, wie ich meine Pflicht verletze . Ein Weib , die Frau eines so edlen Mannes , die einen Andern liebt ! Wer mir das je als möglich vorgestellt hätte ! - Und wie soll es enden ! Den 28. Dezember . Der Wind tobt durch die Straßen und peitscht den Schnee vor sich her . Es ist so todt und kalt in der Luft ; auch mir ist es fröstelnd und bang . Meining ist nicht zu Hause ; ich wollte , er käme zurück und bliebe bei mir , denn ich fürchte mich allein vor mir selbst . Ich wollte lesen und vermochte es nicht ; die Kinder , die ich holen ließ , sprachen von Onkel Thalberg , von dem mein Herz ohnehin schon laut genug spricht . Dann wollte ich mich zerstreuen und sah auf die Straße hinaus ; eine arme Frau ging vorüber , starr und weinend vor Kälte . Ich ließ sie hereinholen , wärmen , speisen und kleiden - wohl ihr , daß man ihr helfen kann . Mir kann Niemand helfen ! Den 2. Januar . Mir träumte die ganze Nacht von Dir . Ich saß mit Dir und den Kindern , und wir sahen aus den Fenstern auf das Meer , das auf- und niederwogte , und Du wickeltest mein Haar zu Locken um Deine Hand , immer neue bildend und die frühern zerstörend . Darauf erzähltest Du von Deinen Reisen und Deinem Leben und sagtest : wir sind uns schon früher begegnet , da haben wir uns geliebt , und Du liebst mich noch , Clementine . Nun fing ich bitterlich an zu weinen . Du aber küßtest mein Haar und führtest mich hinab an ' s Meer . Schweigend und ruhend auf Deinem Arme , wandelte ich auf und ab mit Dir , und Du zogst lange , weiße Perlenschnüre aus den Wellen , und schmücktest mein Haar , daß mir die vollen Perlenreihen bis an das Herz niederreichten . Da wurde mir entsetzlich bange , und ich sagte : aber Perlen bedeuten ja Angst und Thränen ? und Du lächeltest trübe und sprachst : erwartest Du es anders ? Ich wachte auf , in Thränen gebadet . Gott selbst wollte mich warnen im Traume . Was soll ich thun ? Clementine an Frau v. Alven . Berlin , den 3. Januar 1840 . Glück auf zum neuen Jahre , meine gute Tante ! und möge es uns nichts Uebles bringen . Hast Du mich denn ganz vergessen , daß auch kein Wort mehr von Dir zu hören ist ? Ich sprach noch gestern mit Meining davon , der Dich leider noch immer nicht kennt ; und wir überlegten , ob es nicht möglich wäre , daß Du jetzt für einige Zeit zu uns kämest . Mir geschähe der größte Gefallen damit , denn ich habe seit Jahren Nichts so sehnlich gewünscht , als wieder mit Dir , Du treue Freundin , zusammen zu sein . Auch weiß ich eigentlich nicht , was Dich davon abhalten könnte , recht bald zu kommen , damit Du noch einen Theil der Winterfreuden und das beginnende Frühjahr mit uns genießen könntest . Du hast es mir immer abgeschlagen , uns in Heidelberg zu besuchen , unter dem doppelten Vorwande , die Reise sei zu weit , und Eheleute müßten erst Jahr und Tag allein mitsammen leben , ehe sie an einen Hausgenossen denken dürften . Beide Rücksichten fallen jetzt weg , und ich fange getrost an , Deine Wohnung bei uns einzurichten . Du sollst die Zimmer haben , die Du früher bewohntest ; Alles soll an der alten Stelle stehen , und Deine Clementine hat auch die alte Liebe für Dich . Komm Herzens-Tante ! ich bin so viel allein , ich habe Grillen , die ich nicht bannen kann ; ich muß Dir Vieles sagen , ich bedarf dringend Deines Rathes , also laß Dich nicht vergebens bitten und erwarten . In acht Tagen könntest Du hier sein , wenn Du noch die gute , flinke Tante wärest . Meining , der immer sehr gütig gegen mich ist , bittet mit mir um Deinen Besuch und empfiehlt sich Dir bestens ; so auch die Generalin und alle Deine übrigen Freunde , die sich ein Fest daraus machen , Dich wiederzusehen . Schreibe mir , welchen Tag Du einzutreffen denkst , gute Tante ! Wir kommen Dir , wenn es Meining ' s Geschäfte erlauben , bis zur ersten Station entgegen oder schicken Dir mindestens unsern Wagen und Diener . Aber komme bald , denn ich bedarf Deiner in der That . Frau v. Alven an die Geheimräthin v. Meining . St .... , den 12. Januar 1840 . Mein liebes Kind ! ich wünsche gewiß ebenso sehr als Du , daß es uns vergönnt würde , eine Zeit mit einander zu verleben ; leider müssen wir aber den Plan noch für eine Weile hinausschieben , da ich nicht wohl genug bin , jetzt an eine Reise zu denken . Indeß will ich mich so rüsten , daß ich bei der nächsten gelinden Witterung mich auf den Weg mache , und so wollen wir Beide um einen milden Winter bitten . Was Du mir von Grillen und Klagen schreibst , das kann ich nach diesen unbestimmten Ausdrücken nicht verstehen ; will es auch nicht , falls irgend etwas Deinen häuslichen Frieden gestört hätte . Dergleichen kommt wol in jeder Ehe vor , und man muß sich nur hüten , ein Wort davon , auch gegen die beste Freundin , laut werden zu lassen . Der Frieden stellt sich oft gar leicht wieder her ; das ausgesprochene Wort kann aber nie zurückgenommen werden und ist nur zu oft eine Saat , die böse Früchte trägt . Meining ist , wie Du mir selbst sagst , gut und brav und liebt Dich . Mußt Du Dich also aussprechen , ist es Dir Bedürfniß , so sei es gegen ihn . Suche mit ihm