es fiel , hatte sie es gerügt , immer doppelt auf sie zurück ; deshalb tadelte sie sich auch jetzt bitter , ja sie ging weiter , sie fand Mariens Thränen selbst kindisch , und verwies es ihr mit einiger Strenge , wodurch die arme Kleine nur noch bewegter , und unfähig ward , sich sogleich zu fassen . Da nun aber Alexis , wie alle Kinder , wenn sie weinen sehen , auch weinte , und , um dem Vorschub zu thun , laut nach der Mutter bangte , so griff die üble Laune alle an , und Verweise und Drohungen fielen durch einander hin , und wurden in dem engen Raum um so störender , da sie jede heitere Betrachtung unterbrachen . Zudem wurden die Wege jetzt sehr beschwerlich . Die Baronin , im Fahren ängstlich , nur gewohnt , von Paris nach Versailles , oder andere bekannte Straßen zu reisen , litt sichtlich von der quälendsten Besorgniß , wie sehr sie sich auch bekämpfte . Niemand sprach zuletzt , bis Alexis , der sich in dem Maaße erheiterte , als die andern schwiegen , Giannina anlag , ihm etwas zu erzählen . Diese wußte ein uraltes Mährchen von einer Bergfrau , welche Abends auf weißem Flügelpferde durch die blaue Alpen ziehe , Krankheit und Tod über die Menschen bringe , Jünglinge aus den Hochzeitkammern entführe , und wenn die Bräute ihnen nachfolgten , diese in kleine Blumen verwandele , welche man Alpenrosen zu nennen pflege . Der Knabe wurde nun auch still , und sah ganz scheu zum Wagen hinaus , denn er fürchtete , die große , schreckliche Dame zu sehen , wie er sich ausdrückte . Jenseit Aosta bestiegen die Männer Maulthiere , die Frauen mußten sich größtentheils in Sesseln tragen laßen . Antonie indeß bestand mit einiger Hast darauf , ebenfalls den Weg auf einem Maulthiere zurückzulegen . Sie hatte einen sichern Führer , und ritt nun zwischen dem Herzog und ihrem Vater die steilen , gewundenen Pfade entlängs , ohne eine Spur von Unruhe zu zeigen , weshalb sie der Herzog oftmals freundlich anlächelte , und selbst einigen Stolz über sie , die Richte , zu empfinden schien . Es war am Ende des Dezembers . Ungleiche Windstöße hüllten sie oftmals in Wolken von Schnee und Hagel . Ein jeder fühlte die Kälte sehr empfindlich , Antonie hatte einen Mantel übergehangen , und den Kopf vielmals mit langen Schleiern umwunden , allein der Wind wickelte diesen , wie das aufgeflochtene Haar , immer wieder los , bis sie , doch etwas unsicher auf dem fremden Thier , und sich keinesweges mit Freiheit darauf bewegend , Haar und Schleier in Gottes Namen im Winde flattern ließ , einzig darauf bedacht , wie sie sich sonst vor der Kälte verwahre , die immer schneidender ward . Die Reitenden gewannen leicht einen kleinen Vorsprung , so daß sie die Andern zuweilen ganz aus den Augen verloren , und dann plötzlich bei einer Beugung des Pfades ihrer erst wieder ansichtig wurden . Als es daher bereits dunkelte , und Antonie , unter der schwarzen Wolke ihrer Haare , den Steg etwas fern ab ritt , schrie Alexis laut auf , und versteckte sich an Gianninas Brust , indem er rief , da ist die Dame ! da ist sie ! Wirklich hatte sie ein seltsames Ansehn , was durch die Schneewirbel noch undeutlicher , und ganz Mährchenhaft , durchschimmerte . Doch Antonie ward ihrer Seits auch bald genug auf weit ernstere Weise erschreckt . Sie stiegen bereits die nördliche Abdachung des Bernhard hinunter , und freueten sich , eine Hütte zu finden , wo sie ausruhen und übernachten könnten , als die Thiere plötzlich stutzten , und ihre Führer gleichfalls einige Schritt , vor einem , über den Weg liegenden Mann , still standen . Ein Todter ! rief der Eine , welcher näher herzugetreten war . Der Herzog sprang zur Erde , der Marquis folgte ihm , doch ehe sie noch zu der Stelle kamen , war ihnen Antonie schon vorangeflogen , hatte die Hand des Mannes gefaßt , und rief sehr freudig : er lebt , er lebt ! Ob indeß gleich einige matte Pulsschläge das krankhafte Leben andeuteten , so lag der Mann doch wie entseelt , regungslos , mit gebrochenem Auge . Das Blut war ihm aus mehrern Wunden hervorgestürtzt , jetzt rieselte es nur schwach an der geronnenen , zusammengeballten Kruste hin , die sich um die kranken Stellen gelegt hatte . Sein Gesicht war todtenbleich , die Hände starr und kalt , Rock und Gilet waren , wie in Todesangst , weit über die Brnst aufgerissen , der Wind strich schneidend über diese und die offenen Wunden hin . Antonie warf ihren Mantel über ihn , riß heftig an den Schleiern , und , während sie die Wunden mit diesen umwickelte , rieb sie sanft hin und wieder an den bleichen , verfallenen Schläfen . Ein grünes Netz deckte verschoben das reiche Haar , die schönsten Brauen lagen , wie hingezeichnet , auf der freien Stirn , Antonie berührte diese leise , als es wie eine Erinnerung durch sie hinfuhr , sie blickte auf nach dem Herzog , der stand , auf seinen Stock gestützt , mit tief über die Augen gezogenem Hut , finster und stumm da . Antonie fühlte das Herz des Kranken jetzt stärker schlagen , das Blut schien gestillt . Nun Ihr Männer ! rief sie , was besinnt ihr Euch , soll der Unglückliche hier vergehn ? Er lebt , ich sage es Euch ja , die Besinnung kehrt zurück , ich sehe es in den starren Zügen leise arbeiten ! Wollt Ihr nicht , so trage ich ihn auf meinem Rücken zur nächsten Hütte ! Der Herzog machte eine unwillkührliche Bewegung zu dem Kranken hin , trat aber wieder zurück , und stand wie eingewurzelt mit gesenkten Augen . Der ganze Zug war indeß herangekommen . Alles stockte und drängte sich herzu . Bertrand und