nähren und ihren eigenen Gang am Himmel zu gehn . Manche hoben sich kühn genug , um auch Sterne zu werden , und müssen nun dafür die schöne grüne Bekleidung der niedrigern Gegenden entbehren . Sie haben dafür nichts erhalten , als daß sie ihren Vätern das Wetter machen helfen , und Profeten für das tiefere Land sind , das sie bald schützen bald mit Ungewittern überschwemmen . Seitdem ich in dieser Höhle wohne , fuhr der Einsiedler fort , habe ich mehr über die alte Zeit nachdenken gelernt . Es ist unbeschreiblich , was diese Betrachtung anzieht , und ich kann mir die Liebe vorstellen , die ein Bergmann für sein Handwerk hegen muß . Wenn ich die seltsamen alten Knochen ansehe , die hier in so gewaltiger Menge versammelt sind ; wenn ich mir die wilde Zeit denke , wo diese fremdartigen , ungeheuren Thiere in dichten Schaaren sich in diese Höhlen hereindrängten , von Furcht und Angst vielleicht getrieben , und hier ihren Tod fanden ; wenn ich dann wieder bis zu den Zeiten hinaufsteige , wo diese Höhlen zusammenwuchsen und ungeheure Fluten das Land bedeckten : so komme ich mir selbst wie ein Traum der Zukunft , wie ein Kind des ewigen Friedens vor . Wie ruhig und friedfertig , wie mild und klar ist gegen diese gewaltsamen , riesenmäßigen Zeiten , die heutige Natur ! und das furchtbarste Gewitter , das entsetzlichste Erdbeben in unsern Tagen ist nur ein schwacher Nachhall jener grausenvollen Geburtswehen . Vielleicht daß auch die Pflanzen- und Thierwelt , ja die damaligen Menschen selbst [ , ] wenn es auf einzelnen Eylanden in diesem Ozean welche gab , eine andere festere und rauhere Bauart hatten , - wenigstens dürfte man die alten Sagen von einem Riesenvolke dann keiner Erdichtungen zeihen . Es ist erfreulich , sagte der Alte , jene allmählige Beruhigung der Natur zu bemerken . Ein immer innigeres Einverständniß , eine friedlichere Gemeinschaft , eine gegenseitige Unterstützung und Belebung , scheint sich allmählich gebildet zu haben , und wir können immer besseren Zeiten entgegensehn . Es wäre vielleicht möglich , daß hin und wieder noch alter Sauerteig gährte , und noch einige heftige Erschütterungen erfolgten ; indeß sieht man doch das allmächtige Streben nach freyer , einträchtiger Verfassung , und in diesem Geiste wird jede Erschütterung vorübergehen und dem großen Ziele näher führen . Mag es seyn , daß die Natur nicht mehr so fruchtbar ist , daß heut zu Tage keine Metalle und Edelsteine , keine Felsen und Berge mehr entstehn , daß Pflanzen und Thiere nicht mehr zu so erstaunlichen Größen und Kräften aufquellen ; je mehr sich ihre erzeugende Kraft erschöpft hat , desto mehr haben ihre bildenden , veredelnden und geselligen Kräfte zugenommen , ihr Gemüth ist empfänglicher und zarter , ihre Fantasie mannichfaltiger und sinnbildlicher , ihre Hand leichter und kunstreicher geworden . Sie nähert sich dem Menschen , und wenn sie ehmals ein wildgebährender Fels war , so ist sie jetzt eine stille , treibende Pflanze , eine stumme menschliche Künstlerinn . Wozu wäre auch eine Vermehrung jener Schätze nöthig , deren Überfluß auf undenkliche Zeiten ausreicht . Wie klein ist der Raum , den ich durchwandert bin , und welche mächtige Vorräthe habe ich nicht gleich auf den ersten Blick gefunden , deren Benutzung der Nachwelt überlassen bleibt . Welche Reichthümer verschließen nicht die Gebirge nach Norden , welche günstige Anzeigen fand ich nicht in meinem Vaterlande überall , in Ungarn , am Fuße der Carpathischen Gebirge , und in den Felsenthälern von Tyrol , Östreich und Bayern . Ich könnte ein reicher Mann seyn , wenn ich das hätte mit mir nehmen können , was ich nur aufzuheben , nur abzuschlagen brauchte . An manchen Orten sah ich mich , wie in einem Zaubergarten . Was ich ansah , war von köstlichen Metallen und auf das kunstreichste gebildet . In den zierlichen Locken und Ästen des Silbers hingen glänzende , rubinrothe , durchsichtige Früchte , und die schweren Bäumchen standen auf krystallenem Grunde , der ganz unnachahmlich ausgearbeitet war . Man traute kaum seinen Sinnen an diesen wunderbaren Orten , und ward nicht müde diese reizenden Wildnisse zu durchstreifen und sich an ihren Kleinodien zu ergötzen . Auch auf meiner jetzigen Reise habe ich viele Merkwürdigkeiten gesehn , und gewiß ist in andern Ländern die Erde eben so ergiebig und verschwenderisch . Wenn man , sagte der Unbekannte , die Schätze bedenkt , die im Orient zu Hause sind , so ist daran kein Zweifel , und ist das ferne Indien , Afrika und Spanien nicht schon im Alterthum durch Reichthümer seines Bodens bekannt gewesen ? Als Kriegsmann giebt man freylich nicht so genau auf die Adern und Klüfte der Berge acht , indeß habe ich doch zuweilen meine Betrachtungen über diese glänzenden Streifen gehabt , die wie seltsame Knospen auf eine unerwartete Blüthe und Frucht deuten . Wie hätte ich damals denken können , wenn ich froh über das Licht des Tages an diesen dunkeln Behausungen vorbeyzog , daß ich noch im Schooße eines Berges mein Leben beschließen würde . Meine Liebe trug mich stolz über den Erdboden , und in ihrer Umarmung hoffte ich in späten Jahren zu entschlafen . Der Krieg endigte , und ich zog nach Hause , voll froher Erwartungen eines erquicklichen Herbstes . Aber der Geist des Krieges schien der Geist meines Glücks zu seyn . Meine Marie hatte mir zwey Kinder im Orient geboren . Sie waren die Freude unsers Lebens . Die Seefahrt und die rauhere Abend ländische Luft [ zer ] störte ihre Blüthe . Ich begrub sie wenig Tage nach meiner Ankunft in Europa . Kummervoll führte ich meine trostlose Gattin nach meiner Heymath . Ein stiller Gram mochte den Faden ihres Lebens mürbe gemacht haben . Auf einer Reise , die ich bald darauf unternehmen mußte , auf der sie mich wie immer begleitete , verschied sie sanft und plötzlich in meinen Armen . Es war hier nahe bey ,