von der Zauberei , und argumentire daß alle Hexen melancholische Personen wären , die sich selbsten nur einbildeten , daß sie einen pactum mit dem Teufel hätten und ihm mehr erbarmens - denn strafwürdig furkämen ? Hierauf gabe ich zur Antwort , daß ich solchen zwar nit gelesen , ( denn sage , wer kann Allens lesen , was die Narren schreiben ? ) aber der Augenschein zeige ja hier und aller Orten , daß es ein ungeheurer Irrthumb sei , die Zauberei zu leugnen , inmassen man alsdann auch leugnen könnte , daß es Mord , Ehebruch und Diebstahl gäb . Aber dieses Argumentum nannte er ein Dilemma4 und nachdeme er viel von dem Teufel gedisputiret , so ich vergessen , da es arg nach Ketzereien roche , sagete er : er wölle mir von einem Zauber in Wittenberg erzählen , so er selbsten gesehen . Als dorten nämblich ein kaiserlicher Haubtmann vor dem Elsterthore eines Morgens sein gutes Roß bestiegen , um sein Fähnlein zu inspiciren , hebet solches alsobald an , so grimmig zu toben bäumet , schüttelt mit dem Kopfe , prustet , rennet und brüllet , nit wie Pferde sonst thun , daß sie wiehern , sondern es ist anzuhören gewest als wenn die Stimm aus einem Menschenhalse käme , so daß männiglich sich verwundert , und Allens das Rößlein für bezaubert gehalten . Es hätte auch alsobald den Haubtmann abgeworfen , ihm mit seinem Huf den Schädel eingeschlagen , daß er da gelegen und gezappelt , und hätte nunmehro ins Weite wöllen . Da hätte ein Reutersmann sein Handröhr auf das verzauberte Roß abgedrucket , daß es gleich auf den Weg zusammengeschossen und verrecket sei . So wäre er auch mit vielen hinzugetreten dieweil der Obrist alsofort Befehlig an den Feldscheerer gegeben , das Roß aufzuschneiden , umb zu sehen , wie es innerlich mit ihm stünde . Wäre aber alles gut gewest , und beide der Feldscherer und Feldmedicus hätten testificiret daß es ein kern gesund Roß sei , wannenhero denn Allens noch weit heftiger über Zauberei geschrieen . Hierzwischen aber hätte er selbsten ( verstehe den jungen Nobilis ) gesehen daß dem Rößlein ein feiner Rauch aus der Nasen gezogen , und als er sich niedergebucket , hätte er alsobald einen Lunten herfürgezogen , fast bei eines Fingers Länge , so noch geschwelet , und ihme ein Bube mit einer Nadel heimlich zur Nasen hineingestoßen . Da wäre denn die Zauberei auf einmal vergeschwunden , und man hätte den Thäter nachgespüret , so auch alsobald gefunden wär , nämblich der Reutknecht von dem Haubtmann selbsten . Denn da sein Herr ihm das Wammes ausgeklopfet , hätte er einen Eid gethan , es ihm zu gedenken , so aber der Profost selbsten gehöret , der von ungefährlich am Stall gestanden und geharnet . Item hätte ein anderer Kriegsknecht bezeuget , daß er gesehn wie der Kerl ein Stück von der Lunten geschnitten , kurz zuvor ehe denn er seinem Herren das Roß vorgeführet . - Also meinte nun der junge Edelmann wär es mit jeglicher Zauberei , so man damit auf den Grund ginge , wie ich ja auch selbsten in Gützkow gesehen , wo der Teufelsspök ein Schuster gewest , und würd es auch hier im Dorf wohl auf gleiche Weiß zugestehn . Vor solche Rede wurde ich aber dem Junker von Stund an , als einem Atheisten abhold , wiewohlen ich in Zukunft leider Gottes gesehen hab , daß er fast recht gehabt , denn wäre der Junker nit gewest , wo wäre dann mein Kind ? Doch will ich Nichtes übereilen ! - Summa : ich ging fast verdrüßlich über diese Wort in der Stuben umbher , und fing der Junker nunmehro an mit meinem Töchterlein über die Zauberei zu disputiren , bald deutsch und bald lateinisch , wie es ihm ins Maul kam , und sollte sie auch ihre Meinung sagen . Aber sie gab ihm zur Antwort , daß sie ein dumm Ding sei und keine Meinung haben könnte , daß sie aber dennoch gläube , der Spök hier im Dorfe ginge nit mit rechten Dingen zu . Hierüber rief mich die Magd abseiten ( weiß nit mehr was sie wollte ) doch als ich wieder in die Stuben kam , war mein Töchterlein so roth , wie ein Schaarlachen und der Junker stunde dicht vor ihr . Fragete sie dannenhero gleich als er abgeritten , ob etwas fürgefallen , so sie aber leugnete und erst nachgehends bekannte : daß er in meinem Abwesen gesaget , daß er nur einen Menschen kenne , so zu zaubern verstünde , und als sie ihn gefraget , wer derselbige Mensch denn wäre , hätte er sie bei der Hand gegriffen und gesaget : » Sie ist es selbsten liebe Jungfer , denn sie hat meinem Herzen etwas angethan , wie ich verspüre ! « Weiteres aber hätte er nichtes gesaget , als daß er sie dabei mit brennenden Augen ins Angesicht geschauet und darüber wäre sie so roth worden . Aber so seind die Mädchens , sie haben immer ihre Heimblichkeiten , wenn man den Rücken drehet , und ist das Sprüchwort wahr : Mätens to höden Un Kücken to möten Sall den Düwel sülfst vertreten ! 5 wie man leider nachgehends noch weiter finden wird . Fußnoten 1 Jesaias 54 , 7. 2 Die Werke des heiligen Augustin . 3 Ein niederländischer Arzt , der lange vor Spee und Thomasius das Unwesen des Zauberglaubens seiner Zeit in der Schrift confutatio opinionum de magorum Daemonomia Frankfurth 1590 angriff , dafür aber von Bodinus und andern , selbst für den ärgsten Hexenmeister verschrieen wurde . Und allerdings ist es auffallend daß derselbe freidenkende Mann früher in einer andern Schrift de praestigiis Daemonum , die Beschwörung der Geister gelehrt , und darin die ganze Hölle mit dem Namen und Zunamen ihrer 572 Teufelsfürsten beschrieben hatte . 4 verfänglicher Schluß . 5 d.i. etwa Mädchen und Küchlein zu hüthen ; soll ( wohl )