war der einzige Ausruf , der über seine bewegten Lippen dringen konnte . Wally zitterte vor Schrecken und Freude . Auch sie konnte keinen Ausdruck finden . So saßen sie sich eine Weile stumm gegenüber ; aber ihre Blicke sprachen mit feurigen Zungen und hatten tausend Dinge zu gleicher Zeit zu fragen und mitzuteilen . » Dein Tschionatulander ! « sprach dann Cäsar mit holdseliger Ironie . Wally errötete und barg ihr glühendes Antlitz vor Scham an seine Brust . » Sie müssen mir diesen stürmischen Angriff verzeihen ! « fuhr dann Cäsar fort . » Ich habe viel bei Ihnen gutzumachen und will es durch Dinge , welche für Sie von Wert sind . « » Sie haben vor zwei Monaten mir das Leben nur gerettet , um es mir zu nehmen ! « sagte Wally . » Ich wollte Sie nicht besuchen . Ich vermied Sie . Warum ? fragen Sie mich ! Ich weiß es nicht . War ich stolz , beleidigt ? Nein : es war lächerlich ; aber Sie kennen mich , Wally , wie schwierig ich zu behandeln bin . Ich lasse immer auf eine Liebenswürdigkeit zehn unerträgliche Torheiten kommen . « » Liebenswürdigkeiten ! Unerträglich ! Torheiten ! Oh , alles , wie sonst - mein Cäsar ! « » Meine Wally ! Aber Sie schweben in einer unvermeidlichen Gefahr , aus der ich Sie retten muß . Ihr guter Ruf ist bedroht . Sie verdanken das Ihrem Manne . Welche Leute kommen in Ihr Haus ? « Wally hatte nicht viel Gehör für diese Worte , für den Inhalt nicht , nur für den Schall , den sie an Cäsars Munde verfolgte . Wenn die Wörterbücher es erlauben , sich so auszudrücken , so wollte sie ihn nur sprechen , nicht reden hören . » Nein , in der Tat , Wally ! Wer ist dieser Jeronimo ? Alle Welt spricht davon . Es ist unmöglich , daß Sie Anteil an dieser Intrigue haben . Sie kömmt allein auf Rechnung Ihres Mannes . « Wally lächelte nur und weidete sich an dem Anblick . » Nein , bezaubernd sind Sie , Wally ! « grollte Cäsar mit komisch-weinerlicher Stimme ; » aber so hören Sie doch und gehen Sie auf etwas ein , das Sie interessiert . « Cäsar mußte sie wecken , mit Küssen wecken aus ihrem Rausche . Er mußte Auge an Auge , Stirn an Stirn legen , jeden Zug in Wallys Antlitz bannen , um sie in seiner Gewalt zu haben und seinen Worten Eingang zu verschaffen . Wally tat noch immer nichts , als in einer gewissen gemachten Abwesenheit von unten herauf mit einer halben Wendung ihres Kopfes , mit klugen und verdächtigen Augen an ihn sich hinaufschmiegen und das küssen , was sie grade traf , Auge , Mund , Nasenflügel . Man muß lieben , um diesen malerischen Gestus der Zärtlichkeit zu verstehen . » Wally ! « » Cäsar ! « » Wer ist Jeronimo ? « » Ein Narr . « » Der Bruder Ihres Mannes ? « » Der Bruder meines Mannes . « » Er liebt Sie . « » Er liebt mich . « » Er ist wahnwitzig . « » Er ist wahnwitzig . « » O , Wally ! Wally ! « » Was soll ich nur ? Warum inquirieren Sie mich ? « » Man behauptet , Jeronimo würde mit Vorspiegelungen von Ihnen hingehalten , während Ihr Mann die Zeit benutzt , seinen eigenen Bruder auszuziehen . « » Aus der Komödie ! Ein Roman von Eugene Sue , Balzac , Victor Hugo ; was soll ich lesen ? Raten Sie mir : ich verwildre ganz , Cäsar . « » Keine Fabel , nein ! Im Hotel des sardinischen Gesandten plündert man die unglücklichen Liebhaber . « » Und die glücklichen , Cäsar , sind langweilig . « » Und die glücklichen Liebhaber , Wally , wollen nicht , daß ihr Idol ein Gegenstand der allgemeinen Beschimpfung ist . « » Wer beschimpft mich ? « » Ihr Mann ! « » Nun , so müssen Sie mich wieder reinwaschen . « » Das will ich ; aber - « » Aber - « » Geben Sie mir Aufschlüsse , Data , Erklärungen . Wer ist Jeronimo ? Was will er ? Was hat er ? Ahnten Sie nichts ? Teilen Sie die Schuld Ihres Mannes ? « » Gott , so hören Sie auf , Cäsar . An diesen Sachen nehm ' ich keinen Teil . Ich habe ja an Ihnen genug , Cäsar ; ich lasse Sie nicht . Reden Sie von der Vergangenheit , von Ihren Lebensschicksalen , von unsern Freunden . Kein andres Wort , oder ich verlasse Sie im Augenblick . « Cäsar begriff diese Grillen nicht . Verdiente er , so geliebt zu werden ! » Nun dann ! « sagte er lachend und ärgerlich zugleich und begann , auf die Themata einzugehen , welche Wally entzückten . Bis zur Mittagszeit konnten sie über diese Dinge sprechen , ja noch in der Loge des Theaters , und nach dem Theater bis tief in die Nacht hinein . 10 Endlich hatte Wally den Zusammenhang ihrer häuslichen Verhältnisse erfahren . Cäsar war unermüdlich , den Ruf seiner Freundin wiederherzustellen und die öffentliche Meinung über sie zu berichtigen . Sie dankte ihm dafür nicht einmal ; denn sie lebte gar nicht in bezug auf diese unwürdigen Dinge , weil sie weder von ihnen eine Vorstellung hatte noch sie für wert einer Aufmerksamkeit hielt , die größer gewesen wäre als die vollständige Erschöpfung ihres Verhältnisses zu Cäsar . So verflossen einige für sie unersetzliche Tage . Wally duldete nicht , daß irgend etwas sie im Genusse derselben störte . Sie gab sich wenigen Besuchen preis . Die meisten wies sie ab , vor allen die Anmeldungen Jeronimos , den sie in seinen Leiden mit einer entsetzlichen Grausamkeit behandelte . Sie trat alles mit Füßen