; denn wahrlich , dieser Mann ist euer Vater , und ohne ihn wäret ihr trostlose , verlassene arme Waisen ! « - Dies und anderes Schöne redete er ; und die Knaben und Mägdlein schluchzten laut , und hatten nun den Schulmeister noch viel lieber , als sonst , denn sie bedachten , er könne ihnen einst sterben . Und viele falteten die Hände , und sahen still und stumm mit betenden Augen durch die fallenden Thränen gen Himmel ! Und als endlich die Morgenschule vollendet war , ging der Herr Pfarrer zum Schulmeister und umarmte ihn vor allen Kindern und drückte ihn an sein Herz und sprach : » O du frommer und gerechter Mann , du säest Saaten , die dir herrlich in der Ewigkeit aufblühen ; lehre mich deinem Beispiele nachfolgen , denn du hast vieles gethan und ich noch so wenig . Und wenn ich je den Muth verlieren sollte , will ich herkommen und mich zu den Kindern setzen , und will werden wie sie , hoffend , glaubend , liebend , und mich durch den Anblick deines Beispiels und deiner Beharrlichkeit stärken . « Das war ein rechter Feiertag für alle Kinder im Dorfe gewesen . Sie hatten zwar den Oswald und die Elsbeth schon vorher lieb gehabt von Herzen . Nun sie aber gesehen hatten , wie große Ehrfurcht selbst der Herr Pfarrer ihren Lehrern bewies , betrachteten sie Oswalden und Elsbethen recht wie höhere Wesen , und in ihre Liebe mischte sich eine wunderbare Hochachtung . Pfarrer Roderich war kein halbes Jahr im Dorfe , so war er schon der rechte Hausfreund und Rathgeber der meisten Familien . Von ihm kam allezeit die beste Meinung , der beste Trost . Die Mühseligen und Beladenen fanden bei ihm Erquickung . In den Hütten sprach er als ein irdischer Freund . Sonntags aber ward den Leuten immer zu Muth , als sei der liebe , heilige Mann gestorben , und er rede in der Kirche als ein Verklärter , der aus den Himmeln gekommen oben herab , und wolle sie nachziehe in das Ewiglich-Schöne . Und er that den Armen viel Gutes ; man wußte es nur kaum , so bescheiden that er das Gute . Und wo Kranke waren , fehlte er nicht . Er hatte in seinem Hause eine kleine Apotheke von einfachen Hausmitteln . Daraus half er oft . Er las gern die Schriften der Aerzte , und wußte vieles zu heilen , ohne große Kunst . So ward er nicht nur ein geistlicher , sondern auch ein leiblicher Arzt der Seinen . Das brachte ihm großes Vertrauen und vielen Gehorsam . Also that er , wie Christus der Herr und seine Jünger , und heilete die Kranken und predigte das Reich Gottes . Und so geschah , daß er die unwissenden Leute von allerlei abergläubigen , sympathetischen und oft grundschädlichen Mitteln in Krankheiten abgewöhnte . Sie liefen nicht mehr zu den Kapuzinern um geweihte Zettel , nicht mehr zu den Henkern , Scharfrichtern , Wasserbeschauern und Quacksalbern . Denn er forderte für seine Mühe und Arznei kein Geld , und half doch besser , als zwei Pfuscher . Wenn aber eine Krankheit zu wichtig und schwer ward , mußten die Leute sogleich auf seinen Rath zu einem erfahrenen und gelehrten Doktor in die Stadt senden . Anfänglich sträubten sich zwar viele dagegen und hatten mehr Zutrauen zu einem alten Weibe oder einem verschmitzten Harngucker , als zu einem rechtschaffenen Mann , der die Arzneikunst gründlich erlernt hatte ; oder sie liefen von einem Doktor zum andern , wenn die Arznei von dem einen nicht jählings half , und gebrauchten allerlei Mittel durch einander , daß das Uebel immer schlimmer werden mußte . Der Herr Pfarrer aber wußte die Leute bald auf andern Sinn zu bringen , denn er mußte es wohl besser verstehen , da er selber im Heilen Erfahrung hatte . Das brachte ihm Vertrauen und Gehorsam . Er wußte auch sonst noch viele Dinge , die man bei ihm nicht vermuthete . Er war ein geschickter Bienenvater , und wußte die Bienen aufs beste zu pflegen , vor Unfall zu hüten und ihnen gesunde Nahrung zu bereiten , wenn es daran fehlen wollte . Er hatte seine Bienenstöcke aber nicht lange bei sich , sondern verschenkte sie an die ärmsten Haushaltungen , und lehrte diese , wie sie die nützlichen Thiere besorgen mußten . Nur behielt er sich vor , wenn es neue Schwärme gab , sie aufzufangen und denen zu geben , die noch keine besaßen , bis fast alle Familien mit Bienen versehen waren . Und weil er die Sache meisterlich verstand , gedieh sie bei Allen . Da ward viel Honig und Wachs zur Stadt getragen und schönes Geld dafür heimgenommen . Und mit der Zeit ist Goldenthal im ganzen Lande berühmt geworden durch seinen Bienenstand , also daß aus entlegenen Ortschaften die Käufer kamen , und den Preis des Wachses und Honigs im Dorfe steigerten , weil jeder den Goldenthaler Honig pries . Und sie hatten Heerden , für die sie kein Land und Futter gebrauchten , sondern die auf ihren zarten Flügeln über Felder und Wälder schwärmten und ihren Besitzern Gold ins Haus trugen . Und wie der Herr Pfarrer diese und andere löbliche Einrichtungen in den Häusern machte , so machte er auch dergleichen in der Kirche . Hier aber hielt es fast schwer , besonders bei den alten Leuten , die sehr hartnäckig am Alten hingen . Wenn die Gemeinde in der Kirche sang , war es ein gewaltiges Durcheinanderschreien , ohne Lieblichkeit und Wohllaut . Jeder schrie aus Leibeskräften um die Wette mit dem Nachbar , als sollten die Fenster springen und die Gewölbe des Tempels zerbersten . Die Leute wurden dabei zuweilen von der Anstrengung kirschbraun im Gesicht . Schon Oswald hatte gegen dieses andachtlose Zetergeschrei viel geredet ; aber er redete in den Wind und hatte das Ansehen nicht . Darum ließ er die ältern Leute gehen