an den Rhein wieder geht . Bettine An Clemens Es ist aus mit den Blumen , die letzten Asternsträuße waren die , womit wir in voriger Woche die Blumenurnen schmückten , und die wegen der Batterie vor die Tür gesetzt wurden . Gestern haben wir den letzten Herbst gemacht , nur noch die Winterbirnen hängen , von denen meint die Großmama , wir wollten sie hängen lassen , bis erst Reif kommt , der war heut nacht , und nun frag ich : » Wollen wir heut die Birnen abmachen , es war heut nacht Reif . « Großer Schrecken der Großmama , sie hatte so in den Tag hineingelebt und gemeint , es sei noch lang nicht Winter . Und wie sehen die Blumen aus ? Wir müssen heute noch Kränze haben , es ist eine Hochzeit hier im Haus , um drei Uhr wird der Pfarrer hier sein und ein edles Paar zusammengeben . Lieber Clemente , was doch alles hier im närrischen einsamen Haus passiert ! Aber wir drei Geschwister ahneten gleich die Geschichte , ich sprang mit Flügeln die Treppe hinauf , wir kriegten uns alle drei um den Hals und tanzten eine Ronde , daß die Wände zitterten . Auf einmal erscheint die Tante im Negligé , halb frisiert , was das für ein unanständiger Spektakel sei ? - Und was die Hofdame denken solle , die seit acht Tagen im Saal unter uns wohnt , daß wir so ihr auf dem Kopf herumtanzen . Und der Tanzmeister wartet schon eine Viertelstunde . Wir lernen nämlich schon seit vierzehn Tagen bei einem französischen Ballettmeister einen figurierten Tanz , an dem sollen wir fortexerzieren bis zum Neujahrstag , da sollen alle Nationen kommen , dem Fürst Ysenburg gratulieren , die Franzosen haben dazu Madrigale gemacht avec la pointe cachée , sagt Chateaubour , der Hauptdichter . Ich stelle eine Spanierin vor , blau und silbern , und ebenso mein Tänzer , der Prinz Neunzehner , der gar nicht vom Platz zu bringen ist , allemal rechts umdreht , es sei links oder rechts ; so hat der Tanzmeister deswegen die Figur umgeändert , damit er nun rechts auch auf den rechten Platz komme , und nun läuft er wieder allemal links , wir lachten so toll in der Probe , wir waren so ausgelassen , wir wußten , daß die Tante nicht kommen konnte , weil sie Toilette machte , wir sprangen auf Tisch und Stühle , Herr Baleri mit seiner Pochette in einer Staubwolke , die alte Cousine , die hereinkam mit einem Befehl der Großmutter , setzten wir auf ihren ledernen Sessel und trugen sie auf den Köpfen , sie schrie , die andern sangen , und Baleri spielte einen Marsch . - Die Großmama ließ uns in den Garten beordern . Alle Blumen vom Reif verdorben ! - Wir mußten uns an die Hambutten und die herbstlich rote Jungfrauenrebe halten , dazu Tannen und Efeu . Wir waren sehr lustig bei diesem Dekorationsfest , wir machten ' s wie die Braut und gaben den halb verblühten Astern mit farbigem Papier ein Ansehen . Diese Heirat ist ein Werk der Großmama , vor kurzer Zeit lernte diese Hofdame von Meiningen bei ihr den Herrn von Drais kennen , wie er gerade vor unserm Hause eine Draisine probierte , eine Bank mit Rädern , die Herr von Drais drauf sitzend mit Händen und Füßen fortbewegt . Die Hofdame sah ihn dahergerollt kommen , hinter ihm drein alles , was Beine hatte . - Nachdem sie getraut waren , hielt die Großmama eine bewegliche Rede . Wir spielten abends ein Sprichwort , worin die Draisine eine Hauptrolle hatte . - Heute werden nun die Birnen abgemacht . Da freu ich mich drauf . Das Hochzeitpaar ist nämlich gestern spät noch fortgereist und alles wieder im stillen Geleise . Morgen wird Kartoffelernte gehalten von einem kleinen Feld , worauf die Großmama Musterkartoffeln ziehen läßt , die ihr von allen Enden der Welt , ich glaub sogar von Amerika her , geschickt werden . Da müssen wir ein Register machen , wieviel jede Staude getragen hat , der Großmama ihre höchste Wonne , diese Register zu vergleichen . Nun weiß ich nichts mehr , als daß Du meinen letzten Brief nicht beantwortet hast . Buch sagte der Großmama , Du seist nicht in Marburg und würdest erst am 19. wieder da sein . Das ist mein Namenstag , der nie mit andern Blumen kann gefeiert werden , als die im Eiskristall am Fenster anschießen . Heut ist der 4. Also 14 Tage soll ich nicht wissen , wo Du bist , da kann der Brief ein Weilchen frieren in Deinem unbewohnten Zimmer . Bettine Liebe Bettine ! Deine Briefe erquicken meine Seele und nähren sie , der Winter ist hier so traurig , und Savigny tief in den Studien , überwintert die Saat seiner großen Zukunft unter einer Schneedecke von Verschlossenheit , die mich verzweiflen macht . Was ich mir auch die liebende Mühe gebe ihm mitzuteilen , er ist stumm dazu , oft denk ich mit Behutsamkeit etwas aus ihm herauszulocken , allein die Erfahrung ist nun in sich vollendet , daß ich nie den geringsten Beweis von ihm erhalten werde , daß , was ich ihm sage , ihn interessiert . Oft in meiner kalten Stube ( was mir nun auch noch den Winter unerträglich macht , daß der Ofen nicht heizt , sondern raucht ) komme ich darüber in Schweiß , ins klare zu kommen über seine Klarheit , mit der bald die Tonie , bald die Gundel oder Du mich plagen . Bin ich denn ganz auf den Kopf gefallen , daß mir diese gepriesne Klarheit und Ruhe den peinlichsten Eindruck macht ? - Also quäl Du mich nicht mit Deinen erhabenen Ansichten , da ich ihn in der Nähe habe und er vielleicht besonders gut fernt . Ich hab dem Buchhändler Guilhomman den Auftrag gegeben , Dir den Homer zu schicken . Hast