mit denen man vertraulich zu verkehren wünschte , vor der Gesellschaftsstunde in Seba ' s kleinem Cabinette zusammen zu kommen , zu welchem sie sonst Anderen den Zutritt nicht gern gestattet hatte . Draußen heulte der Wind und trieb den Schnee in wildem Wirbel durch die mit Glatteis bedeckten Straßen . Das Frühjahr begann mit argen Stürmen . Herr Flies war mit Davide in das Opernhaus gefahren , in welchem man , dem Geschmacke der Franzosen nachgebend , eine neue Cherubini ' sche Oper aufführte , und er hatte sich , gern oder ungern , die Begleitung des Herrn von Castigni gefallen lassen müssen , der sich seit einigen Tagen unter dem Vorwande , dem dort wohnenden General beigegeben zu sein , in das Flies ' sche Haus einquartieren zu lassen gewußt hatte . Am Morgen war Paul wieder einmal angekommen . Nun brannte in seinem Zimmer Licht , und trotz des Wetters Ungunst hatte er die Laden desselben nicht geschlossen . Der helle Lichtschein fiel auf die einsamen Wege des Gartens hinaus , welche der alte Gärtner , der schon zu Fräulein Esther ' s Zeiten im Dienste gestanden hatte , in diesem Winter täglich säuberte und fegte , weil , wie er sagte , Mamsell Seba ihren freien Gang nach dem Monumente doch auch im Winter haben sollte . Aber es war nicht Seba , es war überhaupt kein Frauenzimmer , das in der vorgerückten Abendstunde unten am Wasser durch die Seitenthüre in den Garten eintrat und sich unter dem Schatten der Gartenmauer mit raschem Schritte dem Hause näherte . Der Gärtner , der ihn eingelassen , hatte sich gleich darauf entfernt . Der Kommende mußte jedoch von Paul erwartet worden sein , denn die Thüre des Gartensaales ward von innen geöffnet , als Jener sich demselben nahte , und gleich darauf wurden die Laden in Pauls Stube zugemacht . Der Fremde war ein Mann in gewählter bürgerlicher Kleidung . Er warf den weiten Mantel , der seine ganze Gestalt verhüllte , von seinen Schultern , schüttelte Paul die Hand und sagte , während er ein Packet Briefe aus seiner Brusttasche hervorzog : Nehmen Sie das vor allen Dingen ! Es ist vermuthlich das letzte Mal , daß wir Sie bemühen ! Wie das ? fragte Paul überrascht . Man ist auf Sie aufmerksam geworden , glaubt Sie um Ihrer amerikanischen Verbindungen und Ihrer wiederholten Reisen nach Rußland willen auch mit England in Geschäftsverbindung , hegt die Vermuthung , daß Sie dem über Rußland gehenden englischen Schleichhandel nicht fremd sind , und die geflissentlich vermittelte Einquartierung des Barons von Castigni in das Flies ' sche Haus gilt wesentlich Ihnen . Es dürfte also nicht mehr gerathen sein , Ihrer Gefälligkeit die Briefe anzuvertrauen , die man gegenwärtig unter kaufmännischen Adressen freilich am sichersten befördert . Indeß wenn Sie sich der Besorgung dieses Mal noch unterziehen wollten , so würden Sie uns sehr verbinden ! Paul hatte dem Redenden achtsam zugehört ; dann sagte er : Ich danke Ihnen für die Warnung , die ich durch Sie erhalte . Sie kommt mir nicht unerwartet , denn Mademoiselle Flies hatte mir schon Aehnliches mitgetheilt . Daß ich mit dem Schleichhandel nichts zu thun habe , brauche ich Ihnen nicht zu versichern , obschon gegen die rohe Gewalt mir jedes Mittel erlaubt dünkt . Hätte ich die Möglichkeit gesehen , eine große , regelmäßige Einfuhr überseeischer Produkte über Rußland zu bewerkstelligen , so würde ich sie benutzt haben ; der Schleichhandel aber leistet dem Lande keinen wesentlichen Dienst und seine Gefahr steht für den Unternehmer außer allem Vergleiche mit seinem wahrscheinlichen Gewinne , während er das Leben elender , armer Leute auf das Spiel setzt , die er obenein entsittlicht und verwildert . Von der Seite also habe ich nichts zu fürchten . Es sind reine Geldgeschäfte , die ich in Rußland habe , und die mich auch in den nächsten Tagen wieder dorthin führen werden . Wissen Sie , daß Napoleon jetzt die Zustimmung zu einer Versammlung in Dresden erhalten hat , in welcher alle unsere Monarchen wie zu seiner persönlichen Huldigung erscheinen werden ? Nein , entgegnete Paul , ich wußte das nicht . Ich habe in den französischen Zeitungen nur von dem schönen Familienleben des Kaisers und von dem Frieden gelesen , den er ersehnt , um die Welt nach seinen großen Planen zu beglücken ! fügte er spöttisch dazu . Und ganz Europa steht auf seinen Befehl jetzt unter Waffen , sagte der Andere . Zweimalhunderttausend Deutsche , die ausziehen , um sich als Nation selber vernichten zu helfen ! Unsere Lage ist furchtbar ! Wir gestatten dem ganzen französischen Heere den Durchzug ; vor den Thoren der Residenz ist unsere Festung den Franzosen übergeben . Die Residenz des Königs steht unter französischem Commando , zwanzigtausend Mann ziehen mit ihnen gegen Rußland - es ist einer völligen Unterwerfung unter die Tyrannei dieses Corsen gleich ! Es ist schlimmer , weit schlimmer , als alles , was wir achtzehnhundertsechs und sieben erlitten , denn wir thun anscheinend freiwillig , was wir damals unter dem Zwange der Nothwendigkeit ertrugen . Damals verließ der König seine Hauptstadt , jetzt ist sie auch in Feindes Hand , und der König selber wird gehen , unsern Unterdrücker in Dresden zu begrüßen ! - Er ging ein paar Mal in dem Zimmer auf und nieder ; dabei verriethen seine Haltung und sein Gang den Soldaten . Paul betrachtete die Briefe , welche jener ihm ausgehändigt hatte . Plötzlich blieb der Fremde vor ihm stehen . Wann denken Sie abzureisen ? fragte er . In zwei , drei Tagen spätestens . Pflegten Sie allein zu reisen ? Ich habe das letzte Mal einen Diener mit mir gehabt . Und jetzt ? Ich beabsichtige , ihn wieder mit mir zu nehmen . Würden Sie Sich meine Bedienung statt der seinen gefallen lassen ? forschte der Fremde , während ein Lächeln um seine Lippen spielte . Sie wollen in russische Dienste treten ? Ich halte es