmuth den vornehmen Gast und Verwandten bewillkommten . Eva Bredow wurde fast roth , daß sie ihm so bäuerisch grob die Hand geboten . Er hatte nicht eingeschlagen , sondern die Finger zart fassend sie an seine Lippen gebracht , und auf ihr : » Gott grüß Euch , Vetter von Lindenberg ! « hatte er eine Weile wie verwundert sie angeschaut . » Ei das schöne Fräulein soll meine Muhme sein ! « » Gewiß , Herr , es ist die Eva « , sprach die Mutter erfreut , » so Ihr damals bei der Huldigung auf den Knien schaukeltet . Ihr sagtet noch , sie würde der Mutter gleichen . « Der Gast schien sich noch von seinem Staunen zu erholen : » Wahrhaftig , ich glaube doch am Ende , ich bin hier in einem verzauberten Schloß . Fürchte , wenn ich ihre zarte Hand nicht festhalte , sie wird mir wie eine Nix verschwinden . « » Macht sie doch nicht verschämt . Das dumme Ding ist schon puterroth und wagt nicht die Augen aufzuschlagen . « Eva hatte wohl die Augen aufgeschlagen ; sie schämte sich ihrer Hände ; die waren noch roth vom Waschen . Und als er weiter sprach von einer Rose , die er in der Haide gefunden , die aber eines Fürsten Garten zieren würde , ward sie ganz ängstlich und hätte fortlaufen mögen , wäre die Mutter nicht gewesen , die ihm auch ihre zweite Tochter vorstellte . » Welch ein Reichthum von Blumen im Walde ! Rosen und Lilien , wie kommen die unter die Kiefern . « » Wir denken so , die Agnes zu Unseren lieben Frauen nach Spandau zu bringen . « » Ein frommes Gemüth sehnt sich nach dem Himmel . Doch nicht zu früh , Frau Muhme . Mit der Frömmigkeit muß man nicht gar zu sehr eilen , die Zeit ist lang . « » Wie ' s der Herr schickt ! Sind schlimme Zeiten , Herr von Lindenberg . Aussteuer können wir doch nur einer geben . Und weil sie so still ist , und so vor sich hinschafft , da meint mein Gottfried , und der Herr Dechant hats auch gemeint , sie schickt sich nicht für die böse Welt , und wie das wirsche Volk hier ist . Unser Herrgott nimmt die Stillen am liebsten . Der sieht nicht darauf , wie das Mannsvolk , ob die Backen roth oder blaß sind . « » Aber « , flüsterte schelmisch der Herr von Lindenberg , » er sieht auf die Grübchen neben den Lippen , ob sich ein Schelm da versteckt hat . Der Schelm ist ein böser Schelm und neckt alle Evas . Keine ist davor sicher und mögen sie so still und sittsam aussehen , als Eure Tochter . « » Ja die Evas , lieber Herr von Lindenberg « , lachte die Mutter , » aber die heißt Agnes . Dummes Ding , was erschrickst Du Dich ! « » Sie wird nicht erschrecken , liebe Base « , lachte der Gast , » wenn der arglistige Schelm kommt , dem kein Menschenkind widersteht . « Der Schelm kam nicht , aber Knechte und Mägde um den Tisch noch einmal zu füllen mit Allem , was das Haus und der Keller auftreiben konnte . Da sah man den Herrn von Lindenberg abermals ein ganz anderer werden . Hunger ist der beste Koch , heißt es , aber Hunger und Durst sind auch Fechtmeister , die den gesattelsten Ritter und Hofmann aus dem Steigbügel werfen . Der Herr von Lindenberg aß , daß es eine Freude für die Hausfrau war , so oft sie einschenkte , schenkte der freundliche Gast ihr einen freundlichen Blick . » Daß solchem Herrn , der an besseres gewohnt ist , unser schlechter Wein mundet ! « » In solcher Gesellschaft ! « sagte der Gast und reichte auf der einen Seite der Edelfrau , auf der anderen dem Junker Peter Melchior die Hand . Dabei wiegte er sich auf dem Schemel mit einem gar vergnügten Gesicht . » Ihr glaubt vielleicht , daß ich scherze . Denkt Euch Einen , der die ganz Woche im Block lag und am Sonntag wird er frei ! Das Hofleben ist - « Er hielt plötzlich inne . » Wir vergaßen auf die Gesundheit unseres durchlauchtigsten Kurfürsten und Herrn zu trinken , wie es guten brandenburgischen Edelleuten bei jeder Mahlzeit geziemt . « Die Pokale klangen , und der Hofmann hielt es für angemessen , viele Worte zum Lobe seines jungen Fürsten zu sprechen . Da war keine Tugend , die er ihm nicht beimaß . Er sprach so lange , bis er den Pokal sich von Neuem füllen ließ . Diesmal galt sein Spruch dem Wohl der tugendsamen , sittigen Hausfrau , seiner lieben guten Base und Wirthin , dann den zarten Fräulein . » Und daß der Bärenhäuter , der Gottfried , mein alter Freund , nicht zu uns kommt . Ich wollt ' ihm einen Trunk bringen , daß er mir Bescheid thun müßte , als säße er noch an der Landtafel . « Des edlen Gastes Heiterkeit theilte sich den andern mit . Man machte den Vorschlag , zum Langschläfer , wenn er nicht herunterkomme , hinaufzusteigen . » Wir wollen ihn wecken ! « jauchzte Peter Melchior , der auch des süßen Weines schon viel getrunken hatte . » Das überlassen wir seiner lieben Frau , « entgegnete der Ritter , welcher das