verwundern ? - Einmal ist ' s doch nothwendig , wenn wir unser Ziel erreichen wollen , dass der Alte die Witwe kenne ; und eine bessere Gelegenheit dazu , als diese , wird sich nicht finden . - Kurz , sie macht einen Besuch bei dem Vater , bittet den Vater , gefällt dem Vater , bezahlt ihre Schulden , heiratet den Bruder . Himmel ! rief der Doctor , und ich habe noch kein Kleid auf die Hochzeit . - Die kömmt mir rasch über den Hals . Ich will nur gleich in den Laden . Haha ! - Aber spotte nur ? spotte ! Die Sache ist so gut wie geschehen . Es ist unmöglich , wenn der Vater die Witwe sieht , dass sie ihm nicht gefalle , und auf dieses Gefallen bauen wir dann weiter fort , bringen ihn von allen seinen Vorurtheilen zurück , lassen ihn die Heirat nicht bloss genehmigen , sondern selbst wünschen . Wenn er nun aber die Witwe nicht vorlässt ; wie da ? Leere Grille ! - Oder wenn er wohl gar - was wir doch wirklich zu fürchten haben - sie ungütig aufnimmt ? Wenn Er - ? Sie stand hier einen Augenblick stille , und sah auf den Boden . - Mann ! rief sie dann aus : Du bist mitunter doch allerliebst . Ich mögte dich küssen für deinen Einfall . Für welchen ? Dass er sie ungütig aufnehmen könnte . - O , wenn der Himmel das wollte ! Versteh ' Euch Weiber ein Andrer ! Komm ! Ich eröffne dir das Verständniss . - Nicht wahr ? Wenn der Vater sie ungütig aufnimmt : so begeht er , ganz gegen seine sonstige Art , einen Fehler , den er durchaus , es koste auch was es wolle , wieder wird gut machen wollen ; so setzt er sich selbst aus der guten Laune heraus , in der es immer so schwer wird ihn zu fassen und mit ihm fertig zu werden ; so sind wir auf einmal , und gleichsam durch einen Sprung , an dem Ziele , zu dem wir uns sonst - wer weiss wie langsam und durch wie viel Schwierigkeiten ? - hindurchwinden müssten . Alles gut ! sagte der Doctor . Wenn nur nicht zu besorgen wäre - - Freilich ! - Dass er den Fehler nicht macht . Ganz im Gegentheil ! - Dass er ihn nicht für Fehler erkennt . Ach , wenn er ihn nur erst macht ! Die Erkenntniss wollen dann wir ihm schon verschaffen . - Aber , mein Kind - indem er bedenklich den Kopf schüttelte , und eine sehr ernsthafte Miene annahm - dem eignen Vater eine Falle zu legen - ich weiss nicht - - Eine Falle ! - Was nun das wieder ist ! Eine Falle ! - Ich sinne in der Welt auf nichts Arges , nur auf Liebes und Gutes ; und da kömmt der Mann und erhebt ein Geschrei , als ob ich über Tücke und Hinterlist brütete . - Wer hat mir denn das Basiliskenei in mein Nest geschoben , als eben Er ? Wer hat den unglücklichen Einfall gehabt , als ob der Vater sich übel benehmen könnte ? Er wird sich sehr gut benehmen , sehr gut . Das soll der Herr Doctor nur wissen ! - Mit diesen Worten ergriff sie ihre Enveloppe , und war schon längst auf der Strasse , als der Doctor noch immer den Faden suchte , woran er seinen casuistischen Knäuel entwirren könnte . XIX. Die Verwunderung , womit Madam Lyk ihre neue Freundinn so schnell zurückkommen sah , ging in Freude über , als sie den glücklichen Ausgang der Unterhandlung mit Horn erfuhr ; aber diese Freude wieder in Unruhe , als die Doctorinn fragte , ob sie ausser diesem Horn , den sie nun freilich fürs erste los sei , nicht noch andere Gläubiger habe ? Ich hoffe , sagte die Witwe , keine so dringende und so ungestüme . Gesetzt aber , dass ihrer mehrere aufwachten ; wie da ? - Wär ' es nicht für Ihre Ruhe sehr wesentlich , meine Freundinn , lieber allen auf einmal den Mund zu stopfen ? Wenn mir das möglich wäre ; wie gerne ! - Aber ohne Zeit , die man mir lässt , und ohne Zutrauen , das man mir schenkt - - Kennen Sie meinen Vater ? fiel die Doctorinn ein . Der Person nach - kaum . Sehr von weitem . Aber dem Charakter nach ? der Denkungsart nach ? Da hab ' ich die höchste Meinung von ihm . Ich schliesse auf den Vater von seinen Kindern . Die gerathen nicht Immer . Glauben Sie mir : die Kinder des alten Stark könnten besser seyn , wenn sie dem guten Vater ähnlicher wären . Sie sagen für meine Erkenntlichkeit allzuviel . Für mein Herz allzuwenig . - Und nun fing sie an , ein Gemälde zu entwerfen , das zwar wirklich dem alten Herrn ziemlich ähnlich sah , das aber gleichwohl für ein Bildniss , wofür es doch gelten sollte , zu wenig Eignes und Unterscheidendes hatte . Eine zu gerührte kindliche Dankbarkeit , und eine zu lebhafte Begeisterung , die immer idealisirt und verschönert , hatten die Farben gemischt und den Pinsel geführt . Indessen war eben durch diesen Fehler das Gemälde um so geschickter , der Witwe ein unbedingtes Vertrauen einzuflössen , und eine lebhafte Begierde nach einer so vortrefflichen Bekanntschaft bei ihr zu wecken . Wäre mitten unter den schönen Zügen des verständigen , menschenfreundlichen , grossmüthigen Mannes , auch die ernste Falte des Sittenrichters und das heimliche Lächeln des Spötters , die doch so sehr zur Physiognomie des Herrn Stark gehörten , sichtbar geworden : so würde freilich jenes Vertrauen sehr geschwächt , und diese Begierde sehr gedämpft worden seyn . Die Witwe bezeugte in den kräftigsten Ausdrücken ihre Bewunderung , ihre Verehrung , und war nicht wenig neugierig ,