noch freundlicher und fröhlicher zu sein , als sonst . Mochte ihn der warme Anteil , den die guten Ulmer an ihm nahmen , und der auf allen Gesichtern geschrieben stand , erfreuen ? Mochte ihm hier außen in dem schönen Morgen , unter seinen Waffenübungen wohler sein , als in den engen , kalten Straßen der Stadt ? Er blickte so freundlich auf die Menge hin , daß jeder glaubte , von ihm besonders beachtet und begrüßt zu werden , und der Ausruf : » Ein wackerer Herr , ein braver Ritter « , jedem seiner Schritte folgte . Besonders freundlich schien er immer an einer Stelle zu sein ; wenn er vorübersprengte , so durfte man gewiß sein , daß er dort mit dem Schwerte oder der Hand herübergrüßte und traulich nickte . Die Hintersten stellten sich auf die Zehen , um den Gegenstand seiner freundlichen Winke zu sehen ; die Näherstehenden sahen sich fragend an und verwunderten sich , denn keiner der versammelten Bürger schien dieser Auszeichnung würdig . Als Frondsberg wieder vorübersprengte , und die Zeichen seiner Gnade wiederholte , gaben wohl hundert Augen recht genau acht , und es fand sich , daß die Grüße einem großen , schlanken , jungen Mann gelten mußten , der in der vordersten Reihe der Zuschauer stand . Das Wams von feinem Tuch und Seidenschlitzen , die hohen Barettfedern , mit welchen der Morgenwind spielte , sein langes Schwert und eine Feldbinde oder Schärpe zeichneten ihn auf den ersten Blick vor seinen Nachbarn aus , die minder geschmückt als er , auch durch untersetztere Figuren und breite Gesichter sich nicht zu ihrem Vorteil von ihm unterschieden . Der Jüngling schien aber zum Ärgernis der guten Spießbürger nicht sehr erfreut über die hohe Gnade , die ihm vor ihren Augen zuteil ward . Schon seine Stellung , das Haupt gesenkt , die Arme über die Brust gekreuzt , schienen nicht anständig genug für einen feinen Junker , wenn er von einem alten Kriegshelden gegrüßt wurde . Überdies errötete er bei jedem Gruß des Feldhauptmanns , dankte nur durch ein leichtes Neigen , und sah ihm mit so düsteren Blicken nach , als gälte es ein langes Scheiden , und dieser Gruß wäre der letzte eines lieben Freundes gewesen . » Ein sonderbarer Kauz der Junker dort « , sagte der Obermeister aller Ulmer Weber zu seinem Nachbar , einem wackeren Waffenschmidt ; » ich gäbe mein Sonntagswams um einen solchen Gruß von dem Frondsberger , und dieser da muckt nicht darüber . Hieß es nicht in der ganzen Stadt , was hat der Meister Kohler mit dem Frondsberg ; waren ja neulich miteinander wie zwei Brüder ? Oh , die kennen einander schon lange , hieß es dann , und sind gute Freunde von alters her . Ich kann mich ordentlich ärgern , daß ein so gescheuter und gewaltiger Herr solch einen Laffen all Paternosterlang grüßt ! « Der Waffenschmidt , ein kleiner , alter Kerl hatte ihm seinen Beifall zugenickt : » Gott straf mich , Ihr habt recht , Meister Kohler ! Stehen nicht dort ganz andere Leut , die er grüßen könnte ; ist nicht der Herr Bürgermeister auf dem Platz , und steht dort nicht mein Gevatter , der Herr von Besserer am Eck ? Ich wollt dem Junker den Kopf beugen lernen , wenn ich Herr wäre ; aber glaubt mir , der da beugt seinen Nacken nicht , und wenn der Kaiser selbst käme . Er muß auch etwas Rechtes sein ; denn der Ratsschreiber , mein Nachbar , der sonst allen Gästen feind ist , hat ihn in seiner Behausung . « » Der Kraft ? « fragte der Weber verwundert , » ei , ei ! aber halt , dahinter steckt ein Geheimnis . Das ist gewiß so ein junger Potentat , oder gar des Bürgermeisters von Köln sein Sohn , der auch unter dem Heer mitreiten soll . Steht nicht dort des Kraften alter Johann ? « » Weiß Gott er ist ' s « , fiel der Waffenschmidt ein , den die Vermutungen des Webers neugierig gemacht hatten ; » er ist ' s , und ich will ihn beichten lassen , trotz dem Probst von Elchingen . « Aber so klein auch der Raum zwischen den beiden Bürgern und dem alten Diener des Kraftischen Hauses war , so konnte doch der Schmied nicht zu ihm durchkommen , so dicht standen die Zuschauer . Endlich drang die gewichtige Miene des Obermeisters aller Weber durch , denn er war reich und angesehen in der Stadt ; er erwischte den alten Johann , und zog ihn zu dem Schmied . Doch auch der alte Johann konnte wenig Bescheid geben , er wußte nichts , als daß sein Gast ein Herr von Sturmfeder sei ; » übrigens muß er nicht weit her sein « , setzte er hinzu , » denn er reitet ein Landpferd und hat keine Dienstleute mit sich ; meinem Herrn aber wird der Gast übel bekommen , denn unsere alte Sabine , die Amme ist wie ein Drache , daß er die Hausordnung stört , und ungefragt , nur so mir nichts dir nichts ein fremdes Menschenkind mit Stiefel und Sporen ins Haus schleppt . « » Nichts für ungut « , fiel ihm der Obermeister in die Rede , » Euer Herr , Johann , ist ein Narr ! Die alte Hexe - Gott verzeih mir ' s - hätte ich schon lange auf die Straße geworfen , wo sie hingehört . Hat der Herr doch sein gutes Alter , und soll sich behandeln lassen , als läge er noch in den Windeln . « » Ihr habt gut reden , Meister Kohler « , antwortete der alte Diener , » aber das versteht Ihr doch nicht recht . Auf die Gasse werfen ? Wer soll denn nachher haushalten ? « » Wer ? « schrie der erhitzte Weber ; » wer ? ein Weib soll er nehmen