, was du nicht weißt . Geh in Frieden ! meine Geschäfte rufen mich jetzt . Aber deine Harfe laß mir hier . Ich schicke dir zur Stund eine andere . Ich wollte mir nun ein Herz fassen und seine Hand küssen ; aber er zog sie schnell weg und sagte : O Gretchen ! Gretchen ! geh geschwind ! Aber ich hatte mich schon zu sehr verspätet , und mußte in meinem ganzen Putze zu Tische gehen ; so daß Herr Stephani einmal über das andere lächelte , wenn er mich ansah . Doch war es gewiß kein spöttisches Lächeln . Als aber die Kinder fragten : ei Gretchen ! wo bist du denn so schön geputzt hingewesen ? und die Frau Präsidentin antwortete : beim Fürsten , da lächelte Herr Stephani nicht mehr , sondern blickte traurig vor sich nieder . Ach , herzliebste Mutter ! warum wirft sich doch immer etwas zwischen die Menschen , daß sie sich nicht so lieben , wie sie sich lieben könnten ? Es ist gewiß etwas zwischen dem Fürsten und Herrn Stephani . Und das wird es auch wohl seyn , wovon der Fürst sagt : er wolle überlegen , ob es mir gut sey , daß ich es wisse . - O nein ! es wird mir nicht gut seyn . Aber ihnen wird es noch weniger gut seyn ; und darum werde ich auch nicht ruhen , bis ich es weggeräumt habe . Der Haß ist gewiß das grösseste wahre Leiden auf der Erde . Ja , ich muß ihr gestehen , herzliebste Mutter ! daß er mir wie eine ordentliche Verrücktheit vorkommt , die mein tiefstes Mitleiden erweckt , und daß ich es darum so recht inniglich mit meinem ganzen Wesen begreife , wie der Heiland sein Leben opfern konnte , damit sich die Menschen nur lieben lernten . Ach , herzliebste Mutter ! ich erschrecke davor , wenn ich denke , daß es Hochmuth oder Gotteslästerung seyn könnte ; aber ihr darf ich es doch nicht verhelen , daß mir immer wunderbarer zu Muthe wird , je älter ich werde , ja , daß mir ganz anders wird , als den jungen Mädchen , die ich kenne . Sie bekommen immer mehr Gefühl für die Freude , und ich immer mehr für den Schmerz , nicht für den eigenen , sondern für den fremden . Wenn ich so Mütter ihre Kinder , Kinder ihre Mütter beweinen sehe , ach noch gestern sah ich es , dann ergreift es mich mit unbeschreiblicher Gewalt , und ich werfe mich nieder , und flehe zu Gott , er möge doch die Menschen vom Tode erlösen . O , wenn sie von der Sünde , von der Strafe der Sünden , durch einen Gerechten erlöst werden konnten , warum nicht auch vom Hasse und vom Tode ? O , meine herzliebste Mutter ! wenn man sich durch ein ganz reines Leben würdig machen könnte , als ein Opfer für die Menschheit angenommen zu werden ; - wenn es genug wäre , daß Einer über Alles liebte , Einer eines vieltausendfachen Todes stürbe ; damit kein Haß , kein Todeskampf mehr auf Erde gefunden würde . O meine Herzensmutter ! wäre ein solcher Tod nicht der tiefsten Sehnsucht würdig ? - Stephani an seine Verwandten . Noch weiß Niemand , was ich vorhabe , und Alles erstaunt über die ungewöhnlichen Vorbereitungen . Da mein Zimmer ein viel zu beschränkter Raum für das Bild ist , hat man mir auf mein Bitten den Saal eingeräumt . Er ist durch eine grosse Glasthüre mit dem Wohnzimmer verbunden , und so kann ich die Himmlische beobachten , wann ich will . Glückseliger ! kein Kummer darf mir nahen . Auge ! du göttliches ! ich habe dich ! und dich geschlossener heiliger Mund ! O , mir sagt ' s mein Geist ! dich wird wohl kein Mann jemals berühren . Geschähe es , dann wäre sein irrdisches Daseyn beschlossen , und er schwebte entsündigt zu den Seraphinen , die dich bildeten . Gretchen an ihre Mutter . Herzliebste Mutter ! Unser Wohnzimmer ist ganz verändert , und doch ist keine Veränderung darin vorgegangen . Aber Herr Stephani malt in dem grossen Saale , der daran stößt , und seitdem ist Alles ganz anders . Die Gemälde scheinen lebendig zu werden , und scheinen freudig zu lächeln , die Menschen scheinen Gemälde zu werden , und alles Häßliche zu vermeiden . Der Saal ist geheimnißvoll und prächtig , wie eine Kirche . Mehrere Fenster sind verhangen ; aber in die offenen blickt die Sonne , wie ein göttlicher Geist . Das Bild , was Herr Stephani malt , steht mit der Rückseite gegen die Glasthüre unseres Zimmers . Alles ist verschlossen , Niemand darf hinein . Es muß etwas ganz Auserordentliches vorstellen ; denn Herr Stephani sieht aus , wie ein Entzückter , wenn er zurücktritt , um es zu betrachten . Da er dieses sehr oft thut , und das Bild von ganz ungewöhnlicher Grösse ist ; so sagt die Frau Präsidentin : es müsse wahrscheinlich bestimmt seyn , aus einer grossen Entfernung gesehen zu werden . Gestern hab ' ich auch gesehen , daß es wirklich so seyn muß . Herr Stephani ging ganz bis an das Ende des Saals , der sehr lang ist , um das Bild zu betrachten . O , wenn nur auch gleich ein Maler da gewesen wäre , der ihn hätte malen können ! Es würde ein eben so wunderbares Gemälde , ja , vielleicht ein noch wunderbareres , als das , woran er arbeitet , geworden seyn . So habe ich noch keinen Menschen gesehen . Sein Haar schien sich zu heben , sein Auge stralte , wie eine Sonne , sein Arm streckte sich aus ; er wollte malen und hatte die Entfernung vergessen . Plötzlich wurde er sie gewahr , und kam wieder auf das Bild zugeflogen . O wie wurde mir , herzliebste