der Zwischenzeit kam der Bediente mit der Nachricht zurück : man habe Lord Friedrich diese Nacht gar nicht zu Hause gesehen , indem er von dem Ball nach Lincoln abgereist sey . Nun konnte ich billigerweise keinen Verdacht mehr nähren und nahm ziemlich erheitert von der Lady Abschied . In einer der Straßen , durch welche mich mein weiterer Weg führte , war ein schwerer Kohlenwagen umgefallen , der die mir entgegen kommenden Fuhrwerke , eines nach dem andern , behutsam vorbeizufahren nöthigte , indeß das meine abwarten mußte , bis ein leerer Raum ihm fortzufahren gestatte . Aus derselben Nothwendigkeit hielt jetzt eine Miethkutsche neben mir , die ich sogleich für dieselbe erkannte , welche mir vor Lady St. Edmonds Thür Platz gemacht hatte . Es war ein ehemaliger Herrschaftswagen , an dem man das mir bekannte Wappen noch nicht übermalt hatte . Ich blickte in den Wagen und erkannte Miß Arnold darin , die sich anfangs zu verbergen suchte , dann aber , freundlich winkend , mich sie in mein Fuhrwerk aufzunehmen bat . Ich that das sogleich ; allein meine Empfindung war in so hohem Grad aufgeweckt , daß unser Gespräch sich sehr bald in eine Erörterung über meine Anklagpuncte verwandelte . Dergleichen Erklärungen zwischen einem offnen , zutrauenden , und einem kalten , berechnenden Charakter können nicht zur Ergründung der Wahrheit ausschlagen . Miß Arnold gab dem Gespräch bald eine Wendung , die mich gegen sie in Nachtheil setzte , sie bewies mir die Grundlosigkeit meines Verdachts , und einmal von meinem Unrecht gegen sie überzeugt , riß mich mein heftiges Wesen hin , durch den vollen Erguß meines Vertrauens mein Vergehen gegen die Freundschaft zu büßen . Einen Auftritt heftiger Empfindung , einen Erguß schöner Gefühle hatte ich nun gehabt ; aber ach , der ließ keinen Frieden in meiner Seele zurück ! Der leere Platz , wo Miß Mortimer beim Mittagessen gesessen , quälte mich mit Vorwürfen , und ich eilte in die Oper , in drei Gesellschaften , um mich von allem Nachdenken zu zerstreuen . Endlich war der Abend vorüber , beim Eintritt in mein Schlafzimmer überbrachte man mir einen Brief von Miß Mortimer , denn sie hatte befohlen mir erst am Abend , wenn ich mich für die Nacht zurückgezogen hätte , ihn zu übergeben . Mit einer höchst schmerzlichen Empfindung nahm ich ihn in die Hand , ich war ermattet von dem freudenlosen Schwindel des Tages und wußte zuverlässig , daß alles , was dieser Brief enthielt , mir den Schluß desselben nur noch peinlicher machen könnte . Ich hatte mich geirrt ! Mit aller Milde ihres liebevollen Herzens , aber mit dem Ernst einer Christin , die in der Erfüllung ihrer Pflicht keine Schüchternheit kennt , ging sie mein Betragen durch , legte mir nochmals alle ihre Gründe vor , mich vor Lady St. Edmonds Umgang zu warnen , und gestand mir , daß sie meinem Vater angerathen habe , Miß Arnold nicht weiter um die Verlängerung ihres Aufenthalts zu bitten , weil sie ihre Gegenwart meinem Wohl für sehr nachtheilig halte . Die Beweggründe , die sie mir darlegte , um mich zu einer Veränderung meiner Ansicht des Lebens zu bewegen , erschütterten meinen Leichtsinn ; sie zeigte mir , was ich oft , was ich heute so tief fühlte : daß all ' mein Flitterstaat , daß alle Befriedigung meiner Eitelkeit mir kein wahres Glück gewähre . Ich weinte laut bei der innigen Bitte meiner beleidigten Freundin : Gott zu suchen , so lang es noch Zeit sey , durch Mäßigkeit , Rechtschaffenheit und ein frommes Gemüth . Schlaflos verging mir die Nacht ; und obschon ich die folgenden Tage meine gewohnte Lebensweise nicht unterbrach , war mein Gemüth doch an jedem Abend - denn keine andere Einsamkeit ließ mir meine zerstreute Lebensweise zu - mit dem Inhalt von Miß Mortimers Briefe beschäftigt . Ich fühlte die Nothwendigkeit , etwas an mir zu bessern , doch womit ich anfangen sollte , wurde mir nicht klar . Rechtschaffenheit schien mir gar keine Tugend meines Standes ; sie schien mir nur für arme Leute gemacht . Der , ohne Andern etwas zu entziehen , seine Wünsche zu befriedigen im Stande ist , konnte meiner Meinung nach nicht in den Fall kommen , gegen die Rechtschaffenheit zu fehlen . Einst fromm zu werden , war ich sehr fest entschlossen ; doch jetzt hielt ich die Uebungen und Entsagungen , aus welchen ich die Frömmigkeit bestehend glaubte , meinem Alter nicht für angemessen . Mäßigkeit schien mir die Tugend , mit der ich anzufangen beschloß . Ich malte mir die Einschränkungen aus , die ich in meinem Putz zu machen gedachte , ich nahm mir vor , weniger Vergnügungsorte zu besuchen und - außer der Genugthuung , die diese Lebensbesserung Miß Mortimer geben sollte , mußte sie , das wußte ich , auch Herrn Maitland gefallen . Diese Rücksicht schien mir das Verdienst meines Entschlusses gar nicht zu schmälern ; denn der enthusiastische Beifall , welchen die ganze Nation seit dieses Mannes öffentlichem Auftreten ihm zollte , hatte meiner Eitelkeit seine Meinung so wichtig gemacht , daß ich mit Entzücken daran dachte , sie zu gewinnen . Herr Maitland , der bisher in unbekannter Zurückgezogenheit alle Pflichten eines guten Bürgers erfüllte , hatte auf Wegen , wo sein Gewinn zahlreichen Armen die Wohlthat des reichlichen Erwerbs gab , sein Vermögen vergrößert und dieses Vermögen angewendet , Talente zu unterstützen , arme Schuldner zu befreien , nützliche Unternehmungen zu befördern . - Aber unbekannt , woher die Wohlthaten kamen , konnten die Unterstützten , die Geretteten , nicht einmal in ihrem Dankgebet seinen Namen vor Gott stammeln . Doch jetzt ward die große Frage über die Sklaverei der Neger in dem Parlamente erörtert , und nun brach Maitland die Stille , in der er so manches Jahr lang gewirkt , und obschon selbst ein Theilnehmer an dem westindischen Handel , also bei der Aufrechthaltung des Sklavenhandels betheiligt , stand er dawider auf