, wie bestimmt ich es ihr auch schon am vierten Tage nach unserer Abreise ansah , daß sie ihren Busen gegen mich auszuschütten wünschte . Als wir endlich an Ort und Stelle angelangt waren , wurden wir zwar mit allem Pomp empfangen , der bei solchen Gelegenheiten herkömmlich ist ; aber über Täuschungen dieser Art erhaben , wie wir einmal waren , rekognoszirten wir nur das Terrain , worein uns das Schicksal geworfen hatte . Ein jeder warf sich , wie sich dies von selbst versteht , in seine besten Atours , und die Erscheinung einer so liebenswürdigen Prinzessin , als Caroline war , trug gewiß nicht wenig dazu bei , daß alle Bewillkommungen und Glückwünsche nur desto besser von statten gingen ; bei allem dem aber konnten wir nicht verfehlen , die Entdeckung zu machen , daß irgend ein düsterer Geist über diesem Hof walten müsse , ein unmittelbares Gefühl sagte uns dies , ohne alle künstliche Vernunftschlüsse . Die nächsten vierzehn Tage klärten unsere Ahnung - denn mehr war unsere Entdeckung nicht - gänzlich auf . Alles beruhete auf einem Mißverhältniß der Herzogin zu dem Herzoge . Von Gewissenszweifeln geängstigt und im höchsten Grade abergläubisch , war die erstere ( ihre Kinder allein ausgenommen , welche sie aus unbezwingbarem Instinkt liebte ) sich selbst und allen Menschen abhold , während der letztere , wenn gleich nicht minder zum Aberglauben geneigt , mit einer gesünderen Constitution die Freuden , welche er im eigenen Familienkreis nicht finden konnte , außerhalb desselben suchte , und , weil er sie auch da nicht fand , in der Regel mürrisch und auffahrend war , und dadurch alles von sich zurückschreckte . Dies hatte auf Carolinens Gemahl in sofern zurückgewirkt , als er in dem vergeblichen Bestreben , seinen sich selbst so ungleichen Eltern genug zu thun , zuletzt ungeduldig und über die Gebühr heftig geworden war . Unfähig seinen Vater zu lieben , und eben so unfähig sich mit seiner Mutter zu identifiziren , war er , von seinem eigenen Herzen verleitet , die Beute aller derjenigen geworden , in deren Arme er sich geworfen hatte . Wie gesund auch sein Verstand in seinen Anlagen war , so hatte er ihn doch nie in den Besitz der Mittel führen können , durch welche man sich seiner ganzen Umgebung bemächtigt ; und je mehr er zwischen hundertfältigen Rücksichten dahin schwankte , desto unzufriedener war er mit seiner ganzen Lage . Vor seiner Vermählung mit einem liebenswürdigen Fräulein verbunden , hatte er dieser Verbindung entsagen müssen , ohne seinen Neigungen entsagen zu können ; und wie diese Schwäche von allen denjenigen gemißbraucht wurde , welche , aus früherer Zeit her , im Besitz seines Vertrauens waren , läßt sich ohne Mühe denken . Kurz der ganze Hof war ein Vereinigungspunkt der Antipathien , und , was immer damit verbunden ist , der Intriguen . Keine einzige klare Seele , an welche man sich verdachtlos hätte anlehnen können ! Und die Quelle von diesem allen war der Aberglaube in dem Geiste der Herzogin und des Herzogs , der von dem ersten Hofgeistlichen kräftigst unterstützt wurde . Ich habe seitdem sehr oft Gelegenheit gehabt , die Bemerkung zu machen , daß fürstliche Personen ungemein zum Aberglauben hinneigen ; und so oft ich mir diese Erscheinung zu erklären versucht habe , bin ich immer auf das Resultat gekommen , daß , während alles , was ihnen untergeordnet ist , nur sie fürchtet und verehrt , sie ihrer Seits auch etwas fürchten und verehren wollen , weil es ihnen unmöglich fällt , der menschlichen Gebrechlichkeit diesen Tribut zu versagen . Nur wenige dürften hiervon eine Ausnahme machen . Indem ich diese Entdeckungen machte , nahm ich mich wohl in Acht , darüber mit der Erbprinzessin zu sprechen . Ich bot vielmehr meine ganze Heiterkeit auf , sie glauben zu machen , daß ich ganz unbefangen sey und bleibe . Es war mir , ich gestehe es , ein wenig peinlich , meiner Freundin gegenüber der Offenheit zu entsagen , womit ich sie bisher behandelt hatte ; allein ich sagte mir wiederum , daß dies ein Opfer sey , das ich höheren Verhältnissen bringen müsse . Sehr deutlich leuchtete mir ein , daß hier nichts zu verbessern sey , daß man aber aus übel leicht ärger machen könnte . Ich nahm mir also vor , meine Stellung immer so zu nehmen , daß ich , so viel an mir wäre , die Sachen in einem erträglichen Gange erhielte . Auf keinen Fall war ich gesonnen , die erste Confidenz zu machen ; und war es irgend möglich , die Erbprinzessin von Confidenzen gegen mich zurück zu halten , so wollte ich es nicht an mir fehlen lassen . Am meisten fürchtete ich den Charakter der Herzogin , welche , nachdem ihre Schwiegertochter einmal mit eigenen Augen gesehen hatte , sehr leicht auf den unglücklichen Einfall gerathen konnte , sich vor ihr zu rechtfertigen , und mich darüber zum Zeugen zu nehmen . Ich sah dies so bestimmt vorher , daß ich vorläufig auf den Gedanken verfiel , nichts zu thun , was der Herzogin Vertrauen zu mir einflößen könnte . In der That , ich war sehr übel daran . An unserem Hofe hatte ich mit der größten Freiheit gelebt ; hier hingegen war ich von allen Seiten her so eingeklemmt , daß ich mich durchaus nicht bewegen konnte , ohne anzustoßen und Quetschungen und Schrammen davon zu tragen . Meiner ganzen Natur nach ohne Falsch und ohne Hehl , war ich gegen meinen Willen zur Politik hingezogen . Hätte mich das Interesse für meine Freundin nicht aufrecht erhalten , so würde ich , gleich der Tochter Ludwigs des Funfzehnten von Frankreich , den Aufenthalt in irgend einem Carmeliterkloster der meschanten Lage vorgezogen haben , in welcher ich an diesem Hofe war . Der auffallende Entschluß jener Prinzessin hat mich nie in Erstaunen gesetzt , weil ich selbst erfahren habe , wie abgeschmackt und langweilig das Hofleben unter gewissen Bedingungen