tröste Dich , Maria ! Mit mir tröste Dich ! Wahrlich , wahrlich , ich sage Dir , Du kannst keine größere Heilige auf Erden sein , als wenn Du eine Weltliche bist ! Schönes Mädchen , ich erwähle Dich zu meiner Heiligen , damit Du nicht zu sehr verzagst an Dir ! Ich grüße Dich als meine Heilige , eine Weltheilige ! Ich küsse Dich ! Sie sank mir von selbst in die Arme . Zärtlichere Lippen hatte ich nie geküßt , und doch vermischten sich mit der Gluth dieses Kusses heiße Thränen , die ihr aus den schmerzlich glänzenden Augen stürzten . Dann richtete sie sich still auf , und ruhte einen Augenblick ihr Haupt an mir , und sagte , ihr ganzes Herz hätte ich errathen . Ihr Herz mit ihren Schwächen und Wünschen , mit all der geheim nistenden Qual . Dann riß sie sich ganz los von mir , und sagte , ihr sei doch nicht zu helfen . Sie ging mit heftigen Schritten auf und nieder , und die leichte feenhafte Gestalt zeigte sich in dem rührendsten Zauber ihrer Bewegungen . Sie sah unendlich reizend aus , der Schmerz hatte , eine liebliche Unordnung über ihr Wesen verbreitet . Sie weinte in sich hinein , daß sie eine Verlorene und Verstoßene sei aus der Welt ! Wie kann man verloren sein , mußte ich ihr erwiedern , wenn man jung ist , und eine Weltheilige ? Die Welt hat Dich nicht ausgestoßen , sie will nur , daß Du Dich wieder zurechtfinden sollst in ihr . Sie ist groß und weit . Sie ist gut und göttlich . Ich habe sie genossen , sie hat mich gelockt und verführt ! klagte sie . Und sie lockt mich noch immer . Sie ist schön , und läßt mir keine Ruhe ! - Sie versprach mir , von ihrem Leben Alles aufzuschreiben , und auf wenigen Blättern mir Alles zu geben , wann wir uns wiedersähen . Ob wir uns wiedersähen ? Dies erinnerte mich , daß wir uns trennen mußten . Wir hatten die Zeit schnell mit diesen unruhigen Nachtgesprächen hingebracht . Ich fragte halb lächelnd , halb schmerzlich , ob sie mit mir gehen wolle in die weite Welt hinaus ? Wir wollten gut zusammen wandern durch die weite Welt ! Die Welt ist groß und weit , die Welt ist gut und göttlich ! wiederholte sie , auflächelnd , meine Worte . Ach ! sagte sie dann , zusammenzuckend , ich ginge gern als Jockey verkleidet mit auf die Reise , wenn ich nur hinwegkommen könnte aus des Vaters dumpfer Hütte , und von diesen böhmischen Heiligenbildern , die mich bedrückend ansehn , daß ich hier nicht athmen kann , und die auf mich herabzustürzen drohen , wenn ich sie angstvoll grüße ! Laut schluchzend stürzte sie auf mich zu , und ich fing sie erschrocken in meinen Armen auf . Dann schien ihr selbst bange darüber zu werden , daß sie sich so unverholen ausgesprochen . Es ist Schade , daß ein wandernder deutscher Schriftsteller keinen Jockey brauchen kann . Hilf Himmel ! wie bunt wirrt und zerrt sich das Leben durcheinander in der Bedrängniß der Gemüther . Wir sehen uns wieder ! Maria ! Maria ! ich muß fort , und wir sehen uns wieder ! Gott behüte Dich , meine Weltheilige ! Glück schieße reich an Dir auf , und bringe Dir noch den Genuß der schönsten Tage ! Von jeder Reisestation aus will ich an Dich schreiben , wie es in der Welt hergeht , und wie ich dort und hier , fern und nah , es finde ! Wie jener Bischof , welcher dem Bettlerknaben wenigstens seinen Segen schenkte , der ihm geringer als Hellerwerth zu stehen kam , wollte ich , gleich einem ächten Deutschen , ihr wenigstens etwas schreiben , da ich vom Glück der Welt ihr sonst nichts zu schenken hatte . Diesen Schriftstellersegen nahm sie an , und ich versprach ihr feierlich , ihr alle meine Tagebücher zu schicken . Darin sollte ihr nichts verschwiegen werden . Sie sollte miterleben , wie der Strom der Welt meine junge Brust zertheilt . Dann , sagte sie , müsse ich auch ganz aufrichtig gegen sie sein . Sich selbst belächelnd , fügte sie hinzu : sie sei sehr neugierig hier in ihrer großen Einsamkeit , wie es die Welt draußen weiter treibe . An Tugenden wie an Lastern der Menschen wisse sie hohes Interesse zu nehmen , sie verstehe längst das Leben wie ein Buch zu lesen . Ich solle selbst die verbotenen Stellen darin mit sympathetischer Tinte für sie zeichnen . Sie sei noch immer lüstern auf Alles , was Leben heißt . Sie sei eine solche Närrin , daß sie jedes Sumpfblümchen , wenn es nur im Freien gewachsen , an ihr Herz drücken könne . Ich sollte sie den Jubelschrei der Volksfeste , die Trauermusik der Leichenzüge , die großen Spectakelstücke von Liebe und Haß , die Maskenbälle des Wahns und die Fackeltänze der Leidenschaft , bis in ihr Dorf spielen , hören , sehen , empfinden lassen ! Ob ich ihr denn auch wirklich Alles und Jedes , selbst das Bedenklichste , schreiben wolle , was der Wandel der Tage bringe ? Denn die Gefahr gehöre mit zum Leben . Was die Augen sehen , was die Gedanken aufnehmen , was das heiße Blut in Wallung treibt , wie der unruhige Sinn sich irrt und freut , woran der Verstand sich belehrt und das Herz sich verwundet , solle sie Alles haben , gelobte ich . Sie werde mit mir über die ganze Welt weinen und lachen , sich wundern und sich die Finger verbrennen . Unter der Bedingung , daß ich mit gleicher schonungsloser Aufrichtigkeit ihre Biographie erhielte ! Sie nickte , und floh mit einem Abschiedskuß aus meinen Armen . Dann schlug sie den Rückweg ein durch die Gänge des Gartens . Ich folgte ihr schweigend . Wir näherten uns