, aufgebaut , das ziemlich mit dem Charakter seiner Theologie zusammenhing . Cervantes führte er ebensooft im Munde wie Shakespeare , aber er fand den größten Gefallen an den unzähligen Prügeln , welche Sancho und der Ritter bekommen , an den Einseifungen , Prellereien und derben Sachen aller Art. Sowenig er die Schätze von Weisheit und Edelsinn bemerkte , die dem manchanischen Herren vom Autor in den Mund gelegt waren , in rapidem Wechsel mit den Ausbrüchen der Torheit , sowenig konnte oder wollte er den feinern Spott sehen , besonders wenn er wie auf ihn selbst gemünzt erschien , was dann zu den Versicherungen seines eigenen Humors den ergötzlichsten Gegensatz bildete . So sah er in dem Abenteuer in der Höhle des Montesinos nur eine äußerliche komische Schnurre . Den Humor , der in dem langen Seile liegt , das ganz nutzlos abgerollt wird , indessen der Ritter schon im Anfange die Augen schließt , wie alle , die sich selbst belügen und damit andere terrorisieren , und die Art , wie er sich nachher immer wieder wegen des in der Höhle Gesehenen benimmt , dies alles gewahrte er nicht oder rümpfte unmerklich die Nase dazu . Sein Idealismus , und er nannte sich bald rühmend , bald entschuldigend einen Idealisten , bestand darin , daß er gegenüber seinen Zuhörern , welche alles Wirkliche und Geschehende , sofern es sein eigenes Wesen ausreichend und gelungen ausdrückt und darstellt , für ideal hielten , eben dieses Wirkliche und Gewordene materiellen und groben Mist oder Staub schalt und dagegen alles Niegesehene , Nichtbegriffene , Namenlose und Unaussprechliche ideal hieß , was ebensogut war , als wenn man einen leeren Raum am Himmel Vorpommern nennen wollte . So nannte er auch jedes dilettantische pfuschende Treiben , aus dem nichts werden konnte , eine ideale Bestrebung , wenn es auch noch so verkehrt und anmaßlich war ; die aufopfernde ernste Arbeit in Wissenschaft und Kunst dagegen , die zum Gelingen führte , war ihm ein am Irdischen klebendes Haschen nach Erfolg , nach Ehre und Gut . Den Baumeister , dessen Kirchtürme zusammenfielen , pries er als einen tragisch gestellten Idealisten , denjenigen , dem sie stehenblieben , einen materialistischen Glücksjäger . Als katholischer Priester war er duldsam und über seine Kirche hinaus ; hierüber schwieg er bescheiden und rühmte sich nicht . Den aufgeklärten Deismus aber , welchem er huldigte , vertrat er fanatischer als irgendein Pfaffe seine Satzungen . Er suchte einen rechten Höllenzwang auszuüben mit idealen und humoristischen Redensarten und baute seine Scheiterhaufen aus Antithesen , hinkenden Gleichnissen und gewaltsamen Witzen , auf denen er den Verstand , den guten Willen und sogar das Gewissen der Gegner zu verbrennen trachtete , seiner eigenen Meinung zum angenehmen Brandopfer . Diese tapfere Lieblingsbeschäftigung , nebst der Gastfreundschaft des Grafen , führte ihn häufig in das Haus , und da er zugleich ein ehrlicher Gesell und redlicher Helfer bei wohltätigen Unternehmungen war , so gereichte er zum Nutzen wie zur bleibenden Heiterkeit des Hauses . Besonders Dorothea wußte ihn mit der leichtesten Anmut in den Irrgärten seines fanatischen Humors herumzuführen , neckisch vor ihm herzuhuschen und durch die Buschwerke seines krausen Witzes zu schlüpfen . Unergründlich war es dabei , ob mehr ein heiteres Wohlwollen oder ein bedenklicher Mutwillen im Spiele lag ; denn ebensooft , als sie dem Kaplane Gelegenheit gab zu glänzen , verlockte sie seine Eitelkeit auf das Eis , wo sein Witz das Bein brach . Das war nun der richtige Mann , an welchem ich meine neuen Waffen zu üben Gelegenheit fand , und ich tat es um so rücksichtsloser , als ich gegen Unarten focht , denen ich selber schon in mehr als einer Hinsicht gefrönt hatte . Nach dem ersten wehmütigen Erstaunen über meinen Abfall holte er mit verdoppelter Kraft aus , um mich niederzustrecken ; da ich aber das schonende Maß , dessen er gewohnt war , mit weniger Lebensart als neophytischer Kampflust überschritt , ihm phantastische Ausfälle und humoristische Stiche in gleicher schlechter Münze zurückgab , wurde er verstimmt und ging mehr als einmal der geselligen Erholung verlustig , welche er nach tagelangem Messelesen und Ministrieren gesucht hatte . Hierüber wurde ich meinerseits betroffen ; ich verwunderte mich , wie wenig der Mensch sich zu ändern imstande ist , wenn ich an das Erlebnis mit Ferdinand Lys zurückdachte , wo ich mich sogar einer schlimmeren Aufführung schuldig gemacht und mit einem Degen in der Hand auf der entgegengesetzten Seite , derjenigen des Kaplans , gestanden hatte . Ich faßte den Vorsatz , mich zu mäßigen und zu bessern , verfiel aber von neuem in den alten Fehler . Dadurch wurde ich als ein angehender Ruhestörer selbst der Schonung bedürftig , fühlte es und wurde selber betrübt . Allein es war schon dafür gesorgt , daß dem bedrängten Kaplan eine unerwartete Hilfe kommen sollte . Eines Tages rasselte ein offenes Fuhrwerk , bespannt mit einem schwerfälligen Bauernpferde , vor das Schloß . Auf dem Bock saß ein ländlicher Kutscher mit einer Tabakspfeife im Munde , in dem beckenförmigen Kasten dagegen , wie in der Muschel der Venus , ein seltsamer Mann mit einem großen Schlapphute , ebenfalls eine Pfeife im Munde tragend . Neben ihm lehnte ein mannshoher Kornsack , der aber mit vielen größeren und kleineren , eckigen und runden Gegenständen gefüllt schien und oben mit Mühe zusammengeschnürt war , so daß sich auf dem Haupte nur ein niedriges Faltenkrönlein hatte bilden können . Diesen Sack hielt der Insasse des Fuhrwerkes mit der einen Hand aufrecht , vor allem besorgt , daß er mit Vorsicht abgeladen würde . Als das geschehen , sprang er gleich nach und blieb bei dem Sacke stehen , denselben aufrecht haltend , weil er ihn um keinen Preis auf die etwas feuchte Erde wollte fallen lassen . Das machte ihm den nun folgenden Wortwechsel mit dem Fuhrmann schwierig zu führen , der sich wegen der Bezahlung des Fahrgeldes nicht wollte aufhalten lassen , während der Reisende sowohl die Höhe