und blaß , in den Saal trat . Das Erstaunen war gegenseitig ; Madame St. Albans , die ihren Mann im Felde glaubte , Miß Eton auf ihrem Zimmer , schien am Boden gewurzelt , als sie Beide in eifriger , traulicher Unterredung vor sich sah . Gewiß war das Gefühl der beiden so Ueberraschten , nach dem , was sie so eben mit dieser argwöhnischen Frau erlebt , nicht minder verwirrend , da ihnen einleuchtete , daß sie die Ursache dieses Beisammenseins noch nicht im Stande waren , auszusprechen . Daher war ein Augenblick , der Alle zur Freude berechtigte , jetzt nur gekommen , sie unsanft zu berühren . Herr St. Albans empfand jedoch zu aufrichtig die Freude , die in diesem Erscheinen seiner Frau als Zeichen der Genesung lag , als daß nicht bald alles Andere in seiner Seele davor gewichen wäre . » O , meine Liebe , « rief er , ihr entgegen eilend , » wie überraschest Du mich - wie glücklich fühle ich mich , Dich so begrüßen zu können ! « Doch Madame St. Albans wies seine Hand ziemlich unsanft zurück , und indem sie Marylone befahl , das Zimmer zu verlassen , ging sie , sich von ihrem Manne abwendend , mit schwankenden Schritten auf Miß Eton zu . » Ich beklage , Miß Eton , « sagte sie bebend vor Zorn , » daß meine zu frühe Genesung , wie es scheint , die traulichen Zusammenkünfte mit meinem Manne nunmehr unterbrechen wird - jedoch ist es mir immer lieb , daß ich Gelegenheit bekam , die treue Sorgfalt kennen und würdigen zu lernen , die Ihr meinen häuslichen Angelegenheiten schenktet ; daß sie sich bis auf das Herz meines Gemahls ausdehnen würde , habe ich freilich der Tochter meiner Margarith nicht zugetraut . « » Halt ' ein , unglückliche Frau ! « - rief hier Herr St. Albans in der schmerzlichsten Heftigkeit , und schloß die zürnende Frau fast mit Gewalt in seine Arme . - » O versündige Dich nicht so grausam an diesem reinen Engel ! denke , daß Du Dich an der Tochter Deiner Magarith versündigst ! « » Versündigen ! versündigen ! « rief Madame St. Albans , ihren Mann zurückstoßend , - » mir scheint , Du hättest dies bereits gethan , und nicht mir wäre dieser Vorwurf zu machen . - Ich habe mit Dir über diese Angelegenheit nichts zu sprechen . nur Miß Eton wird sicher vorziehen , zu ihrer erhabenen Beschützerin zurück zu kehren , die vielleicht in ihrer hohen Bildung gleichgültiger gegen solche Handlungen ist , als ich , die schlichte , ehrliche Hausfrau , die nichts als ihren einfachen Menschenverstand und etwas gesunde Vernunft hat . Auch meine Wirthschaft « - fuhr sie lachend fort , » hoffe ich ohne das Vorbild der durch sie eingeführten neuen Ordnung , wie bisher , und allein leiten zu können . « » Ich bitte Euch , Miß Eton , entfernt Euch ! « rief hier Herr St. Albans - » ich kann Euch nicht so hart in meinem Hause beleidigen hören , und kann nicht anders , als mit Mitleiden an die Beschämung meiner unglücklichen Frau denken , wenn sie erkennen wird , wie grausam sie Euch eben beleidigte ; daß dies geschehen wird , seid gewiß , und wenn Ihr dies Haus , wie ich fürchte , nun als ein unwürdiges fliehen werdet , wird Euch doch die größte Hochachtung von uns Allen folgen . « Miß Eton hatte sich während dieser ganzen Scene bleich , und von den grausam über sie ausgeschütteten Beleidigungen erstarrt , an ihren Stuhl gelehnt , sie fühlte sich außer Stande zu antworten , war wie zum Tode verwundet von den wild rollenden Augen dieser Frau , und sich als den Gegenstand ihres Zornes zu fühlen , war der größte Schrecken , den sie je empfunden . Sie ließ es daher geschehen , als Herr St. Albans ihre zitternde Hand ergriff , sie nach der Treppenthüre führte , die er ihr öffnete , und sie dann entließ , obwohl er deutlich sah , wie sie kaum die Kraft hatte , die Stufen zu ersteigen . Wir übergehen das etwas lebhafte , und zwischen Verlieren und Gewinnen schwankende Gespräch der beiden Ehegatten , überzeugt , daß nach den Angaben , in welchen wir bisher versucht haben , den Karakter Beider zu schildern , dies billig verdeckt bleiben kann . Madame St. Albans hatte bei der Rückkehr ihres Mannes sich in einen Sitz niedergelassen , in ihrem geträumten guten Rechte durch die feste und zürnende Haltung desselben etwas erschüttert . Herr St. Albans aber fühlte im Verlauf der Unterredung , daß hauptsächlich die Eitelkeit seiner Frau verletzt sei durch das etwas warme Lob , das er dem wirthschaftlichen Talente der Miß Eton gezollt . Wie alle beschränkten Frauen , die all ihren Verstand nöthig haben , um ihrem Haushalte vorzustehen , hielt sie diese Pflichten für unverträglich mit höherer Bildung und deren Beschäftigungen , und tröstete sich sehr dünkelvoll mit der Ueberzeugung , solche Frauen könnten ihre Pflichten nie vollständig erfüllen . Sie hatte sich längst gewöhnt , mit ironischem Stolze darauf hinzublicken , wobei sie nie unterließ , mit dem unbescheidensten Selbstgefühl ihre eigene Sphäre klein und unbedeutend zu schelten , indem sie sich aber Prädikate beilegte , die wirklich zu besitzen , nur das Streben und das Resultat der höchsten Vervollkommnung sein kann . Sie hatte sich mit lobenswerthem Eifer den Pflichten unterzogen , die die große Haushaltung ihres Mannes ihr überlieferte , aber unfähig , Plan und regelmäßige Ordnung in ihre und der Domestiken Geschäfte zu bringen , hielt sie stetes Selbstarbeiten für das Geheimniß aller guten Ordnung . Ganz anders war die Erziehung , die Miß Eton durch das Beispiel ihrer Mutter erhalten hatte . Sie verstand vollkommen , die Geschäfte ihrer Haushaltung dem eigentlichen Leben unterzuordnen . Die strengste Ordnung war gerade nöthig , um dies geräuschlose Dasein des nothwendigen Betriebes möglich