zu treten ; er sah aus dem Fenster den häßlichen Baron in einem Armensünderhemde mit unbedecktem Haupte , wie Kaiser Heinrich vor dem Papste und dessen Geliebten , doch fehlte hier der Schnee . » Wie können Sie sich unterstehen « , rief der Graf , » wieder mein Haus zu betreten ? « - » Darum bin ich auch auf dem Hofe geblieben « , antwortete der Baron . - Ein ganz unerwarteter Einfall , der einem Zorne begegnet , setzt oft in Verlegenheit , nimmt die Besonnenheit , gut darauf zu antworten , aber der Zorn gestattet nicht das Schweigen , und so antwortet man leicht das Dummste . » Ich habe keinen Hof « , antwortete der Graf , » und hätte ich einen , so wären Sie der letzte , den ich darauf anstellte . « - Kaltblütig erwiderte der Baron : » Wenn Sie keinen Hof haben , so ist dies auch nicht Ihr Hof , worauf ich stehe , und Sie können mich also nicht verweisen . « - Die Gräfin legte sich ins Mittel , küßte ihren Mann und sagte , der Baron hätte ihr demütige Abbitte getan , er wolle sich ganz bessern , nur möchten sie ihn nicht aus ihrer Gesellschaft verstoßen . - » Wenn es meine Frau wünscht « , sagte der Graf , » so kommen Sie herauf , mir sind Sie nicht hinderlicher , als viele andre Menschen , erst aber ziehen Sie sich anständig an . « - Der Baron ließ sein Hemde fallen und stand da in gewöhnlicher Kleidung und sagte : » Ich komme gleich , zieht Euch nur erst ruhig an ; ich habe noch ein paar Bekannte zu Euch geladen , die werden Euch sehr wohl gefallen ; es sind gerade Menschen wie ich , etwas geradezu , aber ehrlich und können lustige Historien erzählen ; ich will heut alles wieder gut machen . « - » Das schwör ich Euch « , rief noch der Graf , » führt Ihr Euch heute nicht ganz gut auf , so endet es nicht gut . « - Die Gräfin freute sich auf die neue Unterhaltung . Nach zwei Stunden kam der häßliche Baron mit seinen beiden Freunden , so beliebte er sie wenigstens zu nennen ; der eine , ein knochiger alter Mann mit dickem , zwischen den Schultern eingezogenen Kopfe , hatte die dauerhafteste Kleidung an seinem Körper hängen : streifig geschnittenen grünen Plüsch zu Rock und Weste , schwarzen Plüsch zu Hosen , Stiefelmanschetten und Schmierstiefel ; sein Gesicht war ein Ausdruck plumper Spaßhaftigkeit . Der andre sah durchaus bedenklich über seine lange schmale Nase ; ein altes hofmäßiges Kleid , ein schlechter stählerner Degen , Schuhe mit großen Schnallen , ein Haarbeutel , zeigten den früheren Bewohner einer großen Stadt . Der Baron stellte jenen als den Kommerzienrat Nudelhuber , berühmten Maler und Bilderhändler aus der Schweiz , diesen als den Prinzenhofmeister Kirre vor ; jener war gleich vertraut , griff nach den Händen zum Küssen , machte es sich bequem ; dieser belächelte sehr fein seine Ungeschicklichkeit , wollte ihn auch verspotten , wovon aber jener so wenig merkte als ein großer Metzgerhund , wenn ein kleiner Bologneser mit ihm spielen will ; ganz zufällig kniff er dagegen den Prinzenhofmeister ganz jämmerlich mit plumpen Einfällen über seinen leichten Anzug . - Der Baron fragte die Gräfin , als die Unterhaltung beim Frühstücke etwas stockte : » Nun , wie gefallen Ihnen meine Freunde , sind es nicht gerade solche Lumpenkerls wie ich ? Gleich müssen sie aber auch ihre Kunststücke machen ; hört « , sprach er zu den beiden , » damit sie hier wissen , was an euch , erzählt einmal die Geschichten , wo ich so lachen mußte - ja nicht Eure ganze Lebensgeschichte , da könnt ihr nie ein Ende finden . Fang du an , Prinzenhofmeister , laß alle deine feinen Hofgeschichten weg , wie du jedem scharfe Antworten gegeben ; wir wollen nichts wissen , als die unglückliche Affäre , wie der Erbprinz dir abhanden gekommen . « - » Welcher Erbprinz ? « fragte die Gräfin . - » Euer ehemaliger gnädiger Herr « , antwortete der Baron . - Die Gräfin sagte : » Daran nehme ich Anteil , er ist mir aus früheren Jahren noch sehr wert ; fast möchte ich sagen , wir waren in einander verliebt , so wie Kinder es sind . « Sechstes Kapitel Der verlorene Erbprinz Hierauf begann der Prinzenhofmeister mit verschränkten Beinen ruhig sitzend seine wohlüberlegte Erzählung . » Da ich nach dem freundschaftlichen Wunsche des lieben Barons von allen frühern Ereignissen schweigen soll , die meiner Führung des mir anvertrauten jungen hoffnungsvollen Erbprinzen alle Ehre machten , und bloß von dem schmerzlichen Tage reden muß , der alle meine guten Lehren vernichtete , so kann ich es mir zur Genugtuung wenigstens nicht versagen , die Grundsätze zu entwickeln , denen ich in der Erziehung gefolgt bin , und denen ich auch auf der Reise treu geblieben , welche die Erziehung des Prinzen beendigen sollte . « » Nicht so breit und steif « , sagte der Baron , » reden Sie wie gewöhnlich , sonst werden Sie nimmermehr fertig ; kurz will ich erzählen , Sie reisten mit dem Erbprinzen nach Hause und auf einem Seitenwege kamen Sie an einen See ... « DER PRINZENHOFMEISTER : » Sehr gut gesagt . Ich ritt mit meinem Erbprinzen ganz allein durch einen tiefen Hohlweg ; die Baumwurzeln hingen über uns in der Luft , der Weg war frisch aufgerissen , der Boden noch naß , aber der Regensturz hatte sich in einem Bache verlaufen , der uns an das Ufer eines großen Sees brachte , das so weit man sehen konnte nichts als Wacholderbeersträuche hervorbrachte . Wir fanden ein kleines Haus und dabei eine Fähre ; der Fährmann , der aus dem Hause trat , fragte uns , ob wir nach der Festung übersetzen wollten